Der Mensch hat einen enormen Einfluss auf die Umwelt. 90 Prozent des Klimawandels sind nach wissenschaftlichem Konsens auf menschliches Handeln zurückzuführen. Bis 2050 könnte mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen. Das Artensterben verläuft mindestens 100-mal schneller als die natürliche Rate.
Es ist klar: Wir müssen unser Handeln ändern. Deshalb halten die Vereinten Nationen fest, dass «bis 2030 alle Lernenden die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben sollten, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern». Dieses Ziel wird auch in der Schweiz angestrebt: Nachhaltige Entwicklung ist Teil des Lehrplans 21, und private Initiativen wie Eco-Schools helfen den Schulen, diese Ziele zu erreichen.
«Wir begleiten Schulgemeinschaften dabei, nachhaltige Entwicklungsprojekte umzusetzen – als ganze Schule», erklärt Annabelle Jaggi, 35, die Programmleiterin von Eco-Schools für die Deutschschweiz.
Über 34'000 Schüler bei Eco-Schools
Das Programm Eco-Schools ist nicht neu. «Es besteht schon seit über 30 Jahren», sagt Jaggi. Doch erst 2015 wurde es von der gemeinnützigen Bildungsorganisation J'aime ma Planète in die Schweiz gebracht. Zuerst nach Genf. Seit 2019 gibt es das Projekt auch in der Deutschschweiz.
Seit der Lancierung 2015 haben so über 37'000 Schülerinnen und Schüler von 113 Schulen an Projekten des Programms teilgenommen. 75 Schulen haben die Auszeichnung «Eco-School» erhalten. Für öffentliche Schulen ist die Teilnahme am Programm kostenlos. Für private Schulen kostet sie 675 bis 3400 Franken.
Die Schulen können zwischen sechs verschiedenen Projektthemen wählen: nachhaltige Ernährung, Biodiversität, Abfall, Citizenship, Wasser und Energie. «Die Schülerinnen und Schüler sollen ein Verständnis für diese Themen in ihren verschiedenen Dimensionen entwickeln und handlungsfähiger werden», sagt Jaggi. «Das fängt beim Experimentieren mit einfachen Themen an.» Ein Projekt dauert in der Regel ein bis zwei Jahre und wird von der Schule in Begleitung von J'aime ma Planète entwickelt.
Experimentieren mit Biodiversität
Wie sieht ein solches Projekt am Beispiel der Biodiversität aus? «Die Schulgemeinschaft versucht, das Thema in das ganze Schulleben zu integrieren», erklärt Jaggi: in den Unterricht, in den Schulbetrieb, aber auch in das Zusammenleben. Im Zentrum stehen die Schülerinnen und Schüler. Konkret heisst das für sie, dass sie nicht nur im Unterricht mehr über Biodiversität erfahren, sondern zum Beispiel auch selbst überprüfen, wie es um die Biodiversität auf dem Schulareal steht.
«Sie sollen die nachhaltige Entwicklung im Kleinen erproben», sagt Jaggi. Erkennen die Schülerinnen und Schüler, wo an ihrer Schule Nachholbedarf besteht, werden sie aktiv. Fehlt es an Biodiversität, können zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Gemeinde oder einer lokalen Gärtnerei Magerwiesen angelegt, Dächer begrünt oder Trockenmauern gebaut werden. Bei der Ernährung stehen oft die Mensa und die Lebensmittelabfälle im Mittelpunkt, beim Abfall die Mülltrennung und der Materialverbrauch.
Es sei wichtig, die Themen altersgerecht zu wählen, so Jaggi. Abstraktere Themen wie Emissionen, die auch eine starke gesellschaftspolitische Komponente haben, seien eher für die Oberstufe geeignet.
Als «Eco-School» ausgezeichnet
38 öffentliche und 75 private Schulen nehmen derzeit am Programm teil. Sie haben die Möglichkeit, sich nach Abschluss des Projektes als «Eco-School» auszeichnen zu lassen. Dazu prüft eine Jury aus Nachhaltigkeits- und Bildungsexperten das Projektprotokoll und besucht die Schule gegebenenfalls persönlich. «Das ist keine klassische Umweltzertifizierung», sagt Jaggi.
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Eine Schule muss mindestens ein bis zwei Jahre mit der ganzen Schulgemeinschaft am Eco-Schools-Projekt gearbeitet und es in das Schulleben integriert haben. Ist die Jury zufrieden, darf sich die Schule «Eco-School» nennen. Diese Auszeichnung gilt für zwei Jahre: «Mit einem Projekt ist das Thema nicht abgeschlossen», erklärt Jaggi. «Die Schulen führen ihren Weg Richtung mehr Nachhaltigkeit fort.»
Interessierte Lehrer, Schüler oder Eltern wenden sich an das Programm Eco-Schools.
