Frau Stucki, wie viel Fleisch essen wir in der Schweiz?
Zurzeit liegt der jährliche Konsum bei rund 50 Kilogramm pro Person und Jahr. Jährlich werden hierzulande über 80 Millionen Tiere geschlachtet, das sind zehnmal mehr, als Menschen in der Schweiz leben. Weltweit hat sich der Fleischkonsum seit den 1960er-Jahren verdoppelt. Dies hängt einerseits mit der Zunahme der Weltbevölkerung und andererseits mit dem steigenden Wohlstand zusammen. Es wird prognostiziert, dass mit steigenden Einkommen in Schwellenländern wie Indien oder China der globale Fleischkonsum bis 2050 nochmals um 80 Prozent zunehmen wird. In der Schweiz lag der Pro-Kopf-Fleischkonsum in den 1980er- und 1990er-Jahren bei rund 60 Kilogramm pro Jahr und ist seit einigen Jahren stabil, obwohl es immer mehr Vegetarier und Flexitarier gibt.
Ist dieser Konsum nachhaltig?
Neben den Auswirkungen auf die Gesundheit und das Tierwohl ist die Fleischproduktion einer der Haupttreiber des Klimawandels: Schätzungsweise 18 bis 20 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen stammen aus der Tierhaltung. Auch die Biodiversitätskrise hängt mit dem Fleischkonsum zusammen. Soja, für das in Südamerika Regenwald gerodet wird, wird vor allem in der Nutztierhaltung eingesetzt. Diese Zusammenhänge sind wissenschaftlich eindeutig belegt. Auch der Weltklimarat, die Weltbank oder die OECD haben erkannt, dass der Umweltschutz ebenfalls am Ernährungssystem ansetzen muss.
Wie viel Fleisch dürften wir essen, um die Umwelt nicht übermässig zu belasten?
Die Landwirtschaft, insbesondere die Tierlandwirtschaft, wird nie emissionsfrei sein. Die Planetary Health Diet, die auf umfassenden wissenschaftlichen Evidenzen basiert, bietet aber einen Referenzwert für einen umweltverträglichen Fleischkonsum: maximal 300 Gramm pro Woche. Sprich knapp 16 Kilogramm pro Jahr. Oder mehr als dreimal weniger, als heute in der Schweiz gegessen wird. Auch die neuen Ernährungsempfehlungen des Bundes sprechen von maximal zwei- bis dreimal wöchentlich Fleisch.
