Weniger fliegen, öfter das Velo nehmen oder das Wasser beim Zähneputzen abstellen, gehören längst zum bekannten Repertoire der nachhaltigen Vorsätze. Wirksamer Klimaschutz beginnt jedoch nicht nur beim sichtbaren Konsum. Fünf unterschätzte Hebel zeigen, wie sich das neue Jahr konkret nachhaltiger gestalten lässt.
Elektronik zurückgeben
Rund zehn Millionen ausrangierte Smartphones verstauben laut dem Branchenverband Swico in Schweizer Haushalten. Dabei stecken in den Geräten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer, deren Abbau die Umwelt stark belastet.
Bisher werden nur etwa 18 Prozent der verkauften Handys wiederverwertet. Dabei ist die Rückgabe unkompliziert: Fachgeschäfte nehmen alte Geräte kostenlos entgegen, weil die vorgezogene Recyclinggebühr die Entsorgung bereits abdeckt. Funktionstüchtige Handys oder Laptops lassen sich bei Initiativen wie Swisscom Mobile Aid abgeben, die den Erlös an gemeinnützige Organisationen wie SOS-Kinderdorf spenden. Ein idealer Anlass, die eigenen Altgeräte im Januar auszusortieren und wertvolle Rohstoffe wieder in den Kreislauf zu führen.
Reparieren statt Neukaufen
Ob die Kaffeemaschine mit Wackelkontakt, die aufplatzende Naht am Lieblingsmantel oder der wackelige Holzstuhl: Defekte Alltagsgegenstände landen oft im Abfall. Dabei entsteht der grösste ökologische Fussabdruck bei der energie- und rohstoffintensiv Herstellung. Die Lebensdauer durch Reparaturen zu verlängern, gehört somit zu den wirksamsten Hebeln, um Ressourcen zu schonen und Abfall zu vermeiden.
In der Schweiz gibt es dafür ein dichtes Netz an Anlaufstellen: In Repair Cafés reparieren Freiwillige gemeinsam mit den Besitzerinnen und Besitzern Elektrogeräte, Spielzeug oder Textilien kostenlos oder gegen eine Spende. Für Schuhe, Kleidung oder Möbel lohnt sich der Gang zu lokalen Schuhmachern, Schneiderinnen und Handwerksbetrieben im Quartier. Ein kurzer Check regionaler Reparaturangebote rettet Lieblingsteile vor dem vorzeitigen Aus und schont gleichzeitig die Umwelt.
Digital aufräumen
Ungelesene E-Mails, veraltete Dokumente und Tausende Fotos belegen dauerhaft Speicherplatz auf den Servern von E-Mail-Anbietern, Cloud-Diensten oder Webseiten. Da diese Server rund um die Uhr Strom für den Betrieb und die Kühlung verbrauchen, erzeugt auch die Aufbewahrung nicht mehr benötigter Daten fortlaufend CO₂-Emissionen.
Wer digital aufräumt, reduziert diesen unsichtbaren Energiebedarf deutlich: Ungelesene Nachrichten und alte Mails löschen, nicht mehr benötigte Newsletter abbestellen und das Fotoarchiv auf dem Handy nach Dopplungen aussortieren. Ein regelmässiger Blick in die eigenen Speicher sorgt zudem dafür, dass sich unnötige Daten gar nicht erst ansammeln.
Geld grün anlegen
Das eigene Ersparte auf der Bank, in der Säule 3a oder bei der Pensionskasse liegt nicht ungenutzt auf dem Konto, sondern wird am Finanzmarkt investiert. Traditionelle Anlagestrategien berücksichtigen ökologische Kriterien oft nur nachrangig. Dadurch fliessen Ersparnisse unbewusst auch in Branchen mit hohem CO₂-Ausstoss.
Mit der gezielten Wahl des Anbieters lässt sich das Kapital lenken. Transparente Schweizer Anbieter wie die Alternative Bank Schweiz sowie spezifische grüne Vorsorgeangebote bei der Säule 3a bieten Anlagemöglichkeiten, die fossile Branchen ausschliessen. Ein Blick auf die Kriterien der eigenen Hausbank oder der Wechsel des Vorsorgeprodukts setzt ein Signal und verschiebt Kapitalströme.
Nutzen statt Besitzen
Der grösste Teil der Umweltbelastung vieler Gebrauchsgegenstände entsteht lange bevor sie im Regal stehen. Die Produktion von Werkzeugen, Spezialgeräten oder Reiseausrüstung erfordert viele Rohstoffe und graue Energie, obwohl sie danach die meiste Zeit ungenutzt im Keller liegen. Ein Wechsel vom Besitzen zum Leihen reduziert diesen Ressourcenbedarf deutlich.
In der Schweiz steht eine ausgereifte Infrastruktur bereit. Von lokalen Netzwerken wie Pumpipumpe für Werkzeuge aus der Nachbarschaft über Plattformen wie Sharely bis hin zu geteilter Mobilität durch Mobility oder PubliBike. Wer vor einer Neuanschaffung oder dem Autokauf prüft, welche Ressourcen in der eigenen Umgebung bereits geteilt werden, nutzt bestehende Kapazitäten effizient und senkt den eigenen ökologischen Fussabdruck langfristig.
Bereits mit wenigen bewussten Schritten lässt sich das neue Jahr klimafreundlicher gestalten.