Noch weit von den Zielen entfernt
«Als wir die Bestimmungen lasen, schluckten wir zuerst leer», sagt Tina Tomovic, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Luzern (HSLU). Der Grund: Die Textilbranche ist noch weit von diesen Zielen entfernt.
In der Forschungsgruppe widmet sich Tomovic den Recycling- und Kreislaufprozessen. Dazu gehört auch das Forschungsprojekt Texcircle, das die Nutzung von Synergien innerhalb der Textilindustrie untersucht.
Texcircle ist ein Ausblick in eine mögliche Zukunft: Mehrere Schweizer und internationale Unternehmen schlossen sich dafür zu einem sogenannten Cluster zusammen – unter anderem Coop, Rieter, Rohner Socken und Texaid. Erforscht wurde, wie sich Überschussmaterialien und Alttextilien zur Herstellung neuer, hochwertiger Produkte nutzen lassen. Das Ziel: Den Kreislauf innerhalb des Clusters zu schliessen.
Vier Produkte geplant
Da das Textildesign grossen Einfluss auf die Rezyklierbarkeit hat, entwickelte das Forscherteam zudem ein Design Decision Tool. Es soll die Designer bei der Entwicklung neuer Produkte mit Hinsicht auf ihre Kreislauffähigkeit helfen.
Aus dem Cluster entstanden sechs Prototypen, wovon vier auf den Markt kommen könnten: Das Startup Nikin stellte aus Jeans-Garnen Pullover her. Alte Wollmäntel wurden von Ruckstuhl zu Teppichen verarbeitet. Ausgemusterte Bäckerhosen von Coop wurden aufgetrennt, Rohner Socken verstrickte das Garn zu Socken und TigerLiz Textiles verarbeitete es zu Vorhängen.
«Die Textilunternehmen müssen sich lokal zusammenschliessen, um Know-How, Materialien und Synergien zu nutzen», sagt Tomovic. Die Probleme in der Textilbranche liessen sich nicht von Einzelunternehmen lösen.
Als nächstes will sich die Forschungsgruppe Produkt & Textil weiteren Forschungsprojekten zuwenden. Im Fokus sollen Sharing, Repairing und Remanufacturing stehen – Teilen, Reparieren und Wiederaufbereitung. In einem weiteren Projekt widmet sich das Team dem Thema Arbeitskleidung. «Hinter den Kulissen tut sich mehr, als man von aussen wahrnimmt», schliesst sie.