Vor zehn Jahren zog der damalige Stadtplaner Benjamin mit seiner Frau und beiden Kindern in die Schweiz, wo er die CrossFit-Manufaktur eröffnete. Anders, als bei üblichen Fitnessstudios, findet man bei Benjamin kaum herkömmliche Maschinen, sondern Klimmzugstangen, Rudergräte, Langhanteln und Gewichte.
Weshalb das so ist? Bei CrossFit ist der ganze Körper bei einer Trainingseinheit im Einsatz und die Energie soll lieber in die sportlichen Aktivitäten, als Fitnessmaschinen fliessen. Um seinen Alltag noch ressourcenschonender zu gestalten, lebt er vegan und wirkt dem Food-Waste entgegen.
Hallo Benjamin, erzähl doch ein bisschen über dich: Wer bist du und was arbeitest du?
Ich bin Eigentümer und Head Coach der «CrossFit Manufaktur» in Egnach TG, wo wir mit 18- bis 73-Jährigen in kleinen Gruppen gleichzeitig trainieren. CrossFit hat weltweit etwa 15’000 sogenannte Boxen – also Studios – und schon unzähligen Menschen geholfen, einen gesunden Lebensstil zu verwirklichen.
Die CrossFit Manufaktur ist eine der wenigen CrossFit-Boxen weltweit, und die erste im DACH-Raum überhaupt, die Krebs- und Long-Covid-Betroffenen hilft und sie dabei unterstützt, ihre Erschöpfungssymptomatik durch Training und Ernährung zu reduzieren.
Du selbst lebst seit über zehn Jahren vegan. Was bedeutet das für dich?
Zuerst: Ich lebe noch und ja, meine Blutwerte sind im Normalbereich – das sind ja meist die ersten Vorurteile, die man zu hören bekommt. Aber Spass beiseite: Vegan zu leben bedeutet für mich vor allem, mich bewusst mit pflanzlicher Vollwertkost zu ernähren und damit nicht nur Tieren, sondern auch der Umwelt Sorge zu tragen. Denn weniger Fleischkonsum bedeutet, weniger CO₂-Emissionen und weniger Belastung für die Umwelt.
Ich verzichte, soweit das möglich ist, auf den Verzehr tierischer Produkte und Nahrungsmittel, die eine so lange Inhaltsangabe haben, dass sie kaum auf die Verpackung passen.
Was sagst du zum Vorurteil, dass Sportler und Sportlerinnen viel Fleisch essen müssen?
Es gibt viele Studien, die belegen, dass übermässiger Fleischkonsum in kaum einem Fall für unseren Körper sinnvoll ist. Besonders für Sportlerinnen und Sportler ist eine Ernährung mit hoher Nährstoffdichte wichtig, ohne dabei dem Körper noch mehr Belastung durch schwer verdauliche Lebensmittel zuzufügen.
Pflanzliche Produkte haben eine viel höhere Dichte an Nährstoffen als tierische Produkte. Alle Nährstoffe, die wir benötigen, sind ausreichend in pflanzlichen Nahrungsquellen vorhanden. Das beweist: Man kann sehr gut auf Fleisch verzichten und gleichzeitig dem Körper, sowie der Umwelt etwas Gutes tun.
Abgesehen von deiner Ernährung, wie gestaltest du deinen Alltag nachhaltig?
Nun, die Ernährung bildet ja einen grossen Teil unseres Alltags und pflanzliche Nahrungsmittel als Schwerpunkt zu nehmen, ist für die Umwelt ja schon enorm nachhaltig. Bedenkt man etwa den hohen Wasser- und Futtermittelverbrauch, den es für die Fleisch- und Milchproduktion braucht, kann man einen sehr grossen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Aber: vegan ist nicht immer automatisch besser und nachhaltiger. Vegane, nachhaltige Vollwertkost, die so naturnah wie möglich ist, aus biologischem und lokalem Anbau, ist sicher nachhaltiger und auch wertvoller, als ultra prozessierte, im Labor hergestellte vegane Convenience Foods.
In meiner CrossFit Box und auch zu Hause versuchen wir, soweit wie möglich biologisch und lokal zu kaufen – ob das nun Nahrungsmittel, Kleidung oder Reinigungsmittel sind, und auch unseren Foodwaste einzuschränken
Hast du Tipps, wie man ganz einfach den sportlichen Alltag und die Ernährung besonders ressourcenschonend gestalten kann?
Wer gerne mal versuchen will, sich eher pflanzlich zu ernähren, dem empfehle ich, anstatt auf einen Schlag alles Tierische wegzulassen, langsam einzusteigen und beispielsweise den Gemüseanteil bei den Mahlzeiten zu erhöhen oder bei Snacks auf Nüsse zurückzugreifen. Jeder von uns ist anders, und das ist gut so.
Für manche von uns ist der vegane Ernährungsstil aus den unterschiedlichsten Gründen nicht umsetzbar – man sollte auf seinen Körper hören, achtsam sein und für sich entscheiden, in welchen Bereichen seines Lebens man ressourcenschonend(er) sein kann oder möchte. Das Label «vegan» allein sagt nichts über Nachhaltigkeit. Pflanzliche Vollwertkost finde ich persönlich die Formulierung, die in Bezug auf Ernährung das beschreibt, was umweltschonend ist.
