Robert Wittmer, wie geht es dem Mittelmeer?
Robert Wittmer: Das Mittelmeer ist eine der schönsten Segelregionen der Welt, aber wie viele andere Regionen leidet es auch unter der Umweltbelastung. Besonders in den letzten Jahren habe ich an verschiedenen Stränden rund um den Saronischen Golf und die Kykladen immer wieder Abfall gesammelt. Die Menge an Plastikmüll, die man dabei findet, ist leider erschreckend.
Sie organisieren seit 2019 Segeltörns vor der Küste Griechenlands, bei denen gleichzeitig Müll eingesammelt wird. Wie viel Müll haben Sie in den letzten Jahren gesammelt?
Für uns geht es nicht um die Menge in Kilogramm. Wichtiger ist die Art und Vielfalt des Mülls, den wir finden. Jede Reinigung ist anders: Manchmal sammeln wir unzählige Plastikteile, an anderen Tagen konzentrieren wir uns auf Zigarettenstummel, die wirklich überall herumliegen. Besonders wertvoll sind die Erkenntnisse, die wir dabei gewinnen. Durch das Sammeln können wir die gefundenen Daten in Datenbanken eintragen und so nachvollziehen, welche Arten von Abfall an bestimmten Orten häufiger vorkommen.
Wo lagern Sie den Abfall?
Derzeit arbeiten wir daran, den Prozess der Abfallverwertung so nachhaltig wie möglich zu gestalten, was sich oft als grössere Herausforderung herausstellt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ein Teil des gesammelten Abfalls bringen wir bereits zu einer lokalen Recyclingstelle in Athen. Einen weiteren Teil des Mülls entsorgen wir an zertifizierten Stellen, um sicherzustellen, dass er nicht auf illegalen Mülldeponien landet, von wo er wieder ins Meer geweht werden könnte oder verbrannt wird, was giftige Gase erzeugt.
Wie viel vom gesammelten Müll lässt sich tatsächlich recyceln?
Das hängt stark von der Art und dem Zustand des Abfalls ab. Plastik, insbesondere härtere Kunststoffe wie PET-Flaschen, lässt sich relativ gut recyceln, solange es nicht zu stark verunreinigt ist. Leider sind viele der Abfälle durch Sonne, Salz und Wasser stark abgebaut, was den Recyclingprozess erheblich erschwert.
Aus den gesammelten Plastikabfällen fertigt Sie die wasserdichten Rucksäcke der Marke Whalebelly. Wie funktioniert das genau?
Es ist eine grosse Herausforderung, Plastikabfall in Rucksäcke zu verwandeln. Das Plastik muss gründlich gereinigt werden, um Salz, Sand und organische Reste zu entfernen. Danach wird es zerkleinert, eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet, aus dem die Stoffe für die Rucksäcke hergestellt werden. Wir produzieren nur eine kleine Stückzahl pro Jahr. Mit dieser Entscheidung möchten wir dem wachsenden Konsum entgegenwirken. Wenn die Rucksäcke einmal ausverkauft sind, stellen wir keine weiteren her.
Planen Sie weitere Produkte herzustellen?
Im Moment konzentrieren wir uns auf unsere Rucksäcke und unsere Segelreisen. Zudem haben wir ein Schulbuch in der Pipeline. Die Einnahmen aus den Rucksäcken fliessen direkt in dieses Projekt.
Ein Schulbuch?
Ja, daran arbeiten wir zurzeit. Es ist nach Lehrplan 21 ausgerichtet und als interaktive Erlebnisreise konzipiert. Es dreht sich um eine Abenteuerreise ans Meer, verbunden mit einem Film, der die Schülerinnen und Schüler vor viele offene Fragen stellt. Diese Fragen beantworten sie sowohl individuell als auch gemeinsam.
Also geht es Ihnen mit den Aktionen eher um Bildung als um grossflächige Reinigungsaktionen?
Ja, es ist eine symbolische Handlung, die zeigt, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Damit wollen wir verdeutlichen, dass auch kleine Schritte wichtig sind und einen Unterschied machen können. Unser langfristiges Ziel ist es, dass aus unseren Aktionen eine grössere Bewegung entsteht, die auch andere inspiriert, sich für den Schutz der Meere zu engagieren.
Wann findet der nächste Segeltörn statt?
Im Juni 2025. Ende Oktober schalten wir die neuen Termine für die Segelwochen auf.
Weitere Informationen unter Segelexpedition.ch.
