Wer dieser Tage die Website der Stadt Barcelona besucht, sieht oben einen gelben Balken mit einer Warnung: «Protokoll aktiviert: Alarmstufe während des Tages wegen starker Hitze und Notfallstufe wegen extrem heisser Nächte.»
Durch die Klimakrise leiden gerade Städte extremer unter der Hitze – und das kann gefährlich werden. Insbesondere für vulnerable Personengruppen, wie ältere und kranke Menschen, Kleinkinder und Schwangere.
Barcelona reagiert nun mit mehreren Massnahmen gegen die extreme Hitze. Eine davon ist ein Netzwerk von sogenannten «Climate Shelters» – also Klimaschutzräumen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Die Stadt baut das Netzwerk seit 2020 kontinuierlich aus.
Was sind «Climate Shelters»?
Das sind über 400 öffentliche Orte, die bereits vorher existierten, an denen sich Menschen im Sommer abkühlen und im Winter aufwärmen können. Das sich verändernde Klima sorgt für mehr Extremwetter, weshalb es heissere Sommer gibt und teilweise auch ungewöhnlich kalte Wintertage. Die Orte behalten ihre ursprüngliche Funktion bei: Manche sind Innenräume wie Bibliotheken, andere befinden sich im Freien, wie Parks oder Innenhöfe.
Können auch Touristen diese Orte aufsuchen?
Die Shelters sind für alle offen.
Wo sind die Shelters?
Seit 2025 lebt jede Person in Barcelona höchstens zehn Minuten vom nächsten Klimaschutzraum entfernt. In den nächsten Jahren soll das Netzwerk ausgeweitet werden, sodass die Entfernung nur noch bei fünf Minuten liegt. Über 90 Prozent der Shelters sind auch am Wochenende und über die Sommerferien geöffnet.
Was macht die «Climate Shelters» in Barcelona aus?
Alle sind kostenlos zugänglich, ausser den städtischen Schwimmbädern, die feste Tarife haben und subventioniert sind. Sie sind zudem gut zugänglich und verfügen meist über Stühle oder Bänke zum Sitzen sowie kostenloses Trinkwasser. Manche Orte bieten Aktivitäten an, um den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Die Shelters sind zudem deutlich gekennzeichnet.
Wie ist das Klima in den Shelters?
In Innenräumen ist die Empfehlung, die Klimaanlage im Sommer auf 26 und im Winter auf 21 Grad Celsius einzustellen.
Weshalb braucht es «Climate Shelters»?
Barcelona erlebte im Juli 2024 den heissesten Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, Temperaturen über 40 Grad Celsius sind keine Ausnahme mehr. Extremtemperaturen sind in Europa meist ein grösseres Problem als beispielsweise in den USA, wo auch in privaten Räumen viele Klimaanlagen im Einsatz sind. Hinzu kommt: Städte heizen sich sehr viel stärker auf als ländliche Gegenden, was zu sehr hohen Temperaturen führen kann, die über Nacht kaum abkühlen.
Warum ist Hitze nicht gut für die Gesundheit?
Hitze kann den Körper in einen Stresszustand versetzen. Das kann gefährlich werden: Auch der Bundesrat warnt vor gesundheitlichen Risiken bei extremer Hitze: «Hohe Temperaturen gefährden die Gesundheit insbesondere von älteren Menschen, Pflegebedürftigen, Personen mit chronischen Erkrankungen, Schwangeren, Kleinkindern und Säuglingen. Sie benötigen besonderen Schutz während der heissen Tage. Bei chronisch kranken Personen sind Menschen mit Herzkreislauferkrankungen, Atmungssystemerkrankungen, Diabetes, Demenz oder mit psychischen Erkrankungen speziell gefährdet.»
Sind solche Shelters nicht einfach nur Symptombekämpfung?
Städte müssen sich an das Klima anpassen, um die Bevölkerung vor der Hitze zu schützen. «Climate Shelters» sind oft nur eine von verschiedenen Massnahmen. Barcelona hat in den letzten Jahren den Verkehr in der Innenstadt massiv reduziert und setzt auf erneuerbare Energien, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren im Kampf gegen den Klimawandel.
Gibt es noch andere Städte mit «Climate Shelters»?
Andere spanische Städte kennen das Konzept auch und es gibt Berichte darüber, dass auch in Portugal über ein Shelter-Netzwerk nachgedacht wird.
