Beim Eintreten ist sie das Erste, das man erblickt: die Erde. Es mag etwas sentimental klingen, aber es macht etwas mit einem, wenn der eigene Planet in dieser Grösse vor einem schwebt. Noch sentimentaler wird es, wenn dieser Planet von Fragen wie diesen umringt wird: Was möchtest du nicht aufgeben? Was soll eine Zeitkapsel für das Jahr 2125 enthalten? Wer bezahlt den Preis?
Die Sentimentalität macht jedoch rasch dem Staunen Platz, denn im ersten Raum der Ausstellung «Mensch, Erde! – Das Klima im Wandel» tut sich eine eindrückliche prähistorische Dinosaurierwelt auf. Aber das ist nicht der einzige Grund, die Ausstellung zu besuchen.
1. Beteiligung an Entscheidungen
Bei «Mensch, Erde!» handelt es sich um eine Dauerausstellung, die für lange Zeit im Naturhistorischen Museum Bern beheimatet sein wird. Ein Projekt, das die Ausstellung ins echte Leben tragen soll, ist das Partizipationsprojekt «Wege aus der Klimakrise». Beim Besuch im Museum können die Besuchenden mit Holzkugeln abstimmen, welcher Themenschwerpunkt im kommenden Jahr gelegt werden soll. Ist der Schwerpunkt gesetzt, werden passende Projekte gesucht, die sich diesem Thema annehmen. Nach einem weiteren Abstimmungsprozess wird das vielversprechendste Projekt prämiert und schliesslich Teil der Dauerausstellung.
2. Kinder- und erwachsenenfreundlich
Beim Besuch waren einige Kinder unterwegs, die sich vor allem an den interaktiven Elementen erfreut haben. Aber auch für Erwachsene ist die Ausstellung von Interesse: Die Informationen sind verständlich aufbereitet und regen zum Nachdenken an.
3. Tolle Grafiken
Auch das Visuelle soll erwähnt werden. Die einzelnen Räume erzählen alle ihrerseits einen Teil der Geschichte nach und sind sehr ansprechend gestaltet. Es sind eigene kleine Welten zum Eintauchen und Lernen.
4. Lösungsorientiert
Die Ausstellung lässt keinen Zweifel an der Tatsache, dass der Klimawandel, wie er heute auf der Erde passiert, menschengemacht ist. Sie erläutert zudem auf niederschwellige (jedoch nicht simplifizierte) Weise die Zusammenhänge, die dazu geführt haben und noch immer führen. Doch dabei wird es nicht belassen. In verschiedenen Räumen und Installationen werden auch Lösungen aufgezeigt. So können die Besuchenden beispielsweise selbst erfahren, wie kraftvoll Windkraft sein kann.
5. Stimmen aus der Bevölkerung
Im Zentrum der Ausstellung blicken ein Dutzend Menschen aus Monitoren den Betrachtenden direkt entgegen. Mittels eingebauten Hörern kann man ihren Geschichten lauschen. Sie erzählen, wie sie den Klimawandel persönlich erleben. Die Pflegefachfrau etwa berichtet davon, dass sie manchmal Angst verspürt. Diese Menschen sind Teil der sogenannten Echogruppe: Eine Gruppe von Menschen, die einmal jährlich aufs Neue befragt werden. Da die neue Klima-Ausstellung als Dauerausstellung konzipiert ist, werden die Stimmen im Laufe der kommenden Jahre ein eindrückliches Zeitdokument schaffen. Eine Kritik sei hier erlaubt: Die Echogruppe hätte diverser zusammengestellt sein können, für mehr Vielfalt in den Perspektiven zum Klimawandel in der Schweiz und darüber hinaus. Dennoch ist dieses Element ein tolles Beispiel dafür, wie Privatpersonen in Ausstellungen einbezogen werden können. Und deren Stimmen ermöglichen es einem, über die eigenen Auffassungen nachzudenken.
