Mathis Wackernagel ist Miterfinder des ökologischen Fussabdrucks und prägte damit die wissenschaftliche Basis für den weltweiten «Overshoot Day». Foto: Nicholas Albrecht

Wussten Sie, dass ein Basler den ökologischen Fussabdruck erfunden hat?

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Saviez-vous que c’est un Suisse qui a inventé le concept d’empreinte écologique?

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Die Schweiz sagt gern, sie sei zu klein, um in der Umweltpolitik etwas auszurichten. Eine faule Ausrede? «Ja», sagt Mathis Wackernagel. «Alle halten sich für einen Sonderfall.»

Am 11. Mai erreicht die Schweiz ihren «Overshoot Day». Das bedeutet: Würde die ganze Welt so leben wie die Schweiz, hätte die Menschheit die regenerativen Ressourcen eines ganzen Jahres bereits an diesem Tag verbraucht.

Das Konzept dahinter ist weltweit bekannt. Zu seiner Verbreitung hat ein gebürtiger Basler wesentlich beigetragen: Mathis Wackernagel ist Miterfinder des ökologischen Fussabdrucks, auf dem der «Overshoot Day» basiert. Das brachte dem Präsidenten des Global Footprint Network zwei Ehrendoktortitel ein und den Blue Planet Prize, der oft als «Nobelpreis für Umweltfragen» gilt.

Wie wird man zu einem der prägenden Wissenschaftler unserer Zeit?

(Lacht) Ich bin einfach meinen Interessen nachgegangen und hatte ein Umfeld, das gesagt hat: Mach, was du willst.

Sie fokussieren seit den Anfangstagen Ihrer Karriere auf die Ressourcen. Woher kommt das Interesse?

Meine Grosseltern haben viel von der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählt. Die Schweiz konnte damals nur für sieben Monate im Jahr Nahrung produzieren, es reichte schlicht nicht für alle und führte zu Rationierung von Essen. Diese Geschichten haben mir früh klargemacht, wie zentral Ressourcensicherheit ist. Damit meine ich vor allem die regenerativen Ressourcen. Das sind die wesentlichsten; sie begrenzen alles andere.

Das Thema hat nicht an Relevanz eingebüsst.

Nein, Länder, die Ressourcensicherheit nicht ins Zentrum ihrer Wirtschaftspolitik stellen, befinden sich auf einem selbstmörderischen Pfad. Das meine ich nicht metaphorisch. Das ist so.

Ist das nicht etwas hochgegriffen?

Überhaupt nicht. Bei den Ressourcen herrscht totales Marktversagen. Wenn es zu wenig Bäckereien gibt, wird das Brot teurer – und neue entstehen. Bei den Ressourcen funktioniert die unsichtbare Hand nicht. Wir sind massiv im weltweiten «Overshoot»: Wir hängen von Ressourcenströmen ab, die es langfristig nicht gibt und die wir uns nicht leisten können. Das ist ineffizient und riskant. Und irgendwer wird dafür bezahlen.

Manche würden entgegnen: Die Schweiz ist davon kaum betroffen. Sie ist wohlhabend genug, um die Ressourcen anderer Länder zu kaufen.

Klar, in einem stabilen System regiert Geld die Welt. Aber wenn das internationale Vertrauen zerbricht, gewinnen lokale Ressourcen relativ an Wert, international mobiles Geld verliert ihn. Die Kräfteverhältnisse werden sich verschieben. Schon heute leben 72 Prozent der Weltbevölkerung in einem Land, das mehr verbraucht, als sein Ökosystem produziert, und das gleichzeitig weniger Einkommen hat als der Weltdurchschnitt, und damit die Kaufkraft nicht hat, mehr Ressourcen zuzukaufen.

Die Schweiz ist klein und Bildung ist ihre grösste Ressource. Sie gilt als Spezialfall.

Hier meine Theorie, mit der ich mir nicht nur Freunde mache: «Exceptionalism is universal». Alle halten sich für einen Sonderfall. In der Schweiz heisst es immer wieder, wir seien zu klein. Wir sollten mit den grossen Würfen warten, bis andere handeln. Dabei ist der Anreiz, etwas zu tun, gerade dann noch grösser, wenn alle anderen nichts tun. Denn dann ist der Unvorbereitete noch schneller noch grösseren Risiken ausgesetzt.

