Frau Hu, in unserer Serie beschäftigen wir uns mit der Zukunft der Mobilität. Wie sieht diese für einen traditionellen Autohersteller wie Volvo aus?
Helen Hu: Für uns von Volvo sieht die Zukunft der Mobilität gleich aus wie jene unserer Marke: nachhaltig, sicher und elektrisch. Dies setzen wir bereits heute um, immerhin verfolgen wir eine der ambitioniertesten Nachhaltigkeitsstrategien unserer Branche. Ab 2030 bieten wir nur noch vollelektrische Fahrzeuge an. Und wir gehen davon aus, dass wir diesen Wandel in den kommenden Jahren auch sonst in der Branche sehen werden. Bestimmt werden die Menschen künftig mehr Mobilitätslösungen haben, wobei Autos wichtig bleiben – und noch verbundener sein werden mit beispielsweise dem Zuhause oder dem Arbeitsort. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir künftig unsere Elektroautos so einfach und selbstverständlich aufladen können wie heutzutage unser Mobiltelefon.
Ist Elektro das Nonplusultra?
Nun, die UN haben es klar gemacht, dass eine emissionsfreie Mobilität der Schlüssel dazu ist, dass die Welt das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreicht. In diesem Sinne sind wir zweifellos der Meinung, dass Elektrofahrzeuge die Zukunft darstellen – die bestenfalls bereits in der Gegenwart präsent ist: Elektrofahrzeuge fahren emissionsfrei und lassen sich gut in eine erneuerbare Energieinfrastruktur integrieren. Die Transformation zum reinen Elektroautomobilhersteller ist sowohl für die Nachhaltigkeit unseres Unternehmens als auch für unseren zukünftigen Erfolg entscheidend. Für uns reicht das aber nicht: Wir müssen jegliche Emissionen in unserer Wertschöpfungskette eliminieren. Volvo Cars wird bis 2040 als Unternehmen klimaneutral.
Wie nachhaltig sind Batterien aus Sicht von Volvo?
Einerseits kommt es hierbei auf die Entwicklung an, andererseits auf die Nutzung: Gemeinsam mit Northvolt haben wir in unserer Heimatstadt Göteborg ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für eine nachhaltige Batterieproduktion eröffnet. Das ist ein wichtiger Schritt, um den ökologischen Fussabdruck künftiger Elektrofahrzeuge zu verkleinern. Nichtsdestotrotz müssen wir uns aber auch fragen, wie wir Batterien nachhaltig und langfristig verwenden können. Hier setzen wir wie mit vielen anderen verwendeten Materialien auf die Idee der Kreislaufwirtschaft: In Fahrzeugen verwendete Batterien stellen wir am Ende des Lebenszyklus als solarbetriebene Energiespeicher zur Verfügung. Bei einem Wasserkraftwerk in Schweden erbringen sie zudem sogenannte «Fast Balancing»-Dienste für das Stromsystem. Und dann gibt es noch den dritten Punkt: die Gewinnung der Ressourcen. Volvo war der erste Automobilhersteller, bei dem Kobalt, Lithium und Nickel mittels Blockchain-Technologie über die gesamte Lieferkette hinweg nachverfolgt werden können. Das heisst: Wir wissen bei all unseren Batterien, aus welcher Mine die Rohstoffe stammen.
Mit welchen anderen Antriebsformen experimentiert Volvo? Ist Wasserstoff noch ein Thema?
Wir konzentrieren uns auf die Elektrifizierung. Wir möchten die besten, nachhaltigsten und sichersten vollelektrischen Volvo Fahrzeuge produzieren.
Wieso hat Volvo mit Polestar eine neue Marke geschaffen und nicht die Flotte konsequent umgerüstet?
Polestar hat einen eigenen Charakter und Ansatz für Elektrofahrzeuge entwickelt, der sich von jenem von Volvo unterscheidet. Dies ermöglicht uns als gesamtheitlicher Konzern, verschiedene Kundengruppen anzusprechen und die Vielfalt in unserem Gesamtportfolio zu erweitern.
Was tut Volvo, um die Herstellung der Fahrzeuge nachhaltiger zu gestalten?
Wie eingangs erwähnt müssen wir jeden Prozess in unserer Herstellungs- und Wertschöpfungskette hinterfragen, um noch nachhaltiger zu werden, sprich: um die Emissionen noch weiter zu reduzieren. Das tun wir. Beim Volvo EX30 ist uns das schon ganz gut gelungen, das ist unser neuster und bisher kleinster SUV: Er hat mit weniger als 30 Tonnen den bisher kleinsten CO2-Fussabdruck in unserer Flotte. Zum Vergleich: Das sind 25 Prozent weniger als bei den anderen vollelektrischen Modellen XC40 und C40 Recharge. Wie haben wir das gemacht? Der EX30 stammt beispielsweise aus einem Werk, das vollständig mit klimaneutraler Energie betrieben wird. Er ist ausserdem so konzipiert, dass er am Ende seines Lebenszyklus zu 95 Prozent wiederverwertet werden kann: sei dies, dass die Materialien recycelt werden oder, dass die Energie aus jenen Teilen zurückgewonnen wird, die eben nicht wiederverwertet werden können.
Ich habe – neben dem recycelten Plastik in den Fahrzeugen – von einer Studie mit Pirelli gelesen. Es geht um Reifen, die aus nachwachsendem Material bestehen. Wie weit ist man da?
Die Entwicklung von Reifen aus nachwachsenden Materialien ist ein vielversprechender Ansatz zur Reduzierung der Klimaauswirkungen im Bereich der Mobilität. Volvo arbeitet eng mit Partnern wie Pirelli zusammen, um innovative Reifenlösungen zu erforschen und zu entwickeln.
Ganz praktisch, ganz aktuell: Ich will mich möglichst nachhaltig fortbewegen, bin aber aufs Auto angewiesen und habe ein durchschnittliches Schweizer Budget. Was tun?
Mit dem Volvo EX30 haben wir unseren bisher kleinsten vollelektrischen SUV lanciert, der sich unserer Meinung nach bestens als Einstiegsmodell in die Elektromobilität eignet. Mit einer Reichweite von bis zu 480 Kilometern nach WLTP und seinen hohen Sicherheitsstandards bringt der EX30 alles mit, was es für einen moderne, urbane und nachhaltige Mobilitätslösung braucht.
