Bis zu 4000 Tonnen Lachs sollen jährlich am Walensee produziert werden – nachhaltig, lokal und gesund, wie die Betreiberfirma Swiss Blue Salmon auf ihrer Website versichert.
«Damit können wir rund zehn Prozent der Schweizer Lachsimporte ersetzen», sagt Geschäftsführer Ruedi Ryf. Ein Grossteil des Lachses wird heute aus dem Ausland importiert, meist aus Norwegen. Etwa jeder fünfte Lachs verendet dort bei der Aufzucht.
Am Walensee soll das anders laufen. Die Anlage würde mit kaltem Wasser aus dem See versorgt werden, das in 50 Meter Tiefe abgepumpt wird und einen vierstufigen Aufbereitungsprozess durchläuft, bevor es mit einem Fisch in Kontakt kommt.
«Deshalb hätten wir in der Anlage keine Parasiten oder Krankheitserreger wie die Lachslaus», sagt Ruedi Ryf. «Und genau deshalb brauchen wir weder Antibiotika noch chemische Behandlungen.» Die Wasserentnahme werde von einem Schweizer Ingenieurbüro geplant, das kürzlich vergleichbare Projekte zur Seewasserentnahme im Zürichsee und im Bodensee umgesetzt hat.
Kritik von Fair Fish und WWF
Tierschutzorganisationen sind dennoch skeptisch. In einer Petition fordert die NGO Fair Fish gemeinsam mit fast 11’000 Unterstützern die Glarner Behörden auf, das Baugesuch von Swiss Blue Salmon abzulehnen. Die Kritik: Massentierhaltung, Belastung der Ozeane sowie Systemrisiken. «Die sensiblen technischen Systeme können bei Störungen zum Tod von Hunderttausenden Fischen auf einen Schlag führen», heisst es in der Petition.
Auch der WWF zeigt sich kritisch. Insbesondere das Fischmehl, das für die Lachszucht benötigt wird, bereitet Isabel Jimenez, Verantwortliche für Meeresprodukte, Sorgen. «Man muss wissen, dass bis zu drei Kilo Wildfisch nötig sind, um ein Kilo dieses Zuchtfischs zu produzieren», sagte sie dem SRF. «So wird man das Problem der Überfischung nicht lösen. Die Aquakultur muss ihre Abhängigkeit von Wildfischen reduzieren.»
«Im Rahmen der Tierschutzgesetzgebung»
Ruedi Ryf, der Geschäftsführer, und Fridolin Tschudi, wissenschaftlicher Berater von Swiss Blue Salmon und Co-Leiter der Forschungsgruppe Aquakultursysteme an der ZHAW, relativieren diese Argumente.
Es sei korrekt: Die Fischdichte in der Anlage am Walensee sei höher als bei den Käfigen im Meer. Tschudi verweist aber darauf, dass gemäss Studien das Tierwohl bei den geplanten Dichten nicht beeinträchtigt sei, sofern eine hohe Wasserqualität gewährleistet werde. Dies sei in der Anlage am Walensee sichergestellt.
«Insgesamt bleiben wir klar unter dem, was biologisch möglich wäre», ergänzt Ruedi Ryf. «Und wir bewegen uns im Rahmen der Schweizer Tierschutzgesetzgebung, die zu den strengsten der Welt gehört.»
Import von Fisch – oder Fischfutter
Klar sei auch, dass für die Produktion von 4000 Tonnen Lachs Fischfutter importiert werden müsse. «Jedoch ist es aus globaler Sicht sinnvoller, Futter ungekühlt auf dem Landweg zu transportieren, als Lachs per Flugfracht oder Landfracht gekühlt zu importieren», sagt Fridolin Tschudi.
Fischfutter bestehe heutzutage grösstenteils aus pflanzlichen Zutaten, und der pflanzliche Anteil nehme stetig zu. Angesprochen auf die WWF-Aussage, wonach bis zu drei Kilo Wildfisch pro Kilo Zuchtlachs gebraucht werden, verweist Tschudi auf eine Studie aus Norwegen.
Neben den pflanzlichen Zutaten landen auch Fischmehl und -öl im Fischfutter. Die norwegische Studie geht von etwa 1,5 Kilo Wildfisch pro Kilo Zuchtlachs in Form von Fischöl aus. Für das im Futter enthaltene Fischmehl würden lediglich 0,5 Kilo Wildfisch benötigt. Der Beifang wird in der Studie nur teilweise berücksichtigt, die tatsächlichen Zahlen dürften demnach höher ausfallen.
Für Ruedi Ryf ist klar: «Es entsteht ein regionaler Glarner Lachs, der importierten Lachs ersetzt.» Fair Fish dürfte sich von diesen Argumenten kaum noch überzeugen lassen. «Ein solches Geschäftsmodell hat am Walensee nichts verloren», heisst es seitens der NGO. Wirklich nachhaltig sei nur eines: weniger Lachs zu konsumieren.