Hierzulande sind die Young Boys gemäss Responsiball-Ranking von 2025 zum wiederholten Mal Schweizer Meister der Nachhaltigkeit. Was macht der Berner Club anders?
Es ist ähnlich wie bei BVB und Wolfsburg: Auch in Bern haben sich die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat vor viereinhalb Jahren vorgenommen, proaktiv nachhaltiger zu werden. Als erster Club der Schweiz hat YB weitreichende Daten erhoben, um den Impact zu messen und gezielt zu verbessern. Sie haben nicht nur Erfolge kommuniziert, sondern auch, wo sie aufholen müssen. Diese Transparenz braucht es, um sich zu verbessern. Inzwischen hat YB zwei Angestellte, die sich um die Nachhaltigkeit kümmern.
Um nachhaltiger zu werden, braucht es jemanden, der sich darum kümmert. Haben inzwischen alle Schweizer Clubs solche Stellen?
Die Unterschiede sind gross. Auch Basel und Lugano haben eigene Stellen geschaffen. In anderen Clubs übernimmt eine bereits bestehende Stelle die Aufgabe, die Initiativen und Vorgaben der Liga umzusetzen.
Das hat vermutlich auch mit dem Budget des Clubs zu tun.
Nicht unbedingt. Wir haben zusammen mit «EnergieSchweiz» PEIK-Energieberatungen (ein Angebot für KMU, Anm. d. Red.) gemacht und gesehen, dass auch kleine Clubs Kosten einsparen können, wenn sie ihre CO₂-Bilanz verbessern. Manche widmen sich dem bereits intensiv: Aarau und Vaduz sind hier sehr gut aufgestellt.
Die Young Boys erreichen im Ranking von Responsiball fast die volle Punktzahl. Die Frage drängt sich auf: Inwiefern kann ein Fussballclub, der Grossevents veranstaltet und zu Auslandsspielen fliegt, wirklich nachhaltig sein?
Eine hohe Punktzahl bedeutet nicht, dass ein Fussballclub vollständig nachhaltig ist. Grossveranstaltungen und Reisen verursachen zwangsläufig Emissionen und Ressourcenverbrauch. Das Ranking bewertet, wie systematisch ein Club Nachhaltigkeit in Bereichen wie Umwelt, Soziales und Governance angeht. Das Ranking ist vor allem als Standortbestimmung und Instrument zur kontinuierlichen Verbesserung zu verstehen.
Inwiefern hängt der Wille zur Nachhaltigkeit vom politischen und gesellschaftlichen Umfeld eines Clubs ab?
Das spielt eine Rolle. Je nachdem sind die Fans und die Clubs enorm oder weniger motiviert, nachhaltige Massnahmen anzugehen und umzusetzen. Trotzdem: Neben unserer freiwilligen Initiative geben wir als Liga auch jährlich über die Lizenzvergabe neue Nachhaltigkeitsmassnahmen vor. Diese müssen die Clubs unabhängig von ihren Rahmenbedingungen umsetzen.
Als Liga haben Sie eine Carpooling-Plattform eingeführt. Was kann man als Fan sonst noch tun, um zu einem nachhaltigeren Fussball beizutragen?
Das Wichtigste: Zu Fuss oder mit dem ÖV ins Stadion kommen. Im Stadion kann man vegetarisches Essen konsumieren, den Abfall trennen und nach dem Match Merchandise aus Upcycling-Kollektionen kaufen. Es hilft auch, den eigenen Club immer wieder zu motivieren, beim Thema Nachhaltigkeit aktiv zu werden. Die Clubs können nicht alles auf dem Radar haben. Sie brauchen Fans, die Vorschläge einbringen.