«Hafermilch boomt», schrieb das Bundesamt für Landwirtschaft im Sommer vor zwei Jahren. Elf Prozent des Milchumsatzes entfielen damals auf pflanzliche Alternativen. Heute sind es – zumindest bei Coop – bereits über 15 Prozent. Die beliebteste aller pflanzlichen Milchalternativen: Hafermilch. Mehr als jede zweite pflanzliche Milchalternative bei Coop ist ein Haferprodukt.
Ein zentrales Motiv für das Nutzen von Milchalternativen ist der Umweltschutz. Im «Plant Based Food Report» von Coop steht er bei den Konsumentinnen und Konsumenten von pflanzlichen Alternativprodukten an erster Stelle. Doch woher stammen die Rohstoffe für Hafermilch überhaupt? Und ist sie wirklich nachhaltig?
Schweizer Hafer für Coop-Milchalternativen
20 Minuten hat bei Migros und Coop nachgefragt. Da das Wort «Milch» laut Lebensmittelgesetz für tierische Produkte reserviert ist, bezeichnen sie die Milchalternative als Haferdrink. Diese «bestechen insgesamt durch eine gute Ökobilanz: Dabei sind insbesondere die geringe Landnutzung und der geringe Wasserverbrauch hervorzuheben», sagt Coop-Sprecher Caspar Frey.
Als Beispiel nennt er die Eigenmarke: «Die neuen Haferdrinks von Karma, die mit der Knospe von Bio Suisse zertifiziert sind, überzeugen mit qualitativ hochwertigem Bio-Hafer und einer nachhaltigen, einheimischen Produktion.» Die Schweiz sei aufgrund der klimatischen Bedingungen ideal für den Anbau von Bio-Hafer.
«Wir sind stets bemüht, lokale Produkte zu fördern und setzen, wo immer möglich, auf Schweizer Produktion», sagt auch Migros-Sprecherin Estelle Hain. «Dies unterstützt nicht nur die lokale Landwirtschaft, sondern minimiert auch den ökologischen Fussabdruck durch kürzere Transportwege.»
Ein Blick in eine Zürcher Migros zeigt, dass nur der Hafer für den Haferdrink Emmi beleaf aus der Schweiz stammt. Jener von Oatly, Alpro und Alnatura stammt aus dem europäischen Ausland – wie auch jener der Migros-Eigenmarke V-Love.
«Aus Umweltsicht empfehlenswert»
Was die beiden Detailhändler hinsichtlich Nachhaltigkeit sagen, bestätigt auch der WWF: 2020 veröffentlichte die Umweltschutzorganisation eine Studie, in der die Ökobilanzen von Kuhmilch und pflanzlichen Drinks verglichen wurden. Das Fazit: «Ist der Nährstoffbedarf bereits anderweitig gedeckt und geht es lediglich um ein Produkt mit milchähnlichen Eigenschaften, dann sind die pflanzlichen Alternativen, abgesehen von Cashew-Drinks, aus Umweltsicht empfehlenswert.»
Die Autorinnen und Autoren der Studie stellen aber auch fest: «Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass selbst bei einer vollständigen Umstellung von Kuhmilch auf pflanzliche Drinks das Reduktionspotenzial recht gering ist.» Der verstärkte Absatz von Haferdrinks schadet der Umwelt also nicht, hilft ihr aber auch nur bedingt. Das Ganze relativiert sich zudem, wenn der Hafer aus dem Ausland stammt. Der WWF hält fest: «Die Belastungen insbesondere hinsichtlich Strombedarf bei der Verarbeitung und Transporten für den Import sind deshalb relativ hoch.»
«Grosses Potenzial für Schweizer Landwirtschaft»
Der Anbau von Hafer in der Schweiz ist nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. «Diese neuen Produkte bergen grosses Potenzial für die Schweizer Landwirtschaft, insbesondere für die Produktion pflanzlicher Rohstoffe», schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft 2022 über pflanzliche Milchalternativen.
«Gerade Hafer lässt sich in der Schweiz sehr gut anbauen und die Rohstoffpreise haben einen sehr kleinen Anteil am Ladenpreis», sagt Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband gegenüber 20 Minuten. Dennoch hätten Fleisch- oder Milchersatzprodukte für die Schweizer Bauern heute eine geringe Bedeutung. Viele Betriebe seien aber bereit und motiviert, neue Kulturen anzubauen. «Gerade bei Hafermilch wäre es möglich, mit einem guten Preis für die Produzenten den Anbau zu fördern und so den Konsumenten ein grösseres Angebot mit regionaler Hafermilch anzubieten.»
Coop hat dieses Potenzial erkannt: Seit März 2024 werden die meisten Karma-Milchgetränke von Coop in der Schweiz produziert, nämlich zehn von 17 – Tendenz steigend. Migros-Sprecherin Estelle Hain verweist derweil auf die Verantwortung der Kunden: Die Migros sei in der Lage, rasch auf deren Bedürfnisse zu reagieren. «Stand heute sind keine Änderungen geplant.»
