Nach welchen Kriterien können Konsumentinnen nachhaltige Periodenprodukte vergleichen?
Ich würde immer als Erstes einen Blick auf das Material werfen. Periodenprodukte kommen über viele Stunden direkt mit der Haut und teilweise mit den Schleimhäuten in Kontakt. Bei Periodenunterwäsche rate ich zu hochwertiger Bio-Baumwolle, bei Menstruationstassen und Periodendiscs zu platinvernetztem Silikon anstelle von peroxidvernetztem Silikon. Die Bezeichnung «medizinisches Silikon» bietet jedoch noch keine ausreichende Orientierung, da der Begriff nicht geschützt ist. Ein weiteres Kriterium ist die Lebensdauer: Eine hochwertige Menstruationstasse kann bis zu zehn Jahre verwendet werden, Periodenunterwäsche etwa drei bis fünf Jahre. Auch der Herstellungsort sollte bei der Nachhaltigkeitsbewertung berücksichtigt werden. Bei einer europäischen Produktion lässt sich die Qualität häufig einfacher nachvollziehen und kontrollieren. Konsumentinnen sollten zudem genau auf die Formulierungen achten. «Swiss Design» bedeutet nämlich bloss, dass ein Produkt in der Schweiz entworfen wurde, und nicht, dass es auch hier hergestellt wird. Ist das Produktionsland nur schwer zu finden, kann es Sinn machen, beim Anbieter nachzufragen. Wer lokal produziert, weist in der Regel deutlich darauf hin.
Was hält Ihrer Erfahrung nach Frauen heute noch davon ab, auf wiederverwendbare Periodenprodukte wie Menstruationstassen umzusteigen?
Eine Hürde ist sicherlich der etwas höhere Anschaffungspreis. Viele Frauen kaufen zunächst ein günstiges Produkt im Supermarkt oder online, um es auszuprobieren. Wenn dieses nicht gut passt oder nicht richtig funktioniert, entsteht schnell der Eindruck, dass wiederverwendbare Periodenprodukte grundsätzlich ungeeignet seien. Deshalb sind eine gute Beratung und die Qualität des Produkts besonders wichtig. Auch das persönliche Umfeld hat grossen Einfluss: Werden Alternativen von Freundinnen empfohlen und unterstützt, fällt der Umstieg leichter. Werden sie hingegen belächelt oder kritisiert, kann dies zusätzlich verunsichern. Hinzu kommt, dass Tampons und Wegwerfbinden noch immer als normaler Standard gelten, während die etwas andere Anwendung wiederverwendbarer Produkte für manche eine Hemmschwelle darstellt. Auch Berührungsängste gegenüber dem eigenen Körper und dem Menstruationsblut spielen nicht selten eine Rolle.
Und welchen Vorurteilen gegenüber wiederverwendbaren Periodenprodukten begegnen Sie nach wie vor?
Am häufigsten höre ich die Frage: «Funktioniert das wirklich?» Viele Frauen zweifeln zunächst daran, dass Menstruationstassen oder Periodenunterwäsche im Alltag zuverlässig schützen. Ein weiteres Vorurteil ist, dass wiederverwendbare Periodenprodukte viel zusätzliche Arbeit verursachen. Natürlich müssen sie gereinigt werden, anstatt nach einmaligem Gebrauch im Abfall zu landen. Doch bei Unterhosen oder Socken fragen wir uns schliesslich auch nicht, ob sich das Waschen lohnt. Sobald sich eine gewisse Routine eingestellt hat, ist der Aufwand meist deutlich geringer als zunächst angenommen. Kritisch sehe ich zudem die früher häufig pauschal angegebene Tragedauer von bis zu zwölf Stunden bei Menstruationstassen. Gerade bei einer starken Blutung muss die Tasse deutlich früher geleert werden. Vor etwa 15 Jahren berichteten mir Kundinnen, die ihre Menstruationstasse zwölf Stunden lang trugen, häufiger von unangenehmen Gerüchen, und in Facebook-Gruppen sprachen Frauen von ihren «Stinkecups». Nach meiner Erfahrung lassen sich unangenehme Gerüche durch ein hochwertiges Produkt, regelmässiges Entleeren und eine Tragedauer von höchstens acht Stunden weitgehend vermeiden.
Wie findet sich die passende Menstruationstasse?
Die wichtigsten Faktoren sind die Grösse, das Fassungsvermögen und die Festigkeit. Als grobe Richtlinie eignet sich für jüngere Frauen bis etwa 20 Jahre und bei einer schwachen Menstruation häufig eine kleinere Tasse. Ab etwa 20 Jahren, nach einer Schwangerschaft oder bei einer stärkeren Blutung kann eine grössere Variante besser passen. Das sind jedoch nur Anhaltspunkte, denn jeder Körper ist anders. Das Fassungsvermögen sollte genau verglichen werden, da es sich je nach Marke deutlich unterscheiden kann. Bei der Festigkeit ist der Beckenboden entscheidend: Ein kräftiger Beckenboden kommt in der Regel besser mit einer festeren Tasse zurecht, während bei einem weniger kräftigen oder empfindlichen Beckenboden häufig ein weicheres Modell angenehmer ist. Eine persönliche Beratung kann gerade bei der ersten Menstruationstasse sehr hilfreich sein.
Wie pflegt man nachhaltige Periodenprodukte am besten?
Grundsätzlich sollte man immer die Pflegehinweise des jeweiligen Herstellers beachten. Periodenunterwäsche lässt sich mit einem normalen Waschmittel in der Waschmaschine reinigen. Auf Weichspüler und den Tumbler sollte man verzichten, da beides die Fasern und damit die Saugfähigkeit beeinträchtigen kann. Menstruationstassen und Periodendiscs sollten gemäss den Pflegehinweisen des Herstellers gereinigt und, sofern vorgesehen, abgekocht werden. Ein- bis zweimal pro Jahr können sie zusätzlich mit Natriumpercarbonat gründlich gereinigt werden. Dazu gibt man den Cup oder die Disc zusammen mit einem Teelöffel Natriumpercarbonat in eine Tasse oder ein geeignetes Gefäss und füllt dieses mit heissem Wasser. Nach zwei bis drei Minuten wird das Produkt sorgfältig abgespült und sieht meist wieder wie neu aus.
Wie sieht für Sie die Zukunft der Menstruationshygiene aus?
Positiv ist auf jeden Fall, dass die Auswahl an Periodenprodukten immer grösser wird. Dadurch können Frauen verschiedene Lösungen ausprobieren, bei Bedarf auf ein anderes Produkt ausweichen oder mehrere Varianten miteinander kombinieren. Sorgen bereitet mir hingegen die zunehmende Verbreitung extrem günstiger Produkte, bei denen die Herkunft, die verwendeten Materialien und die Produktionsbedingungen oft nur schwer nachvollziehbar sind. Ich befürchte, dass solche Produkte zunehmend als normal wahrgenommen werden und hochwertige, transparent produzierte Alternativen dadurch unter Preisdruck geraten. Ob sich etablierte Qualitätsmarken langfristig behaupten können, wird die Zukunft zeigen. Ich hoffe es sehr.