Der Klimawandel führt zu Gletscherschwund und verändert die gewohnte Heimatumgebung. Foto: PD

Ein Begriff für das Gefühl, wenn sich die Heimatumgebung negativ verändert

Ein Begriff für das Gefühl, wenn sich die Heimatumgebung negativ verändert

La solastalgie, ce mal qui nous ronge quand notre paysage se dégrade

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Braune Berghänge im Winter, veränderte Natur, verschwundene Quartierläden. Das negative Gefühl, das Verluste wie diese beim Menschen auslösen, hat einen Namen: Solastalgie.

Welches Gefühl überkommt Sie, wenn Sie im Winter in den Bergen von braunen Grasflecken umgeben sind, wo früher meterhoch Schnee lag? Wie fühlt es sich für Sie an, im Frühling einen Zitronenfalter auf einer Blume zu entdecken, nur um sich daran zu erinnern, dass in Ihrer Kindheit viel mehr Schmetterlinge auf den Wiesen zu sehen waren? Wie nennen Sie dieses beklemmende Gefühl, wenn Sie in den Himmel blicken und sich fragen, wann es zuletzt geregnet hat? Und was macht es mit Ihnen, wenn das Quartierlädeli durch ein hippes Café ersetzt wird?

Vielleicht fühlen Sie Trauer oder Angst. Vielleicht auch so etwas wie Nostalgie oder Melancholie. Dass die Umwelt das psychische Wohlbefinden beeinflusst, ist wissenschaftlich belegt. Die Umweltpsychologie beschäftigt sich mit genau diesen Zusammenhängen. Seit gut zwanzig Jahren existiert jedoch ein präziserer Begriff für das Gefühl, das obige Situationen in einem Menschen auslösen können: Solastalgie.

Auf den Wiesen sind immer weniger Schmetterlinge zu sehen, die Vielfalt der Fauna schwindet. Foto: PD

Solastalgie beschreibt den Schmerz oder die Belastung, die durch die Zerstörung oder die negative Veränderung der eigenen Heimatumgebung entsteht. Also das Gefühl, das einen überkommt, wenn sich die Umwelt vor den eigenen Augen zum Schlechteren verändert.

Die Entstehung des Begriffs Solastalgie

Glenn Albrecht, ein australischer Naturphilosoph, prägte den Begriff Solastalgie. Albrecht berichtet in seinem 2005 erschienenen Artikel «Solastalgia: a new concept in human health and identity», dass er während seiner Arbeit an der Universität Newcastle regelmässig von Menschen aus dem Hunter Valley kontaktiert worden sei. Die Region nördlich von Sydney litt unter der massiven Umweltzerstörung durch den Kohlebergbau. Der Schmerz dieser Menschen über den Verlust ihrer Heimatlandschaft hat Albrecht dazu gebracht, nach einem passenden Begriff für dieses Gefühl zu suchen.

Als Universitätsprofessor liess sich Albrecht auf seiner Suche nach einem passenden Begriff von bestehenden Konzepten inspirieren. Etwa bei der australischen Denkerin Elyne Mitchell, die bereits 1946 beschrieb, wie die Trennung des Menschen von seiner natürlichen Umgebung zu einem Verlust der «psychischen Stabilität» führt.

Er habe sich auch am Konzept der Nostalgie orientiert, ursprünglich eine medizinisch anerkannte Krankheit, die den Heimwehschmerz bei Menschen beschrieb, die von ihrer Heimat getrennt waren. Doch für Albrecht passte die Beschreibung nicht ganz, denn die Betroffenen lebten ja noch in ihrer Heimat. Sie hatten sie nicht verlassen, sondern sahen, wie sie sich vor ihren Augen veränderte und zerstört wurde.

Die Bedeutung von Solastalgie

Solastalgie setzt sich aus mehreren lateinischen Wörtern zusammen. Solacium steht für Trost, Linderung von Leid. Desolare für Verlassenheit, Einsamkeit. Algia für Schmerz, Leid, Krankheit. Glenn Albrecht schreibt, er habe den Begriff bewusst so konstruiert, dass er strukturell an Nostalgie erinnere. Dadurch schwinge implizit ein Ortsbezug mit.

Wörtlich bedeutet Solastalgie nach Albrecht also: «Der Schmerz oder das Leid, das durch den Verlust von Trost und das Gefühl der Isolation entsteht, die durch den gegenwärtigen Zustand der eigenen Heimat verursacht werden.» Im Unterschied zur Nostalgie entsteht Solastalgie also, während man noch vor Ort ist und zusehen muss, wie die vertraute Umgebung sich negativ verändert. Laut Albrecht kann Solastalgie sowohl durch natürliche – Dürre, Feuer, Überschwemmungen – als auch durch vom Menschen verursachte Faktoren – Krieg, Abholzung, Bergbau, Gentrifizierung – ausgelöst werden.

Richtige Winter mit viel Schnee gibt es noch in den Bergen, nicht aber im Flachland. Foto: PD

Besonders interessant am Begriff Solastalgie: Er macht darauf aufmerksam, dass Stadt- und Landbevölkerung dasselbe Gefühl ereilen kann – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die Landbevölkerung erlebt die Veränderung der Natur hautnah, die Stadtbevölkerung den Wandel ihrer Quartiere. Doch den Schmerz, den die negative Veränderung hervorruft, die Solastalgie, die teilen sie.

Gerade indigene Völker seien in besonderem Masse betroffen, so Albrecht, da sie historisch gesehen sowohl Nostalgie als auch Solastalgie erlebten. Nostalgie, weil ihre kulturellen Traditionen zerstört und sie von ihrer Heimat vertrieben worden seien. Und Solastalgie, weil die Zerstörung ihres Landes weiterhin andauere.

Welches Gefühl überkommt Sie, wenn Sie im Winter in den Bergen von braunen Grasflecken umgeben sind, wo früher meterhoch Schnee lag? Wie fühlt es sich für Sie an, im Frühling einen Zitronenfalter auf einer Blume zu entdecken, nur um sich daran zu erinnern, dass in Ihrer Kindheit viel mehr Schmetterlinge auf den Wiesen zu sehen waren? Wie nennen Sie dieses beklemmende Gefühl, wenn Sie in den Himmel blicken und sich fragen, wann es zuletzt geregnet hat? Und was macht es mit Ihnen, wenn das Quartierlädeli durch ein hippes Café ersetzt wird?

Vielleicht fühlen Sie Trauer oder Angst. Vielleicht auch so etwas wie Nostalgie oder Melancholie. Dass die Umwelt das psychische Wohlbefinden beeinflusst, ist wissenschaftlich belegt. Die Umweltpsychologie beschäftigt sich mit genau diesen Zusammenhängen. Seit gut zwanzig Jahren existiert jedoch ein präziserer Begriff für das Gefühl, das obige Situationen in einem Menschen auslösen können: Solastalgie.

Auf den Wiesen sind immer weniger Schmetterlinge zu sehen, die Vielfalt der Fauna schwindet. Foto: PD

Solastalgie beschreibt den Schmerz oder die Belastung, die durch die Zerstörung oder die negative Veränderung der eigenen Heimatumgebung entsteht. Also das Gefühl, das einen überkommt, wenn sich die Umwelt vor den eigenen Augen zum Schlechteren verändert.

Die Entstehung des Begriffs Solastalgie

Glenn Albrecht, ein australischer Naturphilosoph, prägte den Begriff Solastalgie. Albrecht berichtet in seinem 2005 erschienenen Artikel «Solastalgia: a new concept in human health and identity», dass er während seiner Arbeit an der Universität Newcastle regelmässig von Menschen aus dem Hunter Valley kontaktiert worden sei. Die Region nördlich von Sydney litt unter der massiven Umweltzerstörung durch den Kohlebergbau. Der Schmerz dieser Menschen über den Verlust ihrer Heimatlandschaft hat Albrecht dazu gebracht, nach einem passenden Begriff für dieses Gefühl zu suchen.

Als Universitätsprofessor liess sich Albrecht auf seiner Suche nach einem passenden Begriff von bestehenden Konzepten inspirieren. Etwa bei der australischen Denkerin Elyne Mitchell, die bereits 1946 beschrieb, wie die Trennung des Menschen von seiner natürlichen Umgebung zu einem Verlust der «psychischen Stabilität» führt.

Er habe sich auch am Konzept der Nostalgie orientiert, ursprünglich eine medizinisch anerkannte Krankheit, die den Heimwehschmerz bei Menschen beschrieb, die von ihrer Heimat getrennt waren. Doch für Albrecht passte die Beschreibung nicht ganz, denn die Betroffenen lebten ja noch in ihrer Heimat. Sie hatten sie nicht verlassen, sondern sahen, wie sie sich vor ihren Augen veränderte und zerstört wurde.

Die Bedeutung von Solastalgie

Solastalgie setzt sich aus mehreren lateinischen Wörtern zusammen. Solacium steht für Trost, Linderung von Leid. Desolare für Verlassenheit, Einsamkeit. Algia für Schmerz, Leid, Krankheit. Glenn Albrecht schreibt, er habe den Begriff bewusst so konstruiert, dass er strukturell an Nostalgie erinnere. Dadurch schwinge implizit ein Ortsbezug mit.

Wörtlich bedeutet Solastalgie nach Albrecht also: «Der Schmerz oder das Leid, das durch den Verlust von Trost und das Gefühl der Isolation entsteht, die durch den gegenwärtigen Zustand der eigenen Heimat verursacht werden.» Im Unterschied zur Nostalgie entsteht Solastalgie also, während man noch vor Ort ist und zusehen muss, wie die vertraute Umgebung sich negativ verändert. Laut Albrecht kann Solastalgie sowohl durch natürliche – Dürre, Feuer, Überschwemmungen – als auch durch vom Menschen verursachte Faktoren – Krieg, Abholzung, Bergbau, Gentrifizierung – ausgelöst werden.

Richtige Winter mit viel Schnee gibt es noch in den Bergen, nicht aber im Flachland. Foto: PD

Besonders interessant am Begriff Solastalgie: Er macht darauf aufmerksam, dass Stadt- und Landbevölkerung dasselbe Gefühl ereilen kann – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die Landbevölkerung erlebt die Veränderung der Natur hautnah, die Stadtbevölkerung den Wandel ihrer Quartiere. Doch den Schmerz, den die negative Veränderung hervorruft, die Solastalgie, die teilen sie.

Gerade indigene Völker seien in besonderem Masse betroffen, so Albrecht, da sie historisch gesehen sowohl Nostalgie als auch Solastalgie erlebten. Nostalgie, weil ihre kulturellen Traditionen zerstört und sie von ihrer Heimat vertrieben worden seien. Und Solastalgie, weil die Zerstörung ihres Landes weiterhin andauere.

Que ressentez-vous lorsqu’en hiver, vous découvrez des taches d’herbe brune en montagne, là où s’entassaient autrefois des mètres de neige? Quelle émotion vous saisit en apercevant un citron (ndlr: un papillon) sur une fleur au printemps, souvenir d’une époque où les prairies en grouillaient? Comment nommer cette sensation d’oppression qui vous étreint en scrutant le ciel, cherchant à vous rappeler quand il a plu pour la dernière fois? Et que ressentez-vous quand le magasin de quartier cède sa place à un café branché?

Vous ressentez peut-être de la tristesse ou de la peur. Peut-être aussi quelque chose comme de la nostalgie ou de la mélancolie. L’influence de l’environnement sur le bien-être psychique est scientifiquement prouvée. La psychologie environnementale s’intéresse précisément à ces relations. Depuis une vingtaine d’années, un terme plus précis désigne le sentiment que peuvent déclencher de telles situations: la solastalgie.

On voit de moins en moins de papillons dans les prairies, la diversité de la faune s’amenuise. Photo: DR

La solastalgie décrit la douleur ou le stress provoqués par la destruction ou la dégradation de son environnement familier. C’est ce sentiment qui nous envahit lorsque le paysage qui nous entoure se dégrade sous nos yeux.

L’origine du terme solastalgie

Glenn Albrecht, philosophe australien de l’environnement, a inventé le terme de solastalgie. Dans son article «Solastalgia: a new concept in human health and identity», paru en 2005, il raconte avoir été régulièrement contacté par des habitants de la Hunter Valley lorsqu’il travaillait à l’Université de Newcastle. Cette région située au nord de Sydney a été dévastée par l’exploitation du charbon. La souffrance de ces personnes face à la destruction de leur paysage natal l’a poussé à chercher un terme pour décrire ce sentiment.

Pour trouver un terme approprié, Glenn Albrecht s’est inspiré de concepts existants. Dès 1946, la penseuse australienne Elyne Mitchell avait décrit comment la séparation de l’homme de son environnement naturel entraîne une perte de «stabilité psychique».

Il s’est également inspiré du concept de nostalgie, à l’origine une maladie médicalement reconnue qui décrivait la souffrance liée au mal du pays chez les personnes éloignées de leur patrie. Mais pour Glenn Albrecht, cette description ne collait pas tout à fait: les personnes concernées vivaient encore chez elles. Elles n’avaient pas quitté leur pays mais le voyaient se transformer et se détruire sous leurs yeux.

L’importance de la solastalgie

Le terme «solastalgie» est composé de plusieurs racines latines: solacium (consolation, apaisement de la souffrance), desolare (abandon, solitude) et algia (douleur, souffrance, maladie). Glenn Albrecht précise avoir construit ce néologisme de manière à évoquer structurellement la nostalgie, y intégrant ainsi une référence implicite au lieu.

Littéralement, la solastalgie désigne donc, selon le philosophe, «la douleur ou la souffrance causée par la perte de réconfort et le sentiment d’isolement provoqué par l’état actuel de son propre pays». Contrairement à la nostalgie, la solastalgie survient alors que l’on est encore sur place et que l’on voit son environnement familier se transformer négativement. D’après l’Australien, elle peut être provoquée aussi bien par des facteurs naturels – sécheresse, incendies, inondations – que par des facteurs humains – guerre, déforestation, exploitation minière, gentrification.

Les vrais hivers avec beaucoup de neige existent encore en montagne, mais plus en plaine. Photo: DR

Le terme de solastalgie est particulièrement intéressant: il souligne que les populations urbaines et rurales peuvent éprouver le même sentiment, même si les causes diffèrent. En milieu rural, on vit de près les transformations de la nature; en ville, celles des quartiers. Mais la douleur provoquée par ces changements négatifs, cette solastalgie, ils la partagent.

Selon Glenn Albrecht, les peuples autochtones sont particulièrement touchés, car ils vivent historiquement à la fois la nostalgie et la solastalgie. La nostalgie parce que leurs traditions culturelles ont été détruites et qu’ils ont été chassés de leurs terres. La solastalgie parce que la destruction de leur environnement se poursuit.

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Erste Veröffentlichung: 
12.5.2026
  |  Letztes Update: 
13.5.2026
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