Durch Recycling lassen sich endliche Rohstoffe wie Erdöl, Holz oder Metalle länger im Kreislauf halten. Doch täglich landen ungeeignete Abfälle in Wertstoffcontainern. Igor Mladenovic, Leiter des Stadtzürcher Recyclinghofs Looächer, erklärt im Interview, welche Recyclingfehler am häufigsten passieren und welche Folgen sie haben können.
Wie hat sich das Abfallaufkommen in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Seit 2016 ist die Menge an Kehricht und Sperrgut in der Stadt Zürich von rund 72’000 auf etwa 66’000 Tonnen gesunken – und das trotz Bevölkerungswachstum. Gleichzeitig steigt die Recyclingquote kontinuierlich, was eine erfreuliche Entwicklung ist. Pro Kopf fällt somit tendenziell weniger Abfall an. Während der Covid-Pandemie kam es zu einem vorübergehenden Anstieg bei Kehricht und Sperrgut. Wir führen dies darauf zurück, dass die Leute mehr zu Hause waren und die Gelegenheit zum Entrümpeln nutzten. Langfristig geht der Kanton Zürich davon aus, dass das Abfallaufkommen insgesamt auf dem heutigen Niveau bleiben wird.
Wie gut sind die Zürcherinnen und Zürcher Ihrer Meinung nach beim Trennen von Abfällen?
In der Schweiz werden Abfälle konsequent an der Quelle getrennt. Recycling hat hierzulande eine lange Tradition. Meine Schwiegerfamilie lebt in Österreich, und ich war früher immer schockiert, dass im Privathaushalt nur Papier und Karton separat entsorgt werden. Für mich fühlte es sich falsch an, zum Beispiel Glas in den normalen Abfall zu schmeissen. Erst seit 2024 trennt Österreich auch an der Quelle. In der Schweiz hingegen ist das für viele längst selbstverständlich. Insgesamt würde ich sagen: Wir sind gut im Abfalltrennen.
Gibt es Materialien, bei denen Recycling mehr Energie kostet als die Neuproduktion? Wie sinnvoll ist beispielsweise das Recycling von Plastik?
Wir bieten grundsätzlich nur Recyclingwege an, die ökologisch sinnvoll sind. Mit dem Recybag für Kunststoffverpackungen und Getränkekartons gibt es neu schweizweit eine gute Lösung für Plastikrecycling.
Was wird in Zürich nach wie vor häufig falsch entsorgt?
Aufgrund der Digitalisierung und der Zunahme von Onlineshopping ist der Papierabfall in Zürich stark zurückgegangen, während das Kartonaufkommen massiv zugenommen hat. Trotz der langjährigen Erfolgsgeschichte der Papier- und Kartonsammlung geschieht dabei häufig ein Recyclingfehler: Das Papier wird in einer Kartontragtasche zur Abholung auf die Strasse gestellt. Diese Tragtaschen gehören aufgrund ihrer materiellen Zusammensetzung in die Kartonsammlung.
Im Weissblech sind regelmässig Druckbehälter wie Sprühdeos und Haarspraydosen zu finden, während im Kompost oft Plastikabfälle vorkommen. Und der Grund, wieso Kleider nur in einem Plastiksack in den Sammelcontainer dürfen, ist übrigens, dass es tatsächlich Leute gibt, die benutzte Windeln in diese Container werfen. Der Plastiksack schützt die Kleidung in solchen Fällen vor Verschmutzung, sodass die Textilfasern recycelt werden können.
Was passiert, wenn ungeeignete Abfälle in einem Wertstoffcontainer landen?
Kartontragtaschen haben dickere Fasern als Papier und beinhalten Leim, weswegen sie nicht mit der Papiersammlung verarbeitet werden können. Deo- und Haarspraydosen im Hauskehricht statt im Sonderabfall kann zu Bränden im Container, beim Transport oder während der Verarbeitung führen. Plastik im Kompost ist problematisch, da Stücke dieses Plastiks die Vergärung überdauern und am Ende in Gärten und auf Feldern enden können.
Mit welchen Recycling- oder Entsorgungsmythen würden Sie gerne aufräumen?
Missverständnisse ranken sich etwa um das Thema Plastik. Im Lebensmittelbereich gibt es derzeit kaum Alternativen, die gleich gut vor Food-Waste schützen. Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, indem ein verpacktes Produkt länger haltbar ist, ist oft nachhaltiger, als auf das zu verzichten. Und Glas ist als Verpackung nicht automatisch umweltfreundlicher als Kunststoff.
