Kleidung aus zweiter Hand erlebt seit Jahren einen Boom. Doch wer nachhaltig einkaufen und gleichzeitig lange Freude an seiner Kleidung haben möchte, sollte genauer hinschauen. Tanja Erskine ist Gründerin und Inhaberin des Vintage-Shops Orb-it.ch. Seit 2019 streift sie durch Brockis und Flohmärkte, um die schönsten Stücke zu ergattern. Doch nicht nur für ihren Onlinestore, auch privat setzt Erskine auf Kleidung aus zweiter Hand: «Ich bin mit Secondhand-Shopping aufgewachsen. Für mich ist es auch heute die normale Art einzukaufen», sagt sie. Im Folgenden verrät sie fünf Tipps, wie die nächste Brocki-Tour erfolgreich wird.
Fünf Tipps für besseres Secondhand-Shopping
Secondhand ist Trend, doch zwischen Fast Fashion und vollen Brockis ist es nicht so einfach, Vintage-Schätze zu finden. Secondhand-Expertin Tanja Erskine verrät ihre Tricks für erfolgreiches Stöbern.

Damit der Secondhand-Fund lange Freude bereitet, ist die richtige Verarbeitung wichtig. Aber was ist überhaupt «gute Qualität»? «Ich achte auf die Zusammensetzung des Stücks. Immer gut sind Naturmaterialien wie Baumwolle oder Wolle», sagt Erskine. Auch die Machart spricht für sich: «Ich liebe Teile mit besonderen Knöpfen und lege Wert darauf, dass sie aus einem beständigen Material wie Metall sind. Das Gleiche gilt für Reissverschlüsse.» Wer sich sicher sein will, dass nicht versehentlich ein Fast-Fashion-Stück im Einkaufskorb landet, sollte einen Blick auf das Etikett werfen: «Viele Vintage-Stücke wurden noch in Europa hergestellt», weiss Tanja Erskine. Auch die Machart des Etiketts kann etwas über das Alter der Kleidung verraten: «Auf vielen Vintage-Labels ist die Schrift eingewebt statt aufgedruckt. Selbst wenn es stark ausgewaschen ist, lässt sich daran noch erkennen, dass es sich um Vintage handelt.»
2 Mit einem kurzen Check viel Ärger vermeiden

Liebe auf den ersten Blick reicht beim Secondhand-Shopping nicht ganz aus. Wer vermeiden will, dass der Fund zu Hause im Kleiderschrank versauert oder beim ersten Tragen auseinanderfällt, sollte schon vor dem Kauf genau hinsehen. Bevor sich die Expertin für ein Stück entscheidet, hält sie es einmal gegen das Licht. «Viele Leute machen das gar nie. Dabei sieht man kleine Löcher oder dünne Stellen oft erst dann», sagt Erskine. «Stark ausgedünnte Stoffe oder Schimmelflecken sind ein Ausschlusskriterium.» Ein Blick unter die Achsel lohnt sich ebenfalls: «Dort verstecken sich häufig Schweissflecken oder Verfärbungen. Diese können zwar mit den richtigen Mitteln behandelt werden, sind aber oft hartnäckig.»
3 Nicht kaufen, nur weil es günstig ist

Bei der Jagd nach Vintage-Schnäppchen landet schnell etwas im Einkaufskorb – einfach weil das Angebot günstig ist. Genau das versucht Tanja Erskine zu vermeiden. Ihre Faustregel: «Ich frage mich jeweils: Würde ich dieses Stück auch kaufen, wenn es 50 Franken kosten würde?» So merkt man rasch, ob nur der Preis verführt oder die Kleidung wirklich gefällt. Ein weiterer Trick, den die Expertin anwendet, um Fehlkäufe zu vermeiden: «Ich überlege mir zwei oder drei Outfits, die ich mit dem neuen Fundstück aus meiner bestehenden Garderobe zusammenstellen könnte.» So wird schnell klar, ob das Teil zum eigenen Kleiderschrank und Stil passt.
4 Der richtige Ort für den richtigen Fund

Nicht jede Shopping-Adresse eignet sich für jedes Bedürfnis. «Wer gezielt nach einer bestimmten Marke oder einem bestimmten Modell sucht, wird online schneller fündig», sagt Tanja Erskine. Wer ohne langes Stöbern hochwertige Einzelstücke entdecken möchte, dem rät Erskine zu kuratierten Vintage- oder Secondhand-Läden: «Dort wurden die Sachen auch bereits auf Zustand, Qualität und Stil geprüft, was die Suche deutlich erleichtert.» Brockis hingegen brauchen vor allem eines: Zeit. Dort verstecken sich zwar oft besondere Schätze, allerdings nur für diejenigen, die bereit sind, sich durch die Kleiderständer zu arbeiten. «Wenn man dann einmal dabei ist, sollte man unbedingt jedes Stück einmal in die Hand nehmen und in Ruhe anschauen, um in der Fülle an Kleidung nichts zu verpassen.» Auch Flohmärkte können sich für Secondhand-Schnäppchen eignen, dort sei der Erfolg aber mehr Glückssache.
5 Mit Geduld zum Lieblingsstück

Wer erwartet, beim ersten Brocki-Besuch genau das Gesuchte zu finden, wird oft enttäuscht. «Secondhand-Shopping ist ein Marathon und kein Sprint», sagt Erskine. Auch wenn der erste Besuch erfolglos verläuft – es lohnt sich, immer mal wieder vorbeizuschauen. Für Tanja Erskine liegt der Reiz genau in dieser Ausdauer. Entsprechend bereitet sich Erskine auf eine Brocki-Tour vor: «Ich nehme immer etwas zu trinken und einen Snack mit. Wenn es sehr staubig oder muffig ist, kann auch eine Maske oder Desinfektionsmittel, um die Hände nach dem Stöbern kurz zu reinigen, angenehm sein.» Es braucht Geduld, aber diese wird auch belohnt: «Oft sind es unerwartete Entdeckungen, die später zu Lieblingsstücken werden.»