Jedes Jahr landen in der Schweiz rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall, die für den menschlichen Konsum bestimmt waren. Food-Waste verschwendet wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie und Anbauflächen und verursacht unnötige Treibhausgasemissionen.
Das Basler Jungunternehmen Löööv bewahrt Lebensmittel vor der Tonne und stellt Glace aus geretteten Zutaten her. Mitgründer Lucas Müller und die heutige Geschäftsführerin und gelernte Konditorin Lena Jung erzählen im Interview, wie die Idee entstanden ist, welche ungewöhnlichen Sorten sie bereits entwickelt haben und wie viele Kilogramm Früchte und Gemüse sie mit ihren Glaces jeden Sommer retten können.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Glace aus geretteten Zutaten herzustellen?
Lucas Müller: Wir waren vier Freunde mit Hintergrund in der Lebensmittelbranche und wollten gemeinsam etwas gegen Food-Waste unternehmen. Angefangen hat alles mit sogenannten «Menu Surprise»-Tafeln. Dabei brachten wir Menschen an einen Tisch, von denen sich jeweils höchstens zwei bereits kannten, und kreierten Menüs aus Lebensmitteln, die wir vor dem Entsorgen bewahrten. Nach mehreren erfolgreichen Tafel-Abenden produzierten wir 2020 mit einer alten Glacemaschine erstmals Glace aus geretteten Zutaten für ein Restaurant und erhielten sehr positive Rückmeldungen. So entstand nach und nach die Idee für Löööv, wobei sicher auch eine gute Portion jugendlicher Übermut im Spiel war.
Was bedeutet «gerettete Zutaten» eigentlich konkret?
Lucas Müller: Viele Lebensmittel bleiben entlang der Wertschöpfungskette liegen, obwohl sie noch geniessbar wären. Manche Früchte oder Gemüse sind zu gross, zu klein oder entsprechen optisch nicht den Anforderungen des Detailhandels und der Gastronomie. Andere werden nicht verkauft, weil schlicht zu viel davon bestellt wurde. Wir konzentrierten uns auf die Rettung lokaler Lebensmittel. Wir wollten zeigen, was in der Region verfügbar ist und gerade Saison hat. Detailhändler und grössere Betriebe überliessen uns beispielsweise Lebensmittel mit Formfehlern. Privatpersonen meldeten sich ebenfalls bei uns, wenn sie überschüssige Früchte oder Gemüse hatten. Wertvolle Unterstützung erhielten wir auch von Sonja Grässlin von der Basler Organisation Wertstätte: Sie sortierte gerettete Lebensmittel und vermittelte sie zur Weiterverarbeitung an uns.

