Der Verein Klima-Grosseltern mit rund 1500 Mitgliedern und 1000 Interessierten in der Schweiz setzt sich für die Zukunft des Planeten und kommender Generationen ein. Thea Rauch von der Klima-Grosseltern-Sektion Zürich und Manfred Knausz von der Sektion Solothurn erzählen, wie dieses Engagement aussieht.
Was sind Klima-Grosseltern, und was bezwecken sie?
Manfred Knausz: Der Verein ist aus der Besorgnis der Grosselterngeneration über den menschengemachten Klimawandel entstanden. Wir organisieren Aufklärungsaktionen im öffentlichen Raum, halten Mahnwachen ab und machen politische Vorstösse. Dabei geht es uns nicht um uns selbst: Wir wollen, dass auch kommende Generationen eine Welt vorfinden, die eine ständige Lebenserneuerung erlaubt.
Thea Rauch: Im Gegensatz zu den Klimaseniorinnen sind wir noch wenig bekannt. Dabei existiert die Bewegung bereits seit 2014, und der Deutschschweizer Ableger wurde 2019 in Zürich gegründet. Man muss übrigens keine Enkelkinder haben, um bei den Klima-Grosseltern mitzumachen.
Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich für den Klimaschutz einzusetzen?
Knausz: Auf politischer Ebene wird zu wenig gegen die Klimakrise unternommen. Darum müssen wir aktiv werden. Seit ich nicht mehr erwerbstätig bin, kann ich freier über meine Zeit verfügen. Ich habe mich entschieden, mich verstärkt für den Schutz unseres Planeten und seiner Bewohnerinnen und Bewohner zu engagieren, weil ich hier den grössten Handlungsbedarf sehe.
Rauch: Ich will dazu beitragen, dass meine drei Enkelinnen in einer lebenswerten Umwelt leben können. Mein Engagement hilft mir, angesichts der Klimakrise nicht in ein Gefühl der Machtlosigkeit zu verfallen. Es gibt mir Hoffnung und Kraft, Veränderungen in unserer Gesellschaft zu ermöglichen.
Was bedeutet Verantwortung gegenüber kommenden Generationen für Sie?
Knausz: Für mich heisst dies, so zu leben, dass ich zu meinem Handeln stehen kann. Es geht dabei um eine persönliche Haltung, die Orientierung gibt – und zwar als Ziel und Vision, nicht als Dogma.
Rauch: Ich betrachte die Erde als eine Art Leihgabe, die wir nur vorübergehend nutzen dürfen. Mein Wunsch ist es, sie kommenden Generationen in einem möglichst intakten Zustand zu hinterlassen. Dafür müssen wir unser Verhalten kritisch hinterfragen und bereit sein, Gewohnheiten zu ändern.
Welche Rolle spielt Ihre Lebenserfahrung für Ihr Engagement?
Rauch: Mit zunehmendem Alter bin ich milder geworden und sehe heute mehr Zwischentöne statt nur Schwarz und Weiss. So muss man beispielsweise nicht komplett auf Fleisch verzichten oder nie mehr mit dem Flugzeug verreisen, schon eine Reduktion entlastet das Klima.
Knausz: Meine Lebenserfahrungen haben mich bescheidener gemacht. Ich habe gelernt, dass ich auf andere Menschen angewiesen bin. Darum finde ich Vereinigungen wie die Klima-Grosseltern so wichtig. Zusammen können wir mehr bewirken als Einzelpersonen.
Was können jüngere Generationen von älteren lernen – und umgekehrt?
Rauch: Auch wenn es meiner Meinung nach «die Jungen» oder «die Alten» so nicht gibt, glaube ich, dass ein nachhaltiger Lebensstil für unsere Generation oft einfacher war. Es gab in meiner Kindheit und Jugend beispielsweise kein Fast Food mit aufwendigen Verpackungen und keine Fast Fashion. Bei Schulbesuchen zeigen wir Klima-Grosseltern, wie wir früher gelebt haben – und dass weniger Konsum nicht zwangsläufig Verzicht bedeutet.
Knausz: Die jüngere Generation kann von uns lernen, innezuhalten und nicht nur im Moment zu leben. Das erfordert Geduld und Vertrauen in die Zukunft, die wir alle mitgestalten können. Umgekehrt besteht die Herausforderung für uns Ältere darin, sich eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Es gilt, offen zu bleiben, sich immer wieder begeistern zu lassen und nicht zu verbittern. Ich bin überzeugt, dass wir viel voneinander lernen können, und schätze die Zusammenarbeit mit der Klimajugend immer sehr.
