Leuchtturmstadt Paris: Bis 2024 soll die französische Metropole zur umweltfreundlichen 15-Minuten-Stadt werden. REUTERS

Gehört den 15-Minuten-Städten die Zukunft?

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Bessere Luft, weniger Lärm, mehr Lebensqualität: Paris will bis 2024 zu einer Stadt werden, in der sich alle Lebensbedürfnisse in einer Viertelstunde zu Fuss oder mit dem Fahrrad abdecken lassen. Weitere Städte ziehen nach.

Wie wichtig die Lebensqualität im nahen Umfeld ist, spürte man selten so stark, wie während der Corona-Pandemie. Tausende von Arbeitstätigen waren von einem Tag auf den anderen ins Home-Office und ihre nächste Umgebung verbannt. Und diejenigen, die zur Arbeit fahren mussten, blieben dem öffentlichen Verkehr fern und nahmen das Auto.

Gefühle der Einengung, verstopfte Strassen, Abgase und Lärm waren die Folge - vor allem in den Städten. Lärm und Gestank waren für viele allerdings schon früher ein Ärgernis, und die Diskussion, wie man Pendlerströme eindämmen könnte, wurde schon vor der Pandemie diskutiert.

Lebendige Quartiere statt tote Zonen

Einen zukunftsweisenden Weg schlug die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, bei ihrem Amtsantritt 2014 ein. Sie will Paris bis 2024 in eine 15-Minuten-Stadt umgebaut haben. Alles Lebensnotwendige soll im eigenen Quartier innerhalb einer Viertelstunde zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreichbar sein – egal ob die Ärztin, Shops oder Freizeitangebote.

Als Vater der Idee gilt Carlos Moreno, Professor an der Pariser Universität Sorbonne. Er plädiert für vielseitige Stadtviertel: Statt menschenleere Schlafquartiere tagsüber und Shoppingzonen, die nach Ladenschluss verwaisen, schweben dem engagierten Professor lebendige und dorfähnliche Quartiere vor. Sechs Grundbedürfnisse müssten diese laut Moreno abdecken können: Wohnen, Arbeit, Einkaufen, medizinische Versorgung, Ausbildung und persönliche Entfaltung.

Engagierte Stadtplanerin: Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris.Thomas COEX / AFP

Verbannung des motorisierten Verkehrs

Der Bau einer 15-Minuten-Stadt bedingt indessen tiefgreifende Eingriffe. So muss der motorisierte Verkehr weitgehend aus den Quartieren verbannt und stark verlangsamt werden. Parkplätze werden aufgehoben und durch Miniatur-Grünräume mit Bänken, Bäumen und Spielgerät ersetzt. Mehr Grün bedeutet auch weniger Hitze in den Städten. Die Radwege werden ausgebaut, das Velofahren gefördert.

In Paris sind 650 Kilometer neue Radwege bis 2024 geplant. Seit dem Amtsantritt der Bürgermeisterin ist die Zahl der Velofahrer bereits um 54 Prozent gewachsen. Einige Pariser Quartiere sind unterdessen an Sonn- und Feiertagen für Autos gesperrt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Pendlerverkehr, bessere Luftqualität, weniger Lärm. Auch wächst die Sicherheit von Fussgängerinnen und Velofahrern. Zudem fördern kleinräumige, dorfähnliche Viertel den Gemeinschaftsgeist.

Kritik wird laut

Das gefällt allerdings nicht allen: Manche bevorzugen das Leben in den Städten gerade deshalb, weil sie dem engen dörflichen Leben entfliehen wollten. Andere empfinden das laute und chaotische Stadtleben als inspirierend. Befürchtet wird zudem eine Ghettoisierung mit in sich geschlossenen Gemeinschaften, von der ärmere Bevölkerungsschichten ausgeschlossen sind. Kritisiert wird auch der Baulärm, der durch die Eingriffe entsteht.

Aller Kritik zum Trotz haben sich aber weitere Städte auf den Weg gemacht: Oslo plant seit 2015 die 15-Minuten-Stadt, die kanadische Stadt Ottawa will das Ziel bis 2046 erreichen, Melbourne strebt die 20-Minuten-Stadt bis 2050 an. Andere Städte dürften folgen – auch in der Schweiz.

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Erste Veröffentlichung: 
21.5.2021
  |  Letztes Update: 
21.5.2021
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