Wir sind Zukunft: Ein Festival wie Films for Future richtet sich gezielt an Menschen, die am Klima interessiert sind. Trifft man an den Filmen nur Leute aus dem linksalternativen Kuchen?
Erwin Moser: Nicht mehr. Als wir vor elf Jahren begannen, zogen wir rund 600 Besucherinnen und Besucher vorwiegend aus dem linksalternativen Kreis an. Mittlerweile besuchen über 3000 Leute das Festival – sie decken ein breites politisches Spektrum ab.
Die meisten Filme werden dieses Jahr in Zürich gezeigt. Wieso?
Wir zeigen auch in Wettingen Filme. Zürich steht dieses Jahr im Fokus, weil wir vor allem von der Stadt Zürich und der Zürcher Kantonalbank unterstützt wurden. Damit haben wir eine gewisse Verpflichtung der Stadt gegenüber.
Wie hält man ein so spezifisches Festival interessant?
Wir erkannten früh, dass wir das Festival attraktiv gestalten müssen. Wir decken eine grosse Bandbreite von Themen für möglichst unterschiedliche Interessen ab. Auch zeigen wir mehr Spiel- und Science-Fiction-Filme als früher. Zudem laden wir zu jedem Film interessante Leute ein, um die Themen danach zu diskutieren.
Nach welchen Kriterien werden die Filme gewählt?
Die Jury-Mitglieder bringen Filme, die sie im Laufe des ganzen Jahres gesehen haben, in die 20-köpfige Jury. Daraufhin werden die Filme auf ihre Qualität, thematische Ausrichtung und darauf geprüft, ob sie Lösungsansätze bieten. Die Filme sollen nicht nur dramatisieren.
Geht es bei den Filmen nur ums Klima und den Klimawandel?
Etwa ein Drittel der Filme handelt vom Klima. Beim zweiten Drittel stehen Gesellschaft und Konsum im Fokus und das letzte Drittel dreht sich um die Artenvielfalt. Auch wollen wir kleinen, gut gemachten Produktionen von lokalen Macherinnen und Machern eine Plattform bieten, die sie sonst nicht hätten.
Was sollen die Filme bezwecken?
Nach jedem Film findet eine Diskussion satt, darunter mit spannenden Persönlichkeiten. Nach dem Film «Der Waldmacher» schaltete sich zum Beispiel der Regisseur Volker Schlöndorff online hinzu. Mit den Diskussionen wollen wir erreichen, dass sich die Leute engagieren.
Besucherinnen mit gemeinsamen Interessen werden zusammengebracht.
Die Vernetzung ist uns wichtig. Die Leute sollen kommen und Mitstreitende kennen lernen.
Mitstreitende – das klingt kämpferisch.
Bei uns machen auch Leute mit, die im Klimastreik aktiv sind. Wir stehen zur Klimajugend sowie zu Renovate Switzerland und fördern radikale Lösungen. Aber wir wollen uns auch der Diskussion stellen. So laden wir regelmässig Vertreter des rechten Spektrums ein – zum Beispiel von der FDP, Economiesuisse oder vom Bauernverband. Wir wollen möglichst alle Meinungen reinbringen.
Auf welche Highlights freust du dich?
Wir hatten noch nie so viele Premieren wie dieses Jahr. Ein wunderbarer Film ist «Der Bauer und der Bobo», der vom Stadt-Land-Konflikt handelt. Ich freue mich auf «Holgut», in dem ein Wissenschaftler auf der Suche nach Mammut-Knochen auf Rentier-Jäger trifft und der von auftauenden Frostböden handelt.
Wie viele Filme sind insgesamt zu sehen?
Wir zeigen 42 Filme – kein einziger wird wiederholt. Zudem haben wir ein Rahmenprogramm mit Kunstausstellungen, Musikauftritten und den erwähnten Diskussionsrunden.
