Und so wird es weitergehen in dieser Ausstellung, die sich dem Wald widmet. «Entangled Forests» zeigt Werke, die von lokalen und internationalen Wäldern inspiriert wurden. Aber nicht nur das. Diese Ausstellung hat eine Mission: Sie schafft Kontext. Nämlich jenen des Klimawandels. Und das auf zwar wissenschaftliche, aber verständliche und oft auch interaktive Art und Weise.
Drei Werke sind beim Besuch – neben dem Kartonschild – besonders in Erinnerung geblieben. Auch weil sie in der Ausstellung in einem Real-Life-Kontext stehen, was dazu führt, über das eigene Wissen um den Wald und seine Bedeutung nachzudenken. Hier nun also drei Werke – sowie drei Erkenntnisse, die bleiben:
1. Im Wald hat alles seinen Platz und seine Aufgabe
«Paraiso» von der Künstlerin Eva Lippert ist eine knapp anderthalb mal anderthalb Meter grosse, bunter als bunte Collage aus unterschiedlichsten Techniken und Materialien. Ein Feuerwerk aus Pflanzen, Tieren, Menschen, Aquarellen, Geflechten, kleinen Objekten. Es erzählt die Geschichte des Ökosystems Wald, verdeutlicht dessen Komplexität und wie alles miteinander verbunden ist. Die Collage zeigt auch, dass dieses Ökosystem in Gefahr ist: Feuer umringt das paradiesische Bild des Waldes. In der Beschreibung zum Werk steht: «Bäume nehmen Kohlenstoffdioxid auf und verringern so die CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Gezielte weltweite Aufforstung könnte bis zu zwei Drittel des von Menschen verursachten CO2-Ausstosses ausgleichen. Trotzdem nimmt die Entwaldung durch Waldbrände und Rodung nicht nur weltweit, sondern auch in Europa stetig zu.»
2. Flechten sind abgefahrene, völlig unterschätzte Waldwesen
Ein alter Holztisch. Die Oberfläche von Flechten überzogen. Flechten! Ganz vergessen, dass es die gibt! Das Werk mit dem Namen «As sentir da chasa» von Hannah Grüninger erfüllt seinen Zweck, einem die guten alten Flechten wieder in Erinnerung zu rufen. Dass sie «faszinierende Doppelwesen zwischen Alge und Pilz» sind. Und dass sie einen Wirt oder eine Wirtin brauchen, um überhaupt zu leben. Und dann steht da noch ein unvergesslicher Fakt in der Beschreibung: «Sie zählt zu den langlebigsten Wesen überhaupt und kann ein Alter von mehreren Hundert, in Einzelfällen sogar von über viertausend Jahren erreichen.» Wie schön, dass die Künstlerin diese Waldwesen mit dem Tisch ins Haus holt, zumindest symbolisch.
3. Keiner weiss, wie wichtig Totholz ist
Wer schon einmal in einem echten Urwald war, weiss, wie chaotisch und unordentlich es dort aussieht: Umgefallene Bäume und abgefallene Äste stapeln sich, liegen verstreut herum und zersetzen über lange Zeit. Ein Anblick, den man in Schweizer Wäldern nicht kennt. Hier werden die Wälder nicht sich selbst überlassen. Sie werden aufgeräumt. Noch. Denn: Totholz ist eine wertvolle Ressource für das Ökosystem der Wälder – und damit beschäftigt sich das Werk «Virtues of Wood» des Künstlerduos Bienvenue Studios. Die Risodrucke auf Naturpapier zeigen Totholzskulpturen aus Neuseeland. An der gegenüberliegenden Wand hängt auf mehreren Blättern Papier ein Interview mit einer Expertin für Totholz. An einer Stelle sagt sie über die Wichtigkeit von Totholz: «Totholz gehört zum natürlichen Waldzyklus und ist Lebensgrundlage für Tausende Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen, Moosen und Flechten. Mehr als ein Viertel aller Waldarten der Schweiz ist auf Totholz angewiesen.»
Die Ausstellung «Dear2050: Entangled Forests» reist weiter nach Lausanne (25. April – 10. Mai) und nach Langenthal BE (18. Mai – 2. Juni). Zum Katalog, zum Podcast.