Dem Wetter zum Trotz
Eine Solarfassade auf knapp 3000 Metern zu errichten, stellt eine ganz unglaubliche Herausforderung dar. «In dieser Höhe können Winde mit bis zu 260 Stundenkilometern wehen», sagt Valentin Bieber, der bei der Solstis SA, einer Konzerngesellschaft der BKW, das Projekt leitete. «Wenn es zu stark stürmt, fährt die Gondel nicht. So kamen wir manchmal nicht hoch zur Baustelle – oder mussten diese von einer Minute auf die andere verlassen.»
Weil die Solarmodule dort oben zudem enormen Kräften ausgesetzt sind, wurden sehr starke Befestigungen mit drei- bis viermal mehr Ankerpunkten angebracht – alles, um den Naturgewalten zu trotzen. «Die in der Schweiz hergestellten Solarpanels sind aus Doppelglas», ergänzt Bieber. «Deshalb vertragen sie grosse Temperaturschwankungen und Hagel besser.»
Höhensonne scheint besonders intensiv
Photovoltaikanlagen im Flachland und jene im alpinen Raum sind verschieden. Da ist zum einen die erwähnte Belastbarkeit des Materials aufgrund von Wetter und zum anderen die höhere Produktion an Energie, weil die Sonne auf 3000 Metern intensiver scheint und kaum Luftverunreinigungen ihre Einstrahlung mindern. Insgesamt wurden 594 Solarpanels auf einer Fläche von 655 Quadratmetern auf der Bergstation Scex Rouge verbaut.
«In einem guten Jahr erwarten wir rund 100 Megawattstunden Sonnenenergie», sagt Bernhard Tschannen, CEO von Glacier 3000. «Das ist so viel Strom, wie etwa 24 Haushalte in einem Jahr verbrauchen. So können sich das Restaurant Botta und die Einrichtungen am Berg nahezu selbst mit Strom versorgen.»
Vereinte Kräfte beim Planen und Realisieren
Neben der Solstis SA war auch die Enerpeak AG an der Installation der Solarfassade beteiligt. Sie klärte die Machbarkeit und andere Grundlagen. Tschannen: «Dass die Solarmodule in die Fassade eingebaut wurden, begrüsse ich sehr. So wird das Panorama mit Blick über die Berner, Walliser und Waadtländer Alpen nicht zusätzlich beeinträchtigt.»
Neben dem Restaurant und der Aussicht erwarten Besucherinnen und Besucher oben, je nach Jahreszeit, unzählige Wanderwege oder Skipisten auf dem Gletscher sowie der Glacier Peak Walk – eine spektakuläre Hängebrücke zwischen zwei Berggipfeln.
«Mit Blick auf eine eventuelle Stromknappheit im Winter wollten wir energetisch unabhängiger werden», resümiert Bernhard Tschannen. «Also war es logisch, beim Wiederaufbau des Restaurants die Solarenergie zu integrieren. Kommen Sie uns gern hier oben besuchen.»
