Städte wachsen, Grünflächen werden knapper. Dennoch lässt sich auch auf kleinem Raum etwas für die Biodiversität tun. Schon wenige Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten schaffen Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel. Diese fünf Arten fördern die Biodiversität und bereichern gleichzeitig die Küche.
Biodiversität zum Essen – fünf Pflanzen für Garten und Balkon
Schon wenige Pflanzen können einen Beitrag zur Biodiversität leisten. Noch besser, wenn sie später auch auf dem Teller landen. Diese fünf sind für Mensch und Tier ein Gewinn.

Kapuzinerkresse – essbare Helferin
Sie wächst schnell, liebt sonnige und halbschattige Standorte und blüht oft weit bis in den Herbst: Die Kapuzinerkresse gehört zu den unkompliziertesten Pflanzen für Balkon und Garten. Die Blätter schmecken angenehm pfeffrig, und die Blüten bringen Farbe in Salate oder Desserts. Sogar die Samen können verwendet und etwa als «falsche Kapern» eingelegt werden. So schmecken sie zum Beispiel auf Canapés mit Frischkäse oder im mediterranen Salat.
Kapuzinerkresse ist in der Küche genauso vielseitig wie in der Natur. Sie ist eine beliebte Pflanze für viele Bestäuber und kann eine ökologische Lösung in der Schädlingsbekämpfung sein. Kapuzinerkresse ist ein Magnet für Blattläuse, weshalb sie gerne als «Opferpflanze» eingesetzt wird: Blattläuse siedeln sich bevorzugt auf ihr an und verschonen dadurch andere Pflanzen. Den gegenteiligen Effekt hat die Kapuzinerkresse auf Schnecken: Diese werden durch den Geruch eher vom Beet ferngehalten.

Wilde Malve – heimische Schönheit
Mit ihren violett-pinken Blüten verschönert die wilde Malve Wegränder, Wiesen und Gärten. In Getränken oder Desserts sorgen die hübschen Blüten für einen bunten Akzent. Auch auf dem Teller sind die jungen Blätter eine schmackhafte und ästhetische Ergänzung, etwa im Salat. Ältere Blätter lassen sich auch als Gemüse zubereiten und eignen sich als Grundlage für Suppen und Saucen. Die Malve gehört zu den ältesten Heilpflanzen. Die getrockneten Blüten und Blätter sind auch im Tee beliebt und können gegen Husten oder Entzündungen der Halsschleimhaut helfen.
Die wilde Malve ist auch bei der heimischen Fauna gefragt: Durch die lange Blütezeit ist sie ein wichtiger Lieferant für Nektar und Pollen und eine Nahrungsquelle für Wildbienen. Die Pflanze steht auch auf dem Speiseplan vieler Raupenarten. Wer die wilde Malve im Garten oder auf dem Balkon ansiedelt, schafft damit nicht nur eine Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten, sondern holt sich auch eine vielseitige Pflanze für Küche und Hausapotheke ins Zuhause.

Gartenmelde – vergessene Zutat
Lange bevor Spinat in Europa beliebt wurde, gehörte die Gartenmelde zu den wichtigsten Blattgemüsen. Schon in der Römerzeit wurde sie in der Küche verwendet. Mit der Verbreitung des Spinats geriet sie jedoch zunehmend in Vergessenheit. Heute wächst die anspruchslose Pflanze oft an Wegrändern und wird nicht selten als Unkraut angesehen. Dabei eignet sie sich hervorragend für den Anbau im Garten oder auf dem Balkon.
In der Küche findet die Gartenmelde ebenfalls Verwendung und ähnelt geschmacklich und in der Zubereitungsform Spinat. Besonders zart schmecken die jungen Blätter vor der Blütezeit. Man kann sie roh im Salat verwenden oder dünsten und etwa zu Feta oder Ei geniessen. Die Gartenmelde punktet auch mit einem hohen Nährstoffgehalt: Neben Vitamin C enthält sie auch Mineralstoffe wie Kalzium oder Magnesium.
In der Natur steht sie auf dem Speiseplan verschiedenster Raupen und ist somit für verschiedene Schmetterlingsarten wichtig. Durch ihre lange Blütezeit ist sie zudem bei Bienen und Hummeln beliebt. Und auch Vögel bedienen sich gerne an den Samen der nährstoffreichen Gartenmelde.

Schwarzer Holunder – nicht nur für die Tiere
Der Schwarze Holunder gehört zu den vielseitigsten heimischen Wildsträuchern und ist in vielen Gärten in der Schweiz zu Hause. Im Frühsommer schmücken ihn grosse weisse Blütendolden, im Spätsommer reifen dann die dunklen Beeren. Roh sollten diese allerdings nicht gegessen werden: Sie enthalten den giftigen Stoff Sambunigrin. Darum ist es wichtig, die Beeren vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen.
Richtig verarbeitet, entsteht aus Schwarzem Holunder ein aromatischer Saft oder auch Gelee oder Sirupe mit leicht herbem Geschmack. Holunder gilt als vitaminreich und wird traditionell besonders zur Erkältungszeit geschätzt. Auch für die Tierwelt ist der Strauch ein Gewinn. Seine Blüten versorgen Bienen und Käfer mit Nahrung. Und die Beeren dienen im Herbst als wichtige Energiequelle für viele Vogelarten. Neben Nahrung bietet der wilde Strauch auch Nistmöglichkeiten.

Wiesensalbei – Festmahl für Bestäuber
Mit seinen intensiv violett-blauen Blüten gehört der Wiesensalbei zu den auffälligsten heimischen Wildblumen. Er bevorzugt sonnige Standorte und gedeiht auf eher trockenen, nährstoffarmen Böden. Doch auch auf dem Balkon lässt sich die Pflanze kultivieren. Die jungen Blätter und Blüten sind essbar und verleihen Salaten, Kräuterbutter oder Desserts eine leicht würzige Note.
Besonders für Insekten ist der Wiesensalbei wertvoll. Seine nektarreichen Blüten versorgen Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge mit Energie. Dank seiner langen Blütezeit schliesst der Wiesensalbei zudem eine wichtige Lücke im Nahrungsangebot vieler Bestäuber. Wer ihn im Garten oder auf dem Balkon wachsen lässt, schafft deshalb nicht nur einen hübschen Blickfang, sondern unterstützt auch die heimische Artenvielfalt.