Nachhaltige Anlagen liegen im Trend. Mehr als jeder zweite Fonds in der Schweiz zahlt auf einen der drei Nachhaltigkeitsaspekte ein: Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit oder verantwortungsvolle Unternehmensführung. Die Beliebtheit nachhaltiger Anlagen zeigt sich auch beim investierten Vermögen, das Jahr für Jahr wächst. 2018 waren es gut 700 Milliarden Franken, Ende 2022 schon mehr als doppelt so viel.
Nachhaltig oder nachlässig?
Ein internationales Forschungsteam sollte herausfinden, welche Konsequenzen der Boom von Investitionen in nachhaltige Anlagen hat. Die Befürchtung: Wer nachhaltig anlegt, erachtet seinen Beitrag zu einer klimafreundlicheren Welt als erfüllt. Das Gewissen ist beruhigt, Nachhaltigkeit in anderen Lebensbereichen wird vernachlässigt, das Engagement für Klimapolitik ebbt ab.
Nachhaltigkeit schlägt Performance
In einem ersten Schritt wollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich, der Universität St. Gallen (HSG) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) herausfinden: Warum entscheiden sich Schweizerinnen und Schweizer für nachhaltige Anlagen? Dazu wurden die Versuchspersonen in zwei Gruppen geteilt. Alle mussten entscheiden, in welchen von zwei Fonds sie investieren wollen. Die eine Gruppe, die sogenannte Kontrollgruppe, erhielt nur Informationen zur Performance. Die Experimentalgruppe kannte zudem den CO2-Fussabdruck der beiden Fonds. Um ehrliche und realitätsnahe Antworten zu erhalten, wurde ein Anreiz gesetzt: rund zehn Teilnehmende wurden zufällig ausgelost, ihre Anlageentscheide tatsächlich umgesetzt und die jeweils 1000 Franken in den ausgewählten Fonds investiert. Diese Personen erhalten nach 12 Monaten den Betrag aus dem Investment, inklusive der Rendite.
Es zeigt sich: Wer ausschliesslich finanzielle Informationen hat, wählt in der Regel den Fonds, der besser performt. Wer zusätzlich dazu den CO2-Fussabdruck kennt, entscheidet sich überwiegend für den nachhaltigeren Fonds – und zwar auch dann, wenn die Performance etwas schlechter ist. Die Präferenz hängt also nicht nur von Rendite- oder Risikoerwartungen ab, sondern auch wesentlich vom guten Gefühl, nachhaltig zu investieren.
Anteil der Befragten, die den Klimafonds gewählt haben
Klimabezogene Informationen über die beiden Fonds erhielt nur die Experimentalgruppe.