Sie sehen den Spezialfall also als faule Ausrede?

Ja. Menschen zeigen gern mit dem Finger auf andere. Meine Botschaft ist eine andere: Jeder hat selbst viel in der Hand, um etwas zu bewegen.

Welche Länder interessieren sich denn wirklich für Ressourcen?

Das einzige Land, das Ressourcen ernst nimmt, ist China. Liest man den Fünfjahresplan, geht es auf jeder Seite mehrmals um Ressourcen: Wasser, Natur, Energie. Das mag daran liegen, dass sie eine eigene Ideengeschichte haben, die sich getrennt von der westlichen entwickelt hat. Bis in die 70er-Jahre war die Volksrepublik China nicht bei der UNO zugelassen.

Wie kriegt man andere Länder dazu, sich auf das Thema zu stürzen?

Darauf habe ich keine abschliessende Antwort. Seit den 70er-Jahren wissen wir sehr klar, dass die menschliche Nachfrage unsere verfügbaren regenerativen Ressourcen bei weitem übersteigt. Die wenigsten sehen einen Vorteil, darauf mit Klarheit zu antworten. Ressourcenübernutzung, und da zähle ich das Klima mit, wird als nobles Seitenthema abgehandelt. Mich fasziniert daher bis heute die Frage: Was fehlt uns, um die ökonomische Notwendigkeit des Handelns erkennen zu können?

Ihre Antworten, wie etwa das Konzept des ökologischen Fussabdrucks, sind weltweit bekannt.

Der ökologische Fussabdruck und der «Overshoot Day» hatten eine gewisse Resonanz. Aber sie werden als Dornen empfunden, nicht als Entscheidungshilfen, die einem erlauben, sich effektiver auf die unweigerliche Zukunft vorzubereiten.

Kritiker sagen auch, Öffentlichkeitsarbeit banalisiere wissenschaftliche Arbeit.

Sollten Zahnärzte also nicht über Erkenntnisse zur Zahngesundheit sprechen? Es ist richtig, sich in die Öffentlichkeit einzubringen. Nur die Art und Weise, wie das oft geschieht, finde ich oft kontraproduktiv.

Was meinen Sie damit?

Wir befinden uns im Konkurrenzkampf der Ideen. Damit sich eine Idee durchsetzt, muss sie empirisch belegbar und relevant sein. Und, was oft vergessen wird: Der Empfänger oder die Empfängerin muss sie als Vorteil erkennen. Menschen müssen das Gefühl haben, dass es ihnen besser geht, wenn sie diese Information haben. Nicht, dass sie nun eine Bürde tragen müssen. Sonst rebellieren sie nur. Al Gores Film hiess «Eine unbequeme Wahrheit». Eigentlich müsste es heissen: Es ist unbequem, die Wahrheit nicht zu kennen.

Muss heute nicht mit mehr Dringlichkeit kommuniziert werden? Wir sind auf gutem Weg, im Kampf gegen den Klimawandel zu versagen.

Ich glaube, solche Untergangskommunikation ist psychologisch völlig falsch positioniert. Wir Menschen sind Tiere. Unser Gehirn dient evolutionär gesehen dazu, Vorteile zu finden und Nachteilen aus dem Weg zu gehen. Weltuntergangsstimmung bringt unser Gehirn in eine Abwehrhaltung und lähmt. Nicht dass wir alles positiv verdrehen müssen. Nützliche Information muss empirisch belegbar sein. Und: Sie zu erhalten, muss ein Vorteil sein, sonst verneint die Mehrzahl sie.

Wie erreicht man die Menschen?

Ein Arzt hat mir mal gesagt: Leute haben mehr Angst vor einem leeren Kühlschrank als vor einem überfüllten Abfallkübel. Aber wir erzählen die Umweltgeschichte aus der Abfallkübel­perspektive, nicht aus jener der Ressourcensicherheit. Die Abfallkübel­geschichte ist eine Bürde, Ressourcensicherheit ist ein Vorteil.

Sie beraten hierzu auch Regierungen. Was haben Sie über deren Umgang mit dem Thema gelernt?

In den ersten Jahren haben wir vor allem mit Ländern mit hohem Einkommen zusammengearbeitet, denn die haben Budgets. Das war ein Fehler. Die Umweltministerien dort konnten die Lösungen nicht als Vorteil für ihr Land verkaufen. Obwohl es die Länder mit Ressourcendefiziten sind, die eigentlich einem grösseren Risiko ausgesetzt sind, sind es Länder wie Uruguay oder Ecuador, die empfänglicher für diese Ideen sind.

