Die Kodensstreifen über der Schweiz zeigen, wie dicht der Flugverkehr vor der Pandemie war. Wenn jetzt wieder mehr geflogen wird, wachsen auch die CO2-Emissionen – kompensieren hilft nur bedingt. Tamedia/Reto Oeschger

Klimaneutral in die Ferien fliegen – ein Wunschtraum?

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In die Ferien fliegen, ohne die Umwelt durch CO2-Emissionen zu belasten: Ist das wirklich möglich, wie einige Airlines es anbieten – oder doch zu schön, um wahr zu sein?

Wer zuletzt an den Himmel geschaut hat, wird es bemerkt haben: Der Flugverkehr erwacht aus seiner pandemiebedingten Zwangspause, die Kondensstreifen werden wieder mehr. Vor allem jetzt, zu Beginn der Sommerferien, rückt das Fliegen in den Mittelpunkt – und damit das schlechte Gewissen.

Tatsächlich gehören Flüge zu den Top-Klimasünden. Emissionen durch Flugreisen sind besonders klimaschädlich, weil sie direkt in hohe Atmosphärenschichten gelangen. Deshalb wirken sie stärker auf den Treibhauseffekt als Emissionen in Bodennähe. Allein bei einem Flug von Zürich nach New York und zurück werden etwa drei Tonnen CO2 ausgestossen.

Klimaneutraler Treibstoff

Die Fluggesellschaften wissen das natürlich. Deshalb haben viele Airlines begonnen, klimaneutrale Flüge anzubieten. Und zwar über ein Angebot, das klimaneutrale Flüge durch Ausgleichszahlungen respektive Kompensation ermöglichen soll.

Kunden der Swiss etwa können bei der Buchung klimaneutralen Treibstoff kaufen. Damit haben sie die Möglichkeit, die bei Flügen entstehenden CO2-Emissionen mit nachhaltigen alternativen Kraftstoffen weitgehend auszugleichen. Dieses sogenannte Sustainable Aviation Fuel (SAF) sei «eine der vielversprechendsten Optionen, um die Zukunft des Fliegens klimaneutral zu gestalten», schreibt das Unternehmen.

CO2-Kompensation als Alternative

Für die CO2-Kompensation hat man zwei Optionen zur Verfügung: Man kann fossile Flugkraftstoffe eins-zu-eins durch SAF ersetzen. Dafür berechnet eine Plattform die Preisdifferenz zwischen SAF und Kerosin. Der Kunde zahlt den Aufpreis für den nachhaltigen Treibstoff, die Airline speist ihn innerhalb der nächsten Monate in den Flugbetrieb ein.

Eine Alternative ist: Reisende können über die Stiftung myclimate beispielsweise Waldaufforstungsprojekte unterstützen und damit positive Klimaeffekte erzielen. Über die «Compensaid»-Plattform kann man wählen, über welchen Ansatz man die CO2-Emissionen der Flugreise reduzieren möchte. Auch die Kombination der Alternativen ist möglich.

Zu schön, um wahr zu sein?

Kann man also ohne schlechtes Gewissen in den Flieger steigen? Ganz so einfach ist es nicht. Denn Klimaneutralität heisst, dass durch einen Prozess das Klima nicht beeinflusst wird. Bei Flügen mit SAF werden CO2-Emissionen aber nur reduziert. Zudem ist der Flugbetrieb an sich nicht klimaneutral, Kompensation hin oder her.

Eine neue Studie der ETH kommt sogar zum Schluss, dass es für Flieger auch in Zukunft am wirksamsten wäre, fossile Treibstoffe zu verwenden – wobei das ausgestossene CO2 in Abscheidungsanlagen der Atmosphäre entnommen und im Untergrund gespeichert werden sollte («Carbon capture and storage»-Prinzip).

Forscher der Universität Oxford haben zudem kürzlich eine neue Möglichkeit entdeckt, Flüge klimaneutral zu machen. Dabei wird aus CO2 und Zitronensäure Treibstoff. Am Boden wird CO2 aus der Luft abgeschieden und in Treibstoff umgesetzt. In der Luft geben die Flieger es ab, ohne die CO2-Menge in der Atmosphäre zu erhöhen. Solche Entwicklungen stehen aber noch am Anfang. Deshalb ist es nach wie vor am besten, Flugreisen wenn möglich einzuschränken. Klimaneutrales Fliegen ist aber ein Schritt in die richtige Richtung.

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Erste Veröffentlichung: 
20.7.2021
  |  Letztes Update: 
20.7.2021
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