Gepard am Start
Zudem kommt er in Kontakt mit einem kleinen Haufen angefressener Solarenergie-Enthusiasten. Sie treffen sich regelmässig zur Tour de Sol, einem Rennen für solarbetriebene Fahrzeuge – es geht um Reichweiten, Effizienz, Tempo und Aufmerksamkeit. Auch Kyburz wird infiziert und nimmt bald mit seinem ersten selbst entwickelten Gefährt teil – dem Geetah.
Der Geetah (Gepard) ist schnell, kann 150 Kilometer fahren und sorgt für Aufsehen und erste wichtige Kontakte. «Der Geetah war jedoch zu aufwendig, um zu einem Serienmodell zu werden», sagt Kyburz. Stattdessen fand er eine Marktlücke: Fortbewegungsmittel für Senioren. 1991 gründete er die Firma Kyburz Switzerland AG und begann, elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel für Menschen mit Mobilitätsproblemen zu bauen.
«Ihr Verkauf generierte mein erstes bedingungsloses Grundeinkommen», sagt er. Leben musste er zwar auf bescheidenem Niveau und am Konkurs schrammte er ebenfalls mehrmals vorbei. Doch mit dem Geld konnte er neue Projekte anstossen.
Auf dem Postweg
So auch, als er 2002 den Auftrag bekam, ein Elektrotransporter für die Schweizer Post zu entwerfen. Es sollte allerdings sieben Jahre dauern, bis der erste DXP, so der Name des Fahrzeugs, aufgeliefert wurde – an die Deutsche Post.
2010 stieg auch die Schweizer Post ein. Der Erfolg war enorm: Mittlerweile wurden über 25'000 Elektrofahrzeuge verkauft. Aus dem Schweizer Alltag sind die gelben, lautlosen, dreirädrigen Postfahrzeuge nicht mehr wegzudenken. Die Firma verkauft die Elektrodreiräder unter anderem bis nach Island und Australien.
Damit könnte sich Martin Kyburz auf den Lorbeeren ausruhen. Doch wie gesagt: Sein Herz schlägt für die Zukunft. «Meine Idee war immer, Werkstoffe so lange wie möglich im Umlauf zu behalten», sagt er. Jedes Kyburz-Vehikel durchläuft zwei Leben, bevor die Batterie in einem dritten Leben als Energiespeicher dient.
Batterie-Recycling ohne Energieverschwendung
Nun hat Kyburz die neuste Innovation enthüllt: Eine Anlage, die Lithium-Ionen-Batterien rezyklieren und deren Rohstoff zu fast 100 Prozent zurückgewinnen kann – ohne Chemie und hohen Energieaufwand. «Damit haben wir den Kreislauf bei Lithium-Ionen-Batterien geschlossen», sagt Kyburz stolz.
Für die Idee ist die Kyburz Switzerland AG als einer von drei Finalisten für den Green Business Award nominiert, der am 23. September verliehen wird. «Awards sind gut fürs Image, für mich aber nicht wichtig», sagt Kyburz indessen lakonisch. Viel lieber denkt er bereits an die nächsten Schritte in die umweltfreundliche Zukunft.