«Ich wollte