Wer auf dem Bahnhof schon einmal nahe an der weissen Sicherheitslinie gestanden hat, während ein Güterzug vorbei donnerte, weiss aus eigener Erfahrung, wie stark Luftströmungen sein können, die vorbeifahrende Züge verursachen. Dieser Effekt ist umso ausgeprägter, je weniger aerodynamisch das Fahrzeug geformt ist. So erzeugen Güterzüge zum Beispiel deutlich mehr Wind als ein Intercity oder eine Metro.
Noel Rhyner (20) ist gelernter Anlagen- und Apparatebauer. Diesen Sommer hat er seine vierjährige Lehre bei Bühler in Uzwil abgeschlossen und absolviert nun neben seiner Tätigkeit bei Bühler die einjährige Passerelle, mit dem Ziel, danach an der Universität Maschinenbau zu studieren. Als Noel eines Abends von der Arbeit nach Hause pendelte, erfasste ihn auf dem Bahnsteig ein solcher Luftstrom und er begann, sich zu fragen, ob man diesen Wind nutzen könnte, um grünen Strom damit zu produzieren.
Mittels 3D-Druck baute er den ersten Protoypen einer Windturbine und testete sie am Strassenrand. Denn auch Autos und Lastwagen erzeugen eine Luftströmung, wenn sie vorbeifahren. «In einem ersten Schritt habe ich getestet, ob sich die Turbine überhaupt dreht», sagt Noel. In einem zweiten Schritt habe er sie dann weiter optimiert, Computer-Simulationen durchgeführt, Partner gesucht und das Projekt schliesslich beim nationalen Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» eingereicht.
