Die Freude war gross, als die SBB eine neue Nachtzugverbindung von Basel nach Malmö ankündigten: Ab April 2026 hätte der Euronight Aurora dreimal wöchentlich via Hamburg und Kopenhagen in die drittgrösste Stadt Schwedens fahren sollen. Hätte, denn National- und Ständerat strichen im Dezember 2025 die dafür vorgesehenen 10 Millionen Franken Fördergelder aus dem Budget. Bereits ab dem 4. November 2025 waren Tickets verkauft worden, bevor feststand, ob der Zug je losrollen würde.
Für Befürworterinnen und Befürworter von Nachtzügen als Beitrag zum Klimaschutz bedeutet diese Streichung einen Rückschlag. Die SBB hielten in einem Beitrag zum parlamentarischen Entscheid auf ihrer Website fest: «Nachtzüge sind bei Kundinnen und Kunden beliebt. Sie sind jedoch aufgrund hoher Kosten durch Rollmaterial, Trassengebühren und Personal nicht rentabel. Eine finanzielle Unterstützung durch den Bund wäre für den Betrieb der neuen Verbindung daher zwingend notwendig gewesen.» Der Nachtzug Aurora wird folglich nie in die Morgendämmerung fahren.
Nachfrage nach internationalen Bahnreisen steigt
Dass Nachtzüge gefragt sind, bestätigt Sabrina Schellenberg, Mediensprecherin der SBB: «Die Nachfrage nach internationalen Bahnreisen ist hoch und nimmt weiter zu. Das gilt auch für den Nachtzugverkehr: In den vergangenen Jahren reisten jeweils rund 600’000 Personen pro Jahr mit dem Nachtzug in die Schweiz oder von der Schweiz ins Ausland.» Nachtzüge seien eine attraktive und klimafreundliche Ergänzung zu den internationalen Tagesverbindungen – leider aber nicht rentabel.
Die Schweiz will bis 2050 netto null Treibhausgase ausstossen. Wer mit dem Nachtzug statt mit dem Flugzeug reist, leistet dazu einen Beitrag; politisch gefördert werden Nachtzüge aber vorerst nicht. Die SBB setzen deshalb auf bereits bestehende Angebote. «Bei der Weiterentwicklung des Angebots konzentrieren sich die SBB derzeit auf die Qualität der bestehenden Nachtverbindungen. Seit Dezember 2025 wird der Nightjet der neuen Generation zwischen Zürich und Hamburg eingesetzt, seit Juni 2026 auch zwischen Zürich und Wien und ab Dezember 2026 zwischen Zürich und Amsterdam», erklärt Schellenberg die aktuelle Ausrichtung des Unternehmens. «Was weitere Destinationen angeht, liegt die Priorität auf neuen Tagesverbindungen.»
Für 217 Franken zu zweit von Zürich nach Hamburg
Das Rollmaterial der Nightjet-Züge stammt durchgehend von den ÖBB, mit denen die SBB die Verbindungen gemeinsam betreiben. Auf der Website von Nightjet ist der Vorverkauf für 2027 bereits gestartet, rund sechs Wochen früher als bisher, und Reisen lassen sich neu bis zu 360 Tage im Voraus buchen. Die Tickets können auch bei den SBB in der App, online oder in einem Reisezentrum gekauft werden. So kostet beispielsweise ein «Sparschiene Non-Flex»-Ticket von Zürich nach Hamburg am 11. März 2027 im Abteil «Comfort» mit WC, Frühstück und Weckservice für zwei Personen 217 Franken. In der Mini Cabin kostet das «Sparschiene Non-Flex»-Ticket für denselben Tag 57 Franken pro Person. Die Preise sind dynamisch und variieren in Abhängigkeit von den Erstattungskonditionen sowie der Auslastung des Zuges in der entsprechenden Komfortkategorie. Früh buchen und unter der Woche reisen zahlt sich also aus.
Mit dem European Sleeper ist ein neuer Anbieter auf dem Markt, der besonders günstige Nachtzugreisen anbietet und beispielsweise in 13 Stunden von Aarau nach Brüssel fährt.
Wie stark das Nachtzugangebot künftig wächst, steht in den Sternen: Nachdem das Parlament die beantragten Fördermittel im Dezember 2025 definitiv nicht freigegeben hat, sind den SBB vorerst die Hände gebunden. «Ein wirtschaftlich tragbarer Betrieb der geplanten Linie ohne Fördermassnahmen ist nicht möglich», schreiben sie zum ehemals geplanten Malmö-Nachtzug. Betroffene Reisende erhielten den Billettpreis übrigens von den SBB zurückerstattet.