Was hat es mit Uruguay auf sich?

Uruguay hat etwa dreimal mehr regenerierbare Ressourcen als es selbst verbraucht. Daher sag ich ihnen: Ihr seid die Reichen. China braucht dreimal mehr Ressourcen, als es hat. Es fehlt Uruguay noch etwas an Selbstvertrauen, aber die Ressourcentrends sind klar auf seiner Seite.

Am 11. Mai erreicht die Schweiz ihren «Overshoot Day». Das bedeutet: Würde die ganze Welt so leben wie die Schweiz, hätte die Menschheit die regenerativen Ressourcen eines ganzen Jahres bereits an diesem Tag verbraucht.

Das Konzept dahinter ist weltweit bekannt. Zu seiner Verbreitung hat ein gebürtiger Basler wesentlich beigetragen: Mathis Wackernagel ist Miterfinder des ökologischen Fussabdrucks, auf dem der «Overshoot Day» basiert. Das brachte dem Präsidenten des Global Footprint Network zwei Ehrendoktortitel ein und den Blue Planet Prize, der oft als «Nobelpreis für Umweltfragen» gilt.

Wie wird man zu einem der prägenden Wissenschaftler unserer Zeit?

(Lacht) Ich bin einfach meinen Interessen nachgegangen und hatte ein Umfeld, das gesagt hat: Mach, was du willst.

Sie fokussieren seit den Anfangstagen Ihrer Karriere auf die Ressourcen. Woher kommt das Interesse?

Meine Grosseltern haben viel von der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählt. Die Schweiz konnte damals nur für sieben Monate im Jahr Nahrung produzieren, es reichte schlicht nicht für alle und führte zu Rationierung von Essen. Diese Geschichten haben mir früh klargemacht, wie zentral Ressourcensicherheit ist. Damit meine ich vor allem die regenerativen Ressourcen. Das sind die wesentlichsten; sie begrenzen alles andere.

Das Thema hat nicht an Relevanz eingebüsst.

Nein, Länder, die Ressourcensicherheit nicht ins Zentrum ihrer Wirtschaftspolitik stellen, befinden sich auf einem selbstmörderischen Pfad. Das meine ich nicht metaphorisch. Das ist so.

Ist das nicht etwas hochgegriffen?

Überhaupt nicht. Bei den Ressourcen herrscht totales Marktversagen. Wenn es zu wenig Bäckereien gibt, wird das Brot teurer – und neue entstehen. Bei den Ressourcen funktioniert die unsichtbare Hand nicht. Wir sind massiv im weltweiten «Overshoot»: Wir hängen von Ressourcenströmen ab, die es langfristig nicht gibt und die wir uns nicht leisten können. Das ist ineffizient und riskant. Und irgendwer wird dafür bezahlen.

Manche würden entgegnen: Die Schweiz ist davon kaum betroffen. Sie ist wohlhabend genug, um die Ressourcen anderer Länder zu kaufen.

Klar, in einem stabilen System regiert Geld die Welt. Aber wenn das internationale Vertrauen zerbricht, gewinnen lokale Ressourcen relativ an Wert, international mobiles Geld verliert ihn. Die Kräfteverhältnisse werden sich verschieben. Schon heute leben 72 Prozent der Weltbevölkerung in einem Land, das mehr verbraucht, als sein Ökosystem produziert, und das gleichzeitig weniger Einkommen hat als der Weltdurchschnitt, und damit die Kaufkraft nicht hat, mehr Ressourcen zuzukaufen.

Die Schweiz ist klein und Bildung ist ihre grösste Ressource. Sie gilt als Spezialfall.

Hier meine Theorie, mit der ich mir nicht nur Freunde mache: «Exceptionalism is universal». Alle halten sich für einen Sonderfall. In der Schweiz heisst es immer wieder, wir seien zu klein. Wir sollten mit den grossen Würfen warten, bis andere handeln. Dabei ist der Anreiz, etwas zu tun, gerade dann noch grösser, wenn alle anderen nichts tun. Denn dann ist der Unvorbereitete noch schneller noch grösseren Risiken ausgesetzt.

Sie sehen den Spezialfall also als faule Ausrede?

Ja. Menschen zeigen gern mit dem Finger auf andere. Meine Botschaft ist eine andere: Jeder hat selbst viel in der Hand, um etwas zu bewegen.

Welche Länder interessieren sich denn wirklich für Ressourcen?

Das einzige Land, das Ressourcen ernst nimmt, ist China. Liest man den Fünfjahresplan, geht es auf jeder Seite mehrmals um Ressourcen: Wasser, Natur, Energie. Das mag daran liegen, dass sie eine eigene Ideengeschichte haben, die sich getrennt von der westlichen entwickelt hat. Bis in die 70er-Jahre war die Volksrepublik China nicht bei der UNO zugelassen.

Wie kriegt man andere Länder dazu, sich auf das Thema zu stürzen?

Darauf habe ich keine abschliessende Antwort. Seit den 70er-Jahren wissen wir sehr klar, dass die menschliche Nachfrage unsere verfügbaren regenerativen Ressourcen bei weitem übersteigt. Die wenigsten sehen einen Vorteil, darauf mit Klarheit zu antworten. Ressourcenübernutzung, und da zähle ich das Klima mit, wird als nobles Seitenthema abgehandelt. Mich fasziniert daher bis heute die Frage: Was fehlt uns, um die ökonomische Notwendigkeit des Handelns erkennen zu können?

Ihre Antworten, wie etwa das Konzept des ökologischen Fussabdrucks, sind weltweit bekannt.

Der ökologische Fussabdruck und der «Overshoot Day» hatten eine gewisse Resonanz. Aber sie werden als Dornen empfunden, nicht als Entscheidungshilfen, die einem erlauben, sich effektiver auf die unweigerliche Zukunft vorzubereiten.

Kritiker sagen auch, Öffentlichkeitsarbeit banalisiere wissenschaftliche Arbeit.

Sollten Zahnärzte also nicht über Erkenntnisse zur Zahngesundheit sprechen? Es ist richtig, sich in die Öffentlichkeit einzubringen. Nur die Art und Weise, wie das oft geschieht, finde ich oft kontraproduktiv.

Was meinen Sie damit?

Wir befinden uns im Konkurrenzkampf der Ideen. Damit sich eine Idee durchsetzt, muss sie empirisch belegbar und relevant sein. Und, was oft vergessen wird: Der Empfänger oder die Empfängerin muss sie als Vorteil erkennen. Menschen müssen das Gefühl haben, dass es ihnen besser geht, wenn sie diese Information haben. Nicht, dass sie nun eine Bürde tragen müssen. Sonst rebellieren sie nur. Al Gores Film hiess «Eine unbequeme Wahrheit». Eigentlich müsste es heissen: Es ist unbequem, die Wahrheit nicht zu kennen.

Muss heute nicht mit mehr Dringlichkeit kommuniziert werden? Wir sind auf gutem Weg, im Kampf gegen den Klimawandel zu versagen.

Ich glaube, solche Untergangskommunikation ist psychologisch völlig falsch positioniert. Wir Menschen sind Tiere. Unser Gehirn dient evolutionär gesehen dazu, Vorteile zu finden und Nachteilen aus dem Weg zu gehen. Weltuntergangsstimmung bringt unser Gehirn in eine Abwehrhaltung und lähmt. Nicht dass wir alles positiv verdrehen müssen. Nützliche Information muss empirisch belegbar sein. Und: Sie zu erhalten, muss ein Vorteil sein, sonst verneint die Mehrzahl sie.

Wie erreicht man die Menschen?

Ein Arzt hat mir mal gesagt: Leute haben mehr Angst vor einem leeren Kühlschrank als vor einem überfüllten Abfallkübel. Aber wir erzählen die Umweltgeschichte aus der Abfallkübel­perspektive, nicht aus jener der Ressourcensicherheit. Die Abfallkübel­geschichte ist eine Bürde, Ressourcensicherheit ist ein Vorteil.

Sie beraten hierzu auch Regierungen. Was haben Sie über deren Umgang mit dem Thema gelernt?

In den ersten Jahren haben wir vor allem mit Ländern mit hohem Einkommen zusammengearbeitet, denn die haben Budgets. Das war ein Fehler. Die Umweltministerien dort konnten die Lösungen nicht als Vorteil für ihr Land verkaufen. Obwohl es die Länder mit Ressourcendefiziten sind, die eigentlich einem grösseren Risiko ausgesetzt sind, sind es Länder wie Uruguay oder Ecuador, die empfänglicher für diese Ideen sind.

Was hat es mit Uruguay auf sich?

Uruguay hat etwa dreimal mehr regenerierbare Ressourcen als es selbst verbraucht. Daher sag ich ihnen: Ihr seid die Reichen. China braucht dreimal mehr Ressourcen, als es hat. Es fehlt Uruguay noch etwas an Selbstvertrauen, aber die Ressourcentrends sind klar auf seiner Seite.

Le 11 mai, la Suisse atteindra son Overshoot Day, ou «Jour de dépassement». Cela signifie que si le monde entier vivait comme la Suisse, l’humanité aurait déjà consommé les ressources renouvelables de toute une année ce jour-là.

Le concept est connu dans le monde entier. Un Bâlois a largement contribué à sa diffusion: Mathis Wackernagel est le coïnventeur de l’empreinte écologique, sur laquelle se fonde l’Overshoot Day. Cette contribution a valu au président du Global Footprint Network deux doctorats honorifiques et le Blue Planet Prize, souvent considéré comme le «Prix Nobel de l’environnement».

Comment devient-on l’un des scientifiques les plus marquants de notre époque?

(Rires) J’ai simplement suivi mes centres d’intérêt et j’ai vécu dans un environnement qui m’a encouragé à suivre la voie qui m’intéressait.

Depuis le début de votre carrière, les ressources sont au centre de vos recherches. D’où provient cet intérêt?

Mes grands-parents m’ont beaucoup parlé de l’époque de la Seconde Guerre mondiale. La Suisse ne pouvait alors produire de la nourriture que pendant sept mois par an. Il n’y en avait tout simplement pas assez pour tout le monde, ce qui a entraîné un rationnement de la nourriture. Ces histoires m’ont fait comprendre très tôt à quel point garantir des ressources en suffisance est crucial. J’entends par là surtout les ressources renouvelables. Ce sont les plus essentielles; elles délimitent tout le reste.

Le sujet n’a pas perdu de sa pertinence.

Non, les pays qui ne placent pas la sécurité des ressources au cœur de leur politique économique sont sur une voie d’autodestruction. Ce n’est pas une métaphore, mais la vérité.

N’est-ce pas un peu exagéré?

Pas du tout. En matière de ressources, le marché est en échec total. Quand les boulangeries se font rares, le pain devient plus cher – et de nouvelles boulangeries s’installent. Mais cette théorie de la main invisible ne fonctionne pas pour les ressources. À l’échelle mondiale, nous vivons en situation de «dépassement» massive: nous dépendons de flux de ressources qui n’existent pas sur le long terme et que nous ne pouvons pas nous permettre. C’est à la fois inefficace et risqué. Et quelqu’un devra payer.

Certains rétorqueraient que la Suisse n’est guère concernée, car elle dispose de suffisamment d’argent pour acheter les ressources d’autres pays.

Bien sûr, dans un système stable, l’argent dirige le monde. Mais si la confiance internationale s’effondre, les ressources locales prennent une valeur relative, l’argent mobile international en perd. Les rapports de force changeront. Aujourd’hui déjà, 72% de la population mondiale vit dans un pays qui consomme plus que ce que son écosystème produit et qui, en même temps, a un revenu inférieur à la moyenne mondiale, sans le pouvoir d’achat nécessaire pour acheter plus de ressources.

La Suisse est petite et l’éducation est sa plus grande ressource. Elle est considérée comme un cas particulier.

Voici ma théorie, avec laquelle je ne me fais pas que des amis: «Exceptionalism is universal.» Tout le monde se considère comme un cas particulier. En Suisse, on dit toujours que nous sommes un pays trop petit et que nous devrions attendre que d’autres agissent pour lancer de grands projets. Pourtant, l’incitation à agir est justement d’autant plus forte quand tous les autres restent passifs. Quand on n’est pas préparé, on s’expose alors encore plus rapidement à des risques accrus.

Vous considérez donc ce cas particulier comme une fausse excuse?

Oui, les gens aiment remettre la faute sur les autres. Mon message est différent: chacun a le pouvoir de faire bouger les choses.

Quels sont les pays qui se soucient vraiment des ressources?

Le seul pays qui prend les ressources au sérieux est la Chine. Dans son plan quinquennal, les ressources – eau, nature, énergie – sont évoquées plusieurs fois par page. Cette approche s’explique sans doute par une histoire des idées qui s’est développée indépendamment de celle de l’Occident. Jusqu’aux années 70, la République populaire de Chine n’était d’ailleurs pas admise à l’ONU.

Comment faire pour que d’autres pays s’y mettent?

Je n’ai pas de réponse définitive à cette question. Depuis les années 70, nous savons que la demande humaine dépasse largement nos ressources renouvelables disponibles. Pourtant, rares sont ceux qui jugent utile d’y répondre clairement. La surexploitation des ressources – j’y inclus le climat – est traitée comme un noble sujet annexe. La question qui me fascine encore aujourd’hui est donc la suivante: qu’est-ce qui nous empêche de reconnaître la nécessité économique d’agir?

Vos réponses, comme le concept d’empreinte écologique, sont connues dans le monde entier.

L’empreinte écologique et l’Overshoot Day ont suscité un certain écho. Pourtant, ils sont perçus comme des contraintes plutôt que comme des outils pour mieux se préparer à un avenir inévitable.

Les critiques disent aussi que la communication grand public banalise le travail scientifique.

Les dentistes ne devraient-ils donc pas parler des avancées de la santé dentaire? Il est pourtant juste de s’impliquer dans le débat public. Toutefois, c’est la méthode souvent employée que j’estime être contre-productive.

Que voulez-vous dire?

Nous nous trouvons dans une situation de concurrence entre les idées. Pour qu’une idée s’impose, elle doit être prouvée de manière empirique et être pertinente. Mais on oublie souvent un élément crucial: le destinataire doit y voir un avantage. Les gens doivent avoir le sentiment que cette information améliore leur vie, plutôt qu’elle ne leur impose un fardeau supplémentaire. Sinon ils se rebellent. Le film d’Al Gore s’intitulait «Une vérité qui dérange». En réalité, c’est plutôt l’inverse: ne pas connaître la vérité, voilà ce qui est vraiment inconfortable.

Ne faut-il pas communiquer aujourd’hui avec plus d’urgence? Nous sommes en passe d’échouer dans la lutte contre le changement climatique.

Je pense qu’une telle communication axée sur le déclin est psychologiquement contre-productive. Nous, les humains, sommes des animaux. Du point de vue de l’évolution, notre cerveau est programmé pour repérer les opportunités et éviter les dangers. Une ambiance de fin du monde met notre cerveau en mode défensif et le paralyse. Cela ne signifie pas qu’il faille tout présenter sous un jour positif. Une information utile doit pouvoir être prouvée empiriquement. De plus, sa réception doit représenter un avantage, sans quoi la majorité la rejettera.

Comment atteindre les gens?

Un médecin m’a dit un jour: «On craint davantage un réfrigérateur vide qu’une poubelle trop pleine.» Le problème, c’est que nous abordons la question environnementale par le prisme du déchet au lieu de celui de la sécurité des ressources. Or, le récit du déchet est une contrainte, tandis que celui de la sécurité des ressources est un avantage.

Vous conseillez également les gouvernements à ce sujet. Qu’avez-vous appris de leur approche?

Les premières années, nous avons surtout travaillé avec des pays à haut revenu, car ils disposaient de budgets importants. C’était une erreur. Les Ministères de l’environnement de ces pays ne parvenaient pas à présenter nos solutions comme un atout pour leurs nations. Pourtant, ce sont bien les pays confrontés à des déficits de ressources qui sont les plus exposés aux risques. Paradoxalement, ce sont des pays comme l’Uruguay ou l’Équateur qui se montrent les plus réceptifs à ces idées.

Qu’en est-il de l’Uruguay?

L’Uruguay dispose d’environ trois fois plus de ressources renouvelables qu’il n’en consomme. C’est pourquoi je leur dis: «C’est vous qui êtes riches.» La Chine, elle, a besoin de trois fois plus de ressources qu’elle n’en possède. L’Uruguay manque encore un peu d’assurance, mais les tendances en matière de ressources jouent clairement en sa faveur.

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Erste Veröffentlichung: 
1.5.2026
  |  Letztes Update: 
4.5.2026
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