Die Hoffnung schwindet: Eine Mehrheit der Schweizer und Schweizerinnen glaubt offenbar nicht daran, dass Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft den Klimawandel noch abwenden können.
Doch Fachleute betonen, dass es im Kampf gegen den Klimawandel auch Optimismus braucht. Eine in der Fachzeitschrift «Nature» publizierte Studie stellt fest, dass Klimapessimismus so lähmend und schädlich sein kann wie das Klimaleugnen.
Deshalb kommen hier fünf Nachrichten zu Klima und Umwelt aus diesem Jahr, die Hoffnung geben.
1 Brände im brasilianischen Amazonaswald auf Tiefstand
Die Yale School of Environment berichtete im Juli, dass 2025 im brasilianischen Amazonasgebiet so wenig Wald wie seit 41 Jahren nicht mehr abbrannte. Während 2024 noch rekordhohe 15,8 Millionen Hektaren Wald den Flammen zum Opfer fielen, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund ein Fünftel: 3,1 Millionen Hektaren.
Dieser Tiefstand hat verschiedene Ursachen. Das Wetterphänomen La Niña brachte 2025 mehr Regen in die Amazonasregion. Hinzu kommt ein schärferes Vorgehen seitens der Behörden. Ausserdem hat das Rekordjahr 2024 die lokale Bevölkerung aufgeschreckt.
Trotz des Hoffnungsschimmers: Die wissenschaftlichen Analysten von MapBiomas erklären, es wäre verfrüht, die aktuellen Zahlen als Vorboten künftiger Entwicklungen zu deuten. Derzeit braut sich ein sogenannter Super-El-Niño zusammen, der lange Dürreperioden mit sich bringen dürfte. Dadurch steigt die Waldbrandgefahr an.
Der Schutz des Amazonas ist im Kampf gegen den Klimawandel entscheidend, weil der Regenwald besonders viele Treibhausgase bindet.
2 EU: Erstmals mehr Strom durch Wind und Sonne als durch fossile Quellen
Der Thinktank Ember kommt in seinem jährlichen europäischen Energiebericht zum Schluss: 2025 erzeugten Wind und Sonne in der Europäischen Union zum ersten Mal mehr Energie als fossile Energiequellen.
Fast ein Drittel des EU-Stroms stammte aus den erneuerbaren Quellen, während Kohle, Gas und Öl zusammen etwas weniger als 30 Prozent lieferten. Der Wandel ist vor allem auf den massiven Zuwachs an Solarenergie zurückzuführen: Zum vierten Mal legte der Sektor in der Produktion um über 20 Prozent zu.
Ember hat auch den globalen Strommix untersucht. Hier gab es ebenfalls gute Nachrichten: Der Anteil der Erneuerbaren lag bei fast 34 Prozent – und damit zum ersten Mal seit einem Jahrhundert knapp vor der Kohle.
Trotzdem warnte die ETH-Klimaforscherin Sonia Seneviratne kürzlich anlässlich der Präsentation eines neuen Berichts: «Die Kluft zwischen Zielen und Politik ist riesengross.» Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto null sinken.
3 Das Ozonloch schrumpft weiter
Die Weltwetterorganisation WMO nennt es eine Erfolgsgeschichte im Umweltschutz: Das Ozonloch über der Antarktis war 2025 so klein wie selten zuvor. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo sagte: Seit dem Jahr 2000 erhole sich die Ozonschicht, und «wir können davon ausgehen, dass sie sich innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig erholen wird».
Die Ozonschicht schützt Tiere, Pflanzen und Menschen vor den UV-Strahlen der Sonne. Über Jahrzehnte wurde die Schicht durch FCKW-Gase aus Kühlschränken, Klimaanlagen und Sprühdosen geschädigt. 1987 trat ein Abkommen in Kraft, das als Basis für das Ende der Nutzung von FCKW-Gasen gilt.
Trotz der Erfolgsgeschichte steigt die UV-Strahlung in Teilen Europas weiter an. Das liegt gemäss WMO vor allem daran, dass es dort weniger Wolken gibt und die Zahl der Sonnenstunden steigt.
4 China: CO2-Emissionen könnten Peak erreicht haben
«Carbon Brief», eine Fachpublikation für Klimafragen, berichtete Anfang des Jahres, Chinas CO2-Emissionen seien seit März 2024 konstant oder rückläufig.
2025 sollen sie um rund 0,3 Prozent gefallen sein. Bis auf die Chemieindustrie verzeichneten alle grossen Branchen des Landes weniger Emissionen als im Vorjahr. Gleichzeitig nahm die Stromproduktion aus Solarenergie um über 40 Prozent zu. Dieser Trend hält auch in diesem Jahr an.
Analysten hoffen daher, dass China den Höchststand seiner CO2-Emissionen überschritten hat. Eigentlich wollte das Land diesen Meilenstein erst bis 2030 erreichen. Es wäre seinen eigenen Zielen also einen Schritt voraus.
China verantwortet allerdings weiterhin rund ein Drittel der globalen CO2-Emissionen. Das macht das Land zum grössten Emittenten der Welt. Seine Pro-Kopf-Emissionen liegen jedoch nur leicht über dem weltweiten Durchschnitt.
5 Erstes Hochseeabkommen zum Schutz der Meere tritt in Kraft
Anfang 2026 trat das erste Hochseeabkommen in Kraft. Es ist der erste verbindliche globale Rechtsrahmen für den Schutz der Meeresgebiete ausserhalb der Hoheitsgewässer einzelner Länder.
Umweltschützer sprachen von einem «monumentalen Erfolg»: 30 Prozent der weltweiten Ozeane sollen bis 2030 geschützt werden, damit sich das Leben in den Weltmeeren erholen kann. Aktuell ist gerade einmal ein Prozent der Meere geschützt. Pflanzen und Tiere leiden wegen der Überfischung und der sich erhitzenden Gewässer: Gemäss der internationalen Union für Naturschutz (IUCN) sind fast 10 Prozent aller Meeresarten vom Aussterben bedroht.
Inzwischen haben 94 Länder das Abkommen ratifiziert. Darunter sind auch China und Japan, zwei der wichtigsten Fischereiländer.