Wie schafft es das Goms, gleichzeitig die Besucherzahlen zu erhöhen und den authentischen Charakter des Hochtals zu bewahren?
Das ist keine Aufgabe der Tourismusorganisation allein. Im Goms ziehen Gemeinden, Betriebe und die Bevölkerung am gleichen Strick. Der Tourismus prägt unsere Region wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Gemäss der kürzlich veröffentlichten Wertschöpfungsstudie werden rund 70 Prozent der regionalen Wertschöpfung direkt oder indirekt durch den Tourismus erwirtschaftet. Umso wichtiger ist es, dass alle den Charakter des Goms mittragen und bewahren. In den vergangenen Jahren haben wir gezielt in die touristische Infrastruktur investiert, etwa ins Nordische Zentrum Goms oder in das Bike-Netz. Internationale Sportanlässe wie der Gommerlauf haben unsere Bekanntheit über Jahre hinweg erhöht und gezeigt, was das Goms zu bieten hat. Entscheidend ist aber, dass wir nicht versuchen, etwas anderes zu sein. Wir entwickeln unsere Angebote weiter und bleiben dabei dem treu, was das Goms ausmacht.
Wie reagieren Sie auf steigende Besucherzahlen in sensiblen Naturgebieten?
Besonders sensible Gebiete sind im Goms bereits gut geschützt. Unsere Aufgabe ist es, diesen Schutz langfristig zu sichern und den Gästen zu zeigen, wie sie die Natur respektvoll erleben können. Das ist zum Beispiel bei einer frühmorgendlichen Exkursion mit einem Ornithologen oder beim Beobachten von Steinböcken aus rücksichtsvoller Distanz möglich. Früher konnte man sich vielleicht eher darauf verlassen, dass der gesunde Menschenverstand genügt. Heute ist das leider nicht mehr so. Deshalb müssen wir erklären, weshalb gewisse Regeln gelten und wie sich alle so verhalten können, dass die Natur auch für kommende Generationen erhalten bleibt. Sensibilisierung ist für uns darum genauso wichtig wie Schutzmassnahmen. Wer nicht weiss, weshalb ein Lebensraum geschützt ist, erkennt oft auch nicht, welche Folgen das eigene Verhalten haben kann.
Wie werden die Gäste für ein umweltschonendes Verhalten sensibilisiert?
Die Sensibilisierung beginnt schon vor der Anreise. Gäste, die mindestens zwei Nächte in einem ausgewählten Gommer Hotel buchen, erhalten ein sogenanntes Mobility Ticket und können damit kostenlos mit dem öffentlichen Verkehr an- und abreisen. Damit schaffen wir einen konkreten Anreiz für eine klimafreundliche Anreise. Weiter gilt: Je länger Gäste bleiben, desto kleiner wird der ökologische Fussabdruck pro Ferientag und desto grösser ist die Wertschöpfung für die Region.
Und wenn die Gäste dann vor Ort sind?
Dann informieren wir über unsere Website, Aushänge und den Sommer- respektive Wintersportbericht. Dort sehen Gäste nicht nur, welche Wanderwege, Bike-Trails oder Loipen geöffnet sind, sondern auch, weshalb einzelne Routen gesperrt sind. Wer die Hintergründe kennt, zeigt in der Regel auch mehr Verständnis für Sperrungen. Im Sommer und Herbst sind sogenannte «Fairdinands» auf Wanderwegen und Bike-Trails unterwegs und fördern rücksichtsvolles Verhalten gegenüber Natur und Mitmenschen.
Wie stellen Sie sicher, dass die Gommer Natur und Landschaft langfristig geschützt werden?
Der Schutz unserer Natur ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Als Destinationsmanagementorganisation sehen wir unsere Rolle zunehmend darin, Akteure zusammenzubringen, zu vernetzen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Dafür braucht es den Kanton, die Gemeinden, die Land- und Forstwirtschaft, aber genauso alle Menschen, die sich in unserer Landschaft bewegen. Wenn wir diese Verantwortung nicht gemeinsam wahrnehmen, werden die Auflagen zwangsläufig strenger. Wegen des Fehlverhaltens einiger weniger müssten dann sensible Gebiete stärker eingeschränkt oder sogar für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Das wäre ein grosser Verlust.
Welche weiteren konkreten Massnahmen werden umgesetzt, um nachhaltigen Tourismus im Goms zu fördern?
Mit dem Gommer Naturbekenntnis motivieren wir Einheimische und Gäste, die Natur bewusst zu erleben und lokale Angebote zu nutzen. Damit wird aufgezeigt, wie alle ihren Beitrag leisten können. Neu ist diesen Sommer auch ein Ranger auf den Alpenpässen im oberen Goms im Einsatz. Er informiert über den respektvollen Umgang mit der Natur und über offizielle Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem sorgt der Ranger dafür, dass Kurtaxen dort entrichtet werden, wo die touristische Infrastruktur auch genutzt wird. Nachhaltiger Tourismus bedeutet für mich auch, Verantwortung für die Leistungen zu übernehmen, die man vor Ort in Anspruch nimmt. Langfristig wollen wir uns zudem dem Nachhaltigkeitsprogramm «Swisstainable» anschliessen und das Goms gemeinsam mit unseren Leistungspartnern als naturnahe Destination weiterentwickeln.
Welche nachhaltigen Angebote oder Aktivitäten sind heute bei den Besuchenden besonders beliebt?
Im Sommer und Herbst sind es vor allem das Wandern und die Ruhe, die viele Gäste ins Goms ziehen. Während der Wintermonate steht nach wie vor die Loipe Goms im Mittelpunkt. Langlauf ist ein Naturerlebnis, das mit vergleichsweise wenigen Eingriffen in die Landschaft auskommt. Gleichzeitig interessieren sich immer mehr Besuchende für Hofläden, Manufakturen und traditionelles Handwerk wie Roggenbrotbacken, Glockengiessen oder Weben. Solche Erlebnisse schaffen einen direkten Bezug zur Region und zu den Menschen, die hier leben. Viele unserer Angebote sind von Natur aus nachhaltig. Unsere Aufgabe besteht deshalb weniger darin, Neues zu erfinden, sondern vielmehr darin, diese Erlebnisse sichtbar und zugänglich zu machen.