Mythen entstauben: Solarkraft liefert auch im Winter beachtliche Mengen Energie
Im Volksmund heisst es oft: Solaranlagen sind im Winter kaum brauchbar. Doch trifft das wirklich zu? Solaranlagen im Flachland produzieren im Winter rund 30% ihrer Energie, in den Bergen über dem Nebel mehr als 50%. Mögliche Stromengpässe zeigen sich gegen Ende Winter in den Monaten Februar und März, wenn die Stauseen geleert sind. Dann aber produziert die Photovoltaik bereits wieder weit mehr als 30% und ist ab April bereits wieder fast bei voller Leistung.
Je nach Art der Photovoltaikanlage unterscheidet sich die Produktionsmenge: Während Solarfassaden beinahe 12 Monate lang konstante Erträge liefern, sind die Erträge von Schrägdachanlagen in den Wintermonaten aufgrund der teilweisen Schneebedeckung unterschiedlich. Hinzu kommen weitere Faktoren wie die Ausrichtung der Anlage und die Nebeldichte. Umgekehrt ist bei sehr kaltem Wetter der Ertrag höher, weil je kälter die Solarmodule sind, desto besser ist ihr Wirkungsgrad.
Der Bau alpiner Solarkraftwerke ist vom Ertrag her interessant, weil Anlagen über der Nebeldecke, deren Module vertikal aufgeständert sind, grössere Mengen an Energie produzieren als Anlagen auf Dächern und an Fassaden im Flachland. Sie sind aber bei der Installation teurer als Anlagen im Flachland und aufwändiger beim Anschluss. Tatsache ist, dass das Potential an verfügbaren und geeigneten Flächen im Mittelland enorm hoch ist. In Kombination mit Freiflächenanlagen über der Nebeldecke entwickelt sich die Solarenergie nach der Wasserkraft definitiv zur zweitwichtigsten Quelle für erneuerbare Energie.
«Heute deckt Solarstrom im Winter erst rund zwei bis drei Prozent des Schweizer Strombedarfs ab. Doch mit einem Ausbau kann dieser Anteil allein mit Anlagen auf Hausdächern auf rund 20 bis 30 Prozent gesteigert werden.» (Prof. Christoph Bucher, Prof. für Photovoltaiksysteme an der Berner Fachhochschule)
So befreien wir uns aus der fossilen Abhängigkeit
Der Krieg in der Ukraine führt uns täglich vor Augen, wie abhängig wir von fossilen Energien sind. Diese Abhängigkeit ist gefährlich und muss nicht sein. Wir können heute bereits alle fossil betriebenen Heizungsanlagen mit Solarenergie ersetzen. Zusammen mit der Installation von Wärmepumpen sichern wir uns eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Auch lässt sich ein Zuviel an produzierter Solarenergie im Sommer in Wasserstoff oder in synthetische Gase umwandeln, die sich beispielsweise in der Flugindustrie einsetzen lassen. Oder wir nutzen den Solarstrom für das eigene Elektroauto und dekarbonisieren damit schrittweise unsere Mobilität.
Wichtig ist auch, dass jede solare Kilowattstunde im Sommer unsere Speicherseen entlastet und sie sich somit weniger schnell leeren. Solarstrom im Sommer schont unsere Speicherreserve für den Winter und stabilisiert damit unsere Versorgungssicherheit. Das optimale Zusammenspiel zwischen Wasserkraft und Solarenergie reduziert damit unsere Abhängigkeit von Stromimporten aus dem Ausland während dem Winter.

