Wie Sonnenblumen neigen sich die quadratischen Platten der Fassade im Verlauf des Tages von Osten nach Westen. «Im Prinzip ist es wie eine zweite Haut des Gebäudes», erklärt Gabriel Kreuzer von Solskin, die von der Klimastiftung Schweiz unterstützte Innovation. Die Platten – das sind Solarpanels, die über Druckluft gesteuert werden. Kontrolliert werden sie aber nicht von Menschen, sondern von künstlicher Intelligenz. Bis zu 80 Prozent soll der Energieverbrauch eines Gebäudes dadurch gesenkt werden können.
Solskin setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf KI. Damit ist das Start-up nicht allein: Auch Viboo aus Dübendorf nutzt die Technologie, um Heizungen älterer Gebäude zu digitalisieren und zu optimieren – und reduziert damit den Energieverbrauch nach Eigenangaben um bis zu 27 Prozent. Kitro aus Zürich registriert Food-Waste in Grossküchen via Waage, Kamera und KI-Analyse und soll diesen nach Eigenangaben um bis zu 60 Prozent reduzieren können.
«Künstliche Intelligenz ist ein mächtiges Werkzeug», heisst es dementsprechend auch in einem Bericht von Swisscleantech. Der Einsatz von KI könne aktiv zum Klimaschutz beitragen, aber auch die Effizienz von Anpassungsmassnahmen steigern.
KI-Boom steigert Verbrauch fossiler Energie
Gleichzeitig hat der KI-Boom auch negative Folgen für die Umwelt. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind und Solar mit dem wachsenden Energiebedarf der KI nicht mithalten kann: «Ein Grossteil der Energie für KI muss daher aus nicht erneuerbaren Energiequellen wie Öl und Gas bezogen werden.» Der Einsatz von KI steigert also die CO2-Emissionen.
Im Jahr 2024 sollen allein die KI-Rechenzentren in den USA, wo ein Grossteil der KI-Modelle trainiert wird, so viel Strom verbraucht haben wie sämtliche Einwohner und Firmen Thailands zusammen. Hierzulande fällt der Stromverbrauch der Rechenzentren zwar geringer aus und stammt zudem aus nachhaltigeren Quellen – doch auch hier steigt der Verbrauch an.
Wie klimafreundlich ist KI unter dem Strich?
Die Frage drängt sich auf: Wie sehr hilft KI im Kampf gegen den Klimawandel unter dem Strich wirklich? Diese Frage stellten sich auch die Schweizer Start-ups.
Solskin hat von der ETH eine Lebenszyklusanalyse ihrer klimaadaptiven Solarfassade durchführen lassen. Diese zeigt, dass ihre Innovation im Vergleich zu einer konventionellen Fassade eine um 39 Prozent geringere Umweltbelastung aufweist und bis zu 40 Prozent mehr Energie produziert als eine fest installierte Solarfassade.

