Welche Museen sind denn grundsätzlich schon gut unterwegs in Sachen Nachhaltigkeit?
Kleine Museen. Sie haben weniger Ressourcen, das Mobiliar für die Ausstellungsobjekte bleibt meist dasselbe für Jahre. Und sie zeigen nicht eine Ausstellung nach der anderen.
Das liegt ja auch in der Natur der Sache, dass kleinere Museen einen geringeren Fussabdruck haben. Wie steht es um die grossen Häuser?
Im vergangenen Jahr führten wir einen Impulstag zum Thema «Nachhaltig ausstellen» durch. Die Restauratorin vom Zentrum Paul Klee erklärte in diesem Zusammenhang im Interview, dass sehr wertvolle Gemälde normalerweise in platzeinnehmenden, doppelwandigen und sogenannten Klimakisten transportiert werden. Sie fand heraus, dass die Doppelwandigkeit nicht immer nötig ist und dass die Gemälde so weniger Platz im Flugzeug benötigen. Auch so kann Energie eingespart werden. Es lohnt sich, Standards zu hinterfragen.
Welche Rolle spielt «Happy Museums» dabei?
Wir sind einerseits eine Anlaufstelle, um Museen und Ideen zu verbinden und gute Beispiele sichtbar zu machen. Wir veranstalten regelmässig Impulstage zu unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen. Gerade arbeiten wir an einem CO2-Rechner speziell für Museen.
Nachhaltigkeit kann ja verschieden ausgelegt werden. Wie versteht «Happy Museums» den Begriff?
Unser Ziel ist, dass Museen in der Schweiz nachhaltiger werden – ökologisch, sozial, ökonomisch. Momentan konzentrieren wir uns auf den ökologischen Aspekt. Wir gehen partizipativ vor: Nicht die Geschäftsführung von Happy Museums entscheidet, sondern wir fragen die Leute, die im Feld sind, was sie brauchen, um nachhaltiger sein zu können. Zuerst gab es die Idee, ein Zertifikat für Museen zu machen. Aber in Gesprächen fanden wir heraus, dass das nicht wirklich gefragt ist.
Sondern?
Zuerst müssen Fakten geschaffen werden – und dafür brauchen wir Zahlen. Wir wissen zum Beispiel gar nicht, wie viel CO2 ein Museum ausstösst, egal ob gross oder klein. Darum entwickeln wir jetzt den CO2-Rechner. Wenn wir Zahlen haben, können wir Massnahmen treffen und deren Erfolg dann auch konkret ablesen.
Wie offen sind Schweizer Museen denn, wenn es darum geht, nachhaltiger zu sein?
Kulturinstitutionen befassen sich oft schon frühzeitig mit gesellschaftlichen Themen. Deshalb stösst man mit diesem Thema auf viel Offenheit. Aber natürlich ist es immer auch eine Ressourcenfrage.
Der nächste Impulstag, den Sie veranstalten, dreht sich um soziale Nachhaltigkeit. Was ist damit gemeint?
Hier geht es um die Innensicht: In der Kulturbranche arbeiten viele Menschen in Kleinpensen oder projektbasiert. Wir wollen die Frage nach dem Kulturprekariat stellen. Auch das Thema Teilhabe wird in einem Workshop behandelt: Wie divers sind Museen? Wer hat überhaupt Zugang zur Kulturbranche? Wie bringen wir verschiedene Arten von Menschen ins Museum und wie gestalten diese das Museum auch mit? Diese Innensicht hat auch wieder eine Auswirkung auf die Ausstellungen selbst, die Themensetzung. Auch das ist Nachhaltigkeit.
Und zum Schluss, weil die Museen die Welt nicht alleine retten können: Wie kann man als Besucherin oder als Besucher eines Museums zur Nachhaltigkeit beitragen?
Das ist eine spannende Diskussion bei der Entwicklung des CO2-Rechners: Soll der Anfahrtsweg der Besuchenden eingerechnet werden? Wo hört man da auf? Aber so oder so: Mit dem öffentlichen Verkehr anreisen ist immer gut. Dann kann man sich auch selber bewusst fragen: Renne ich immer auf die neuesten Ausstellungen, oder besuche ich auch mal ein Museum, das längere Ausstellungszeiten hat?