Liz Valentina Thieme, mit Rebirth Studios willst du eine Million Kilo Textilabfälle upcyceln. Was war zuerst da: die Zahl oder die Idee?
Ich habe ursprünglich Modedesign studiert und dann auch in der Modebranche gearbeitet. Dort habe ich gesehen, wie viele Textilien und Stoffe tagtäglich weggeschmissen werden oder ungenutzt in irgendwelchen Lagern herumliegen. Ich hatte das Gefühl, dass ich vor einem richtigen Problem stehe: Einerseits ist da extrem viel Material, andererseits wird ständig mehr produziert. Die Idee des Upcyclings liegt nahe, aber um einen echten Impact zu haben, müssen wir richtig viel Kleidung und Stoffe upcyceln.
Wie willst du das möglich machen?
Das ist die Vision von Rebirth Studios: Ein Ökosystem zu bauen, in dem Upcycling skalierbar ist – also in grossem Stil möglich wird. Allein kann niemand eine Million Kilo Textilien umnutzen. Das ist nur möglich, wenn man die richtigen Leute mit den richtigen Strukturen zusammenbringt.
Wie soll dieses Upcycling-Ökosystem konkret aussehen?
Sagen wir, eine Firma kauft jährlich 5000 Bauchtaschen für die Mitarbeitenden. Diese Firma hat aber auch alte Jacken im Lager herumliegen, die niemand mehr braucht, weil sie vielleicht die falsche Farbe haben. Hier kommen wir ins Spiel: Wir sehen die ungenutzten Textilien als Ressource und machen dann innerhalb von ein paar Wochen aus den alten Jacken neue Bauchtaschen. Dafür braucht es natürlich klare Designprozesse, Schnittstellen und eine skalierbare Umsetzung.
Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben: Müssen die Jacken aus derselben Firma kommen?
Nein. Wir arbeiten gerade daran, eine Database aus alten und ungenutzten Textilien zusammenzustellen, die wir auch anbieten können. Dann kann zum Beispiel eine Firma auf uns zukommen und 300 T-Shirts bestellen – und wir können dann sagen: Super, wir haben hier diese Stoffrollen, die wir dafür nutzen können. Perspektivisch möchten wir unser Ökosystem für skalierbares, transparentes Upcycling nicht nur für Unternehmen und Merchandise öffnen, sondern auch für Modemarken und Designer, die mit uns ihre Kollektionen, oder Teile davon, umsetzen wollen.
