Ein Experiment als Beweis
Es war die bisher längste kommerziell gefahrene Distanz in einem E-LKW. Eine Woche war er unterwegs. Mit Dieselfahrzeug wäre die Reise in rund vier Tagen zu schaffen gewesen. Doch es handelte sich um die erste solche Fahrt und damit um ein Experiment.
Initiiert wurde es vom Transportunternehmen Krummen Kerzers zusammen mit dem Kunden Casa del Mas. Die Mission: für den Biofood-Händler 20 Tonnen Orangen in die Schweiz bringen. «Wir wollten zeigen, dass die Elektromobilität auch bei Lastwagenfernfahrten Sinn macht», sagt Peter Krummen, nachdem der Truck den Weg zurück in die Schweiz geschafft hat.
Als Balint am 16. Januar losfuhr, wusste er nicht, ob er auch ankommt. «Ein Teil der Herausforderung lag in der Planung», sagt er. Er musste Lenk- und Ruhezeiten einhalten und diese so abstimmen, dass die Batterien in den Pausen geladen werden konnten.
Einmal wurde es eng
Die Strecke ist zudem noch nicht fürs Laden von E-LKW ausgelegt. Balint musste die Batterien jeweils an PW-Stationen füllen. «Sobald eine Station zusätzlich von anderen PW genutzt wurde, sank die Ladegeschwindigkeit enorm», sagt er.
Auf die Ladeleistung der Stationen sei nicht immer Verlass gewesen. So habe er auf seinen rund 20 Stopps bisweilen Pausen von drei Stunden statt nur einer machen müssen. «Ich musste oft rechnen, wo ich die nächste Ruhepause einlege», sagt er.
Nur einmal sei er ins Schwitzen gekommen – kurz vor dem letzten Zwischenstopp in Kerzers, dem Hauptsitz des Transportunternehmens. «Der Laster hatte kaum mehr Energie, in der Kabine ging nichts mehr», sagt er. Mit fast leerer Batterie habe er es eben noch geschafft – auch dank Peter Krummen, der die Systeme während der gesamten Rekordfahrt aus der Ferne überwachte und Tipps gab.
Positive Reaktionen und Tränen
Auch von Freunden und der Familie habe er während der gesamten Fahrt viel mentale Unterstützung erfahren. «Das war schön, denn der Druck war da», gibt er zu. Zudem habe es immer wieder positive Reaktionen der Leute gegeben, vor allem Chauffeure hätten Interesse gezeigt. Einmal sei beim Laden in Spanien von Neugierigen ein Stau verursacht worden.
Erst als er ins Ziel gelangte, wurde ihm indessen bewusst, dass er als erster LKW-Fahrer die Distanz elektrisch zurückgelegt und damit einen Rekord gefahren war. «Ich weinte fast vor Freude», sagt er. «Das war ein emotionaler Moment.»