Anfang November ist der grosse Auftritt der Kürbisse plötzlich vorbei. Die Halloween-Fratzen verschwinden von den Fenstersimsen, die Ausstellungen werden abgebaut, im Detailhandel rücken andere Produkte nach vorne. Der Kürbis selbst hätte es allerdings gar nicht so pressant. «Kürbis ist ein super Lagergemüse», sagt denn auch Nadine Gloor von der Jucker-Farm. Ein Butternuss könne problemlos bis zum Frühjahr frisch bleiben. Und eigentlich beginne jetzt erst die Zeit, in der Kürbissuppe richtig Saison habe.
Auf den Jucker-Höfen versucht man deshalb, möglichst viele Kürbisse auch nach dem Ende der Ausstellung noch zu verkaufen. Denn ein Kürbis, der Ende Oktober nicht mehr dekorativ zwischen Strohballen liegt, ist deswegen noch lange kein Abfall.
Zu gross, zu klein – trotzdem brauchbar
Ein Teil der Kürbisse, die in den Ausstellungen landen, hätte im klassischen Detailhandel ohnehin schlechtere Karten. «Wir verwenden auch essbare Sorten für unsere Dekorationen – vor allem solche, die zu gross oder zu klein geraten sind», sagt Gloor.
Genau solche Abweichungen von den üblichen Verkaufsgrössen sind beim Gemüse immer wieder ein Thema. Was nicht ins Standardmass passt, lässt sich schwieriger vermarkten – obwohl Qualität und Geschmack stimmen können. Jucker versucht deshalb, auch ungewöhnliche Kaliber zu verkaufen oder in den Ausstellungen einzusetzen. Statt aussortiert zu werden, bekommen sie zunächst eine andere Aufgabe – und können danach teilweise immer noch gegessen oder verarbeitet werden.
Von der Ausstellung in die Küche
Kürbisse, die nach den Ausstellungen noch essbar sind, werden nach Möglichkeit verkauft oder weiterverarbeitet. Kürbissuppe spielt dabei eine naheliegende Rolle – gerade weil die eigentliche Suppensaison nach Angaben des Betriebs erst im November richtig beginnt.
Dass Kürbis mehr kann als Suppe, gehört für Gloor zu den Dingen, die viele Gäste unterschätzen. «Die meisten Menschen wissen nicht, wie vielfältig Kürbis in der Küche einsetzbar ist», sagt sie. Grillieren, backen, kochen, pürieren, einfrieren, je nach Sorte sogar roh essen: Der Kürbis funktioniert als Apéro, Vorspeise, Hauptgang und Dessert.
Dazu kommt seine Lagerfähigkeit. Wer einen unversehrten Speisekürbis kühl und trocken lagert, muss ihn nicht innert weniger Tage verbrauchen. Manche Sorten halten sich über Wochen, einzelne sogar bis weit in den Winter oder Frühling.
Wenn Essen nicht mehr möglich ist
Aber: Nicht jeder Kürbis schafft es bis auf den Teller. Der Grossteil der nicht mehr essbaren Exemplare landet bei Jucker in einer Biogasanlage. Dort werden tierische und pflanzliche Abfälle unter Ausschluss von Luft vergoren. Das entstehende Biogas kann für Energie genutzt werden, die verbleibenden Gärreste lassen sich anschliessend als Dünger einsetzen.
Bei Jucker geht ein Teil dieses Materials zurück auf den Hof. Festes Gärgut wird unter anderem für Terra Preta verwendet, mit der die Böden längerfristig verbessert werden sollen. 2021 verarbeitete Jucker insgesamt rund 200 Tonnen solches festes Gärgut zu Terra Preta. Darin stecken neben den Überresten der Kürbisse auch andere organische Reststoffe aus der Biogasanlage.
Damit ist der Kürbis auch dann noch nicht einfach Abfall. Aus ihm kann Energie entstehen – und ein Teil der Reststoffe landet später wieder dort, wo neue Pflanzen wachsen.
Eine Wagenladung für den Kinderzoo
Einige der nicht mehr verkäuflichen Kürbisse nehmen einen ganz anderen Weg. Der Kinderzoo in Rapperswil holt laut Jucker jeweils eine Wagenladung Kürbisse auf dem Bächlihof in Jona ab. Elefanten und Minischweine fressen sie, für andere Tiere werden die Kürbisse zur Beschäftigung genutzt. Für Lemuren etwa werden Leckerbissen darin versteckt. Mengenmässig ist das nicht die Hauptlösung. Aber es zeigt, wie viele Stationen zwischen «nicht mehr verkäuflich» und «Abfall» liegen können.
Klar: Food-Waste lässt sich damit nicht komplett vermeiden. Auch bei guter Planung bleiben Produkte übrig, werden beschädigt oder sind irgendwann nicht mehr essbar. Aber beim Kürbis liegt zwischen «nicht mehr hübsch» und «nicht mehr brauchbar» oft ziemlich viel Spielraum.
Auf dem Hof kann daraus noch Suppe, Tierfutter, Biogas oder Dünger werden. Zu Hause reicht manchmal schon eine Pfanne, ein Backofen – oder ein freier Platz im kühlen Keller.