1. Detour Destinations: Reaktion auf Overtourism
Barcelona, Venedig, Mallorca: Massentourismus hat nicht nur negative Auswirkungen auf das Leben der Menschen vor Ort, sondern auch auf die Natur. Abgesehen davon: Wer ist schon gern in Touristenmassen unterwegs? Sogenannte Detour Destinations sind eine willkommene Alternative: ähnlicher Vibe, aber nicht überlaufen. Beispiele dafür sind: Reims statt Paris, Brescia statt Mailand, Norfolk statt Cornwall oder Montserrat statt Barcelona.
2. Calmcations: Die Elektronik bleibt zu Hause
Begriffe wie «quiet escapes» oder «tech-free travel» erleben einen Aufschwung in der Reisebranche. Für diese Menschen stehen Entspannung und Ruhe ganz oben auf der Liste, wenn es um Ferien geht. Der Stressfreiheit wird zudem durch das Zurücklassen von Handy und Laptop zugespielt. Ist dies der Anfang vom Ende der instagramtauglichen Feriendestinationen? Wer weiss. Sicher ist: Lärm und Stress können das seelische und gesundheitliche Wohlbefinden beeinträchtigen. Calmcations auch, aber auf die gute Art.
3. Länger verreisen: Wenn schon, denn schon
BBC widmet diesem Trend einen ganzen Artikel und prognostiziert: «Der grösste Reisetrend 2025? Länger verreisen». Die Möglichkeit, Arbeit und Freizeit zu verbinden, führt dazu, dass viele Menschen ihre Reisen verlängern und tendenziell weniger Orte aufsuchen, jedoch länger bleiben. Aus Nachhaltigkeitssicht ist dies wünschenswert und entspricht dem Prinzip von Slow Travelling, also langsamerem Reisen, welches insgesamt Ressourcen spart.
All jene, die nicht arbeitend verreisen können, nutzen vermehrt das sogenannte «PTO hacking» (paid time off hacking), bei welchem die Ferientage strategisch so gelegt werden, dass so viel Freitage wie möglich rausspringen und damit mehr Zeit in den Ferien verbracht werden kann.
4. Craft Travels: Unterwegs Neues lernen
Immer mehr Menschen wünschen sich, beim Reisen mehr als blosse Konsumenten zu sein. Sie wollen partizipieren und Dinge lernen, die sie mit der Destination verbinden. Gerade traditionelles Kunsthandwerk erhält zur Zeit viel Aufmerksamkeit – von traditionellen Webtechniken über Töpferkunst bis hin zu natürlichen Stofffärbetechniken. Spezialisierte Anbieter wie etwa Thread Caravan organisieren Retreats, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer traditionelle Techniken direkt von der lokalen Bevölkerung erlernen.
5. Jomo: Die Freude am Verpassen
Reisen und die damit verbundene Wahl von Destinationen haben auch viel mit Fomo (fear of missing out) zu tun – der Angst, etwas zu verpassen. Als Gegenbewegung etablierte sich der Begriff Jomo (joy of missing out), die Freude, etwas zu verpassen. Die Idee: bewusst weniger tun, im Moment verweilen, genügsam sein. Das Jomo-Konzept lässt sich durchaus auch auf die Ferien ummünzen: einfach mal weniger tun, anstatt ein Highlight nach dem nächsten zu jagen. Und die Freude daran finden. Das ist gut für die Entspannung und auch für den Ressourcenverbrauch.
6. Zugreisen: Massgeschneidert und aussergewöhnlich
Mit dem Zug zu verreisen ist die wohl nachhaltigste Art zu verreisen. Die Reisebranche prophezeit für 2025 ein weiteres Wachstum in diesem Sektor. Soweit nichts Neues. Was hingegen neu ist: Es tauchen immer mehr Reiseunternehmen auf, die sich auf massgeschneiderte Zugreisen spezialisieren. Die Möglichkeiten gehen weit über den altbekannten Nachtzug Zürich–Wien hinaus. Wie wärs etwa mit Sizilien? Oder Marokko? Oder dem nördlichsten Zipfel Schwedens? Kaum eine europäische Destination scheint unmöglich, wenn man sich die Angebote, beispielsweise von Traivelling, anguckt.
Leider auch ein Trend: Coolcations
Das Klima verändert sich und die Sommer werden spürbar heisser, vor allem im Süden. Orte, die früher wegen der Wärme aufgesucht wurden, werden mittlerweile oft unerträglich heiss. Die Konsequenz: Viele Menschen suchen in den Ferien nicht mehr vornehmlich wärmere Orte auf, sondern bewusst kühlere. «Sind Coolcations die Zukunft des Reisens?», fragt etwa die «Vogue». Sicher ist: Sie sind ein Reisetrend, wenn auch einer, der aus der Not der Klimaerwärmung entsteht.
