Herr Reichmuth, in einfachen Worten: Was ist Timber Finance?
Erik Reichmuth: Timber Finance wurde im Jahr 2021 als Vermögensverwalter und spezialisierter Anlageberater für moderne Klima- und Holzinvestments gegründet und erschliesst für Investoren klimarelevante Investitionsmöglichkeiten in die CO2-absorbierende und speichernde Wald- und Holzwirtschaft. Der Holzbau in Verbindung mit nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ist eine der skalierbarsten und kosteneffizientesten Negativemissions-Technologien.
Mit anderen Worten: Holz ist spannend und nachhaltig, weil es Kohlenstoffdioxid killt, auch wenn es gefällt und verbaut ist?
Ja. Holzbau hat grosses Potenzial, um den Bau von Gebäuden umweltfreundlicher zu gestalten und spielt eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Netto-Null-Klimaziele. Timber Finance ermöglicht es Investoren, dieses Dekarbonisierungspotenzial zu nutzen, indem sie CO2- und Finanzinstrumente entwickeln.
Ich kann also mein Geld in Holz anlegen und damit Rendite erzielen?
Nicht ganz! Das von Timber Finance entwickelte Tracker-Zertifikat investiert nicht in Rohstoffe, sondern in führende Unternehmen, die in der Wald- und Holzindustrie tätig sind. Man investiert also in 21 der führenden Unternehmen aus der europäischen und nordamerikanischen Holzindustrie. Die Unternehmen liefern einen Beitrag zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der langfristigen Speicherung von CO2 in Form von Holzprodukten in Gebäuden.
Mal ganz generell: Wieso Holz?
Holz ist ein skalierbarer Baustoff, der im Wald CO2 aus der Atmosphäre entzieht und im Holzbau sehr lange speichern kann. Abgesehen davon ist Holz ein bio-basierter, erneuerbarer Rohstoff mit fantastischen Baueigenschaften. Ich bin als Halb-Schweizer und Halb-Kanadier extrem holzaffin und fühle mich in Holzgebäuden deutlich wohler. Das ist aber nicht nur bei mir der Fall: Der positive Einfluss von Holz auf den Menschen wurde in Studien nachgewiesen. Deshalb sollten wir lieber fragen: wieso Beton?
Aber statt dem Holzhaus Waldfunktionen zu übergeben: Sollten wir nicht den Wald schützen?
Wir übergeben dem Holzhaus keine Waldfunktion per se, sondern optimieren mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung die Waldfunktionen und speichern den entnommenen Rohstoff langfristig in Form von Gebäuden. Mit diesem Ansatz entnehmen wir vom Wald nicht mehr als jährlich nachwächst und schaffen durch nachhaltige Waldbewirtschaftung Platz für neues Wachstum. Wir sprechen gedanklich gerne vom zweiten Wald: Der stehende Wald absorbiert CO2 aus der Atmosphäre durch Fotosynthese und speichert es temporär in Form von Bäumen. Der zweite Wald sind unsere Gebäude und Städte, die CO2 langfristig in Form von Holzbauprodukten speichern können.
