Was ist Electra?
Alessandro Inderbitzin: Electra ist ein Spezialist für öffentliche Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge in Europa und bereits in neun Ländern aktiv. Unser Ziel ist es, in der Schweiz eine flächendeckende Ladeinfrastruktur anzubieten.
Das wollen sicher viele andere auch.
Das ist wohl so – Konkurrenz gibt es genug. Aber unser Fokus ist ein anderer: Wir zielen primär auf den urbanen Raum. Und der wird immer interessanter: Eine öffentliche Schnellladeinfrastruktur ist vor allem für die über 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung wichtig, die kein Wohneigentum besitzen und somit keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu privater Ladeinfrastruktur haben. Ausserdem kann man unsere Ladesäulen via App vorreservieren. So wird das Laden selbst zur Nebenaktivität, während man einkauft, sich verpflegt oder zum Coiffeur geht.
Wie sieht die aktuelle Abdeckung mit Ladestationen in der Schweiz aus?
Langsame Ladestationen sind in der Schweiz bereits weit verbreitet. Heute gibt es landesweit rund 1300 DC-Ladepunkte mit einer Leistung von 100 kW oder mehr. In Ballungsräumen wie Zürich, Genf, Basel, St. Gallen und Lausanne besteht jedoch noch ein grosses Ausbaupotenzial für Schnellladestationen. Die konzentrieren sich bislang auf die Autobahnen.
Was bedeutet schnellladen bei Electra?
Das bedeutet, dass man eine Batterie zum Preis von rund 60 Rappen pro Kilowattstunde von 10 auf 80 Prozent in 12-30 Minuten aufgeladen hat. Die genaue Dauer ist abhängig vom Fahrzeug.
Klingt alles gut, aber die Euphorie in Sachen E-Mobilität scheint verflogen. Die Verkäufe flachen ab.
Die Stagnation dieses Jahr war zu erwarten. Das wird sich spätestens im nächsten Jahr wieder ändern, wenn die gesetzlichen CO₂-Vorgaben viel strenger werden. Der Anreiz der Verkäufer war 2024 nicht gross genug. Sie verkaufen dieses Jahr lieber Verbrenner, die wartungsintensiver sind als Elektrofahrzeuge.
Derzeit reden alle von Hybrid.
Langfristig wird die Mehrheit der Menschen auf Elektromobilität umsteigen, während die «Oldtimer» weiterhin mit Benzin fahren werden. Hybridfahrzeuge sind eine Übergangslösung, da sie nur dann eine bessere CO₂-Bilanz als reine Benzinautos haben, wenn sie zu Hause aufgeladen werden können. Ist das nicht möglich, fahren sie meist fast nur mit Benzin und «schleppen» dazu noch eine schwere Batterie mit sich herum. In Ländern, in denen die Elektromobilität bereits weiterverbreitet ist, verschwinden Hybridfahrzeuge zunehmend.
Aktuell gibt es hierzulande nur ein paar wenige Ladestationen von Electra. Wie schnell will man das Netz ausbauen?
Wir planen 10 Standorte bis Ende Jahr, 50 bis Ende 2025 und insgesamt mindestens 100 Ladestandorte bis Ende 2026 zu errichten und damit ein flächendeckendes Netz anzubieten.
Wie stark beschäftigt euch der Nachhaltigkeitsgedanke?
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt bei allen unseren Entscheidungen. So wird an allen Stationen ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Energien angeboten. Wir folgen einem internen Kodex für nachhaltige Beschaffung und unterziehen unsere wichtigsten Lieferanten einem ESG-Audit. Darüber hinaus wird der CO₂-Fussabdruck von Electra jährlich neu bewertet und ein Plan zur Dekarbonisierung bis 2030 ist in Arbeit.
Die meisten E-Autos werden geleast. Nach drei Jahren holt man sich ein neues. Ist das wirklich nachhaltig?
Gerade in der Anfangsphase der Elektromobilität geht dieser schnelle Fahrzeugwechsel völlig in Ordnung. Er ist wichtig, um einen Gebrauchtwagenmarkt aufzubauen. Dies ermöglicht auch preissensibleren Kunden, die nicht unbedingt an einem Neuwagen interessiert sind, den Zugang zur Elektromobilität.
Sollte man eigentlich zuhause einen Lader haben oder schafft man es gut ohne?
Man schafft es auch ohne Wallbox zuhause – auch dank dem immer besseren Schnelllade-Netz. Reichweite ist definitiv kein Argument. Die meisten Leute reizen die Reichweite ja kaum je aus. 80 Prozent der Leute fahren an einem durchschnittlichen Tag nicht mehr als 30 Kilometer. Und wenn man die Möglichkeit hat, einen Lader zu installieren, spricht eigentlich nichts mehr gegen ein Elektrofahrzeug.
Weitere Informationen unter diesem Link.