Was uns ebenfalls wichtig ist: Essensreste gehören nicht ins WC. Abgesehen von menschlichen Exkrementen und Toilettenpapier darf nichts im WC entsorgt werden.
Bitte erklären Sie kurz, wie man nachfolgende Gegenstände richtig entsorgt: Pizzabox mit kleinen Fettflecken?
Heutzutage haben ja viele Pizzaboxen einen gewellten Karton drin, der das meiste Fett aufsaugt und in den Hauskehricht gehört. Wenn die Pizzaschachtel selbst nur kleine Fettflecken hat, darf sie in die Kartonsammlung – oder man reisst den verschmutzten Teil raus und entsorgt diesen im Hauskehricht und den Rest in der Kartonsammlung.
Kassenzettel?
Die meisten Kassenzettel sind beschichtet und müssen darum in den Hauskehricht.
Senftube?
Das ist Aluminium und darf in den Wertstoffcontainer.
Tetrapaks?
Diese können in Supermärkten zurückgegeben, mit dem Recybag gesammelt werden oder in der Stadt Zürich kostenlos bei mobilen Recyclinghöfen oder in den Recyclinghöfen abgegeben werden.
Parfümflacon mit nicht abnehmbarem Sprühkopf?
Leere Parfümflaschen kommen in die Glassammlung. Ist jedoch noch Parfüm drin, ist es Sonderabfall und muss zurück zur Verkaufsstelle oder zur Sonderabfall-Sammelstelle.
Trinkglas?
Bei Glas unterscheiden wir zwischen Hohlglas wie etwa für Flaschen und anderem Glas, wie es beispielsweise für Trinkgläser verwendet wird. Trinkgläser gehören nicht in den Glascontainer, sondern sind Grubengut. Einzelne Gläser dürfen in den Hauskehricht.
Blumenvase (aus Keramik)?
Keramikvasen sind Grubengut und können beim Recyclinghof oder beim mobilen Recyclinghof abgegeben werden.
Blumentopf (aus Ton)?
Das ist ebenfalls Grubengut.
Bratpfanne aus Edelstahl?
Passt sie in den Metallsammelcontainer, kann die Bratpfanne einfach dort eingeworfen werden. Grössere Edelstahlpfannen können im Recyclinghof abgegeben werden.
Rechaudkerzen?
Ist sie komplett abgebrannt, kann man den Docht entfernen und die Rechaudschale in den Wertstoffcontainer einwerfen. Wenn noch viel Wachs drin ist, sollten Rechaudkerzen besser im Hauskehricht entsorgt werden.
Was motiviert Sie persönlich, in diesem Bereich zu arbeiten?
Nach über 25 Jahren im Recycling finde ich es nach wie vor faszinierend, wie innovativ und dynamisch die Branche ist. Ich durfte schon Recyclinganlagen in Italien, Irland und Dubai aufbauen und bin nun seit vier Jahren für Entsorgung und Recycling Zürich tätig. Hier bin ich verantwortlich für die operative Leitung des Recyclinghofs Looächer mit 20 Mitarbeitenden inklusive dreier Lernender. Mein Ziel ist, dass die Kundschaft stets mit ruhigem Gewissen ihren Abfall bei uns lassen kann, weil sie weiss, dass er fachgerecht entsorgt wird.
Was überrascht Menschen am meisten an Ihrer Arbeit?
Dass man so viele Gegenstände gratis abgeben kann, scheint noch nicht ganz in vielen Köpfen verankert zu sein. Ich höre immer wieder: «Das kann ich nirgendwo abgeben.» Doch man kann alles richtig entsorgen und vieles davon sogar gratis.
Viele Menschen unterschätzen zudem, wie aufwendig es ist, Wertstoffe wieder in den Kreislauf zu bringen. Nach der Abgabe beginnt erst der eigentliche Prozess: Abfälle werden sortiert, verteilt, weiterverarbeitet oder weitergegeben. Mir ist wichtig, zu betonen, dass wir unsere Abnahmeunternehmen regelmässig und sorgfältig prüfen. Wir verfolgen aufs Kilo genau, was in den Weiterverarbeitungsbetrieben mit dem Abfall passiert. Nur so können wir sicherstellen, dass die Abfälle fachgerecht verarbeitet werden und unserem Anspruch an eine verantwortungsvolle Entsorgung gerecht werden.