Rund vier Millionen Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren wandern gemäss einer vom Verband Schweizer Wanderwege im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA durchgeführten Studie regelmässig. Die gesamte Schweizer Wohnbevölkerung soll pro Jahr rund 199 Millionen Stunden mit Wandern verbringen. Und: Wanderfans unternehmen durchschnittlich 15 Wanderungen pro Jahr.
Doch neben idyllischen Bildern auf Social Media häufen sich nach sonnigen Wochenenden oder während der Sommerferien auch Beschwerden von Einheimischen und anderen Outdoor-Enthusiasten, dass einige Wandernde sich zu wenig rücksichtsvoll verhielten.
Vor allem bei beliebten Hotspots wie dem Oeschinensee (BE) oder dem Stoos-Gratwanderweg (SZ) sei es oft laut, Gruppen blockierten die Wege, Tiere würden gestört und die offiziellen Wanderwege verlassen. In Einzelfällen wird sogar vom Füttern von Wildtieren und liegengelassenen Abfällen berichtet.
Die wichtigsten Wanderregeln: auf den Wegen bleiben und Abfall wieder mitnehmen
Was gilt es zu beachten, damit das zunehmende Besucheraufkommen in den Schweizer Bergen und Wäldern nicht dazu führt, dass die Natur darunter leidet? «Die zwei wichtigsten Regeln sind simpel und gelten für alle: auf den Wegen bleiben und seinen Abfall wieder mitnehmen. Wer die Wanderwege verlässt, kann Tiere aufschrecken, Pflanzen zerstören und durch das Verbreitern der Wege Wasserläufe verändern», sagt Daniel Assarson, Bereichsleiter Touristische Infrastruktur bei Forst Goms. Das Goms im Wallis ist eine der ursprünglichsten Gegenden der Schweiz und erfreut sich bei Outdoor-Fans immer grösserer Beliebtheit.
Um Missverständnisse bei der Wegführung zu minimieren, müsse der Signalisation auf den Wanderwegen und Bike-Trails Sorge getragen werden. «Vor einigen Jahren schrieben Bike-Gegnerinnen oder -Gegner auf zahlreiche Wanderwegschilder im Goms mit Filzstift ‹NO BIKE›, obwohl es nicht verboten ist, auf diesen Wegen zu biken. Diese Verunstaltung der Wanderwegschilder ist Vandalismus und dafür habe ich kein Verständnis», berichtet Daniel Assarson. «Und wieso Littering schädlich ist, muss ich wohl nicht weiter ausführen.»
Weggeworfene Früchte-Überreste können das Fressverhalten von Wildtieren verändern
Während den meisten durchaus klar sein dürfte, dass Verpackungen oder kaputte Ausrüstungsgegenstände nicht einfach liegengelassen werden, schmeissen nicht wenige Wandernde Apfelgehäuse, Pflaumenkerne oder Pfirsichsteine in die Natur. «Dies ist Littering und daher nicht erlaubt. Viele Früchte zersetzen sich weniger schnell als man vielleicht denken würde. Vor allem Überreste von exotischen Früchten wie Bananen sind nicht dafür gemacht, in unseren klimatischen Bedingungen zu verrotten. Früchte werden zudem teilweise mit Pestiziden behandelt, die nicht in die Natur gehören», erklärt Patricia Cornali, Kommunikationsverantwortliche des Verbandes Schweizer Wanderwege. Ein weiteres Problem sei, dass Wildtiere sich daran gewöhnen könnten, in der Nähe von Wanderwegen Futter vorzufinden. Dies würde zu einem unnatürlichen Fressverhalten führen, was eine Gefahr für die Tiere darstellen könne.
Wie kann man die Umweltbelastung beim Wandern weiter minimieren? «Beim Wandern ist wohl die An- und Rückreise mit dem Privatauto der belastendste Faktor für die Umwelt. Am wenigsten belastet man die Umwelt, indem man sich ausschliesslich durch eigene Muskelkraft fortbewegt. Dies geht zum Beispiel, indem man einfach vor die Haustüre tritt und loswandert. In der Schweiz haben wir ein sehr dichtes Netz mit 65'000 Kilometer Wanderwegen und der nächste ist selten weit entfernt», sagt Cornali. Wer Wandergebiete weiter weg erkunden möchte, solle mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto anreisen.
Auch Ausrüstung und Proviant entscheiden über Umweltbelastung der Wanderung
Beim Kauf von Wanderkleidung und -ausrüstung solle man darauf achten, unter welchen Bedingungen sie hergestellt worden sei. «Es gibt übrigens auch viele gute Secondhand-Angebote oder Reparaturdienste für Wanderausrüstung», verrät Patricia Cornali. Sie empfiehlt ausserdem, sich auf der Wanderung mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln zu verpflegen und den Ausflug so nachhaltiger zu gestalten.
Und was ist, wenn beim Wandern die Natur ruft und man sich erleichtern muss? «Am besten plant man den Toilettengang so, dass man unterwegs gar nicht erst muss und bereits vorhandene Infrastrukturen wie beispielsweise bei Bergbahnstationen, Restaurants oder Hütten nutzt», sagt Patricia Cornali. Liesse es sich nicht verhindern, dann seien alle Geschäfte mit einem Mindestabstand von 50 Metern zum nächsten Gewässer zu erledigen. «Muss man gross, vergräbt man das Geschäft in einem Loch, nimmt das Toilettenpapier zum Beispiel in einem Hundekotbeutel mit und entsorgt es später korrekt.»
«Wandern trägt dazu bei, eine Bindung zur Natur aufzubauen»
Wer die offiziellen Regeln und zusätzlichen Tipps für eine nachhaltige Wandertour befolgt, belastet die Natur auf Wanderausflügen nur minimal – und schafft neben unvergesslichen Erinnerungen auch ein stärkeres Bewusstsein für die Umwelt. «Das Wandern spielt eine wichtige Rolle beim Schärfen des Umweltbewusstseins: Man kann mit eigenen Augen sehen, wo es durch Menschen verursachte Schäden oder Verschmutzungen gibt und wie sich der Klimawandel auf unsere Umwelt auswirkt, beispielsweise anhand von sich zurückbildenden Gletschern. Das draussen Unterwegssein lässt einen die Natur mit allen Sinnen erfahren und es trägt dazu bei, eine emotionale Bindung zur Natur aufzubauen. Wer sich mit einer Landschaft verbunden fühlt, setzt sich oft stärker für deren Schutz ein», so Cornali.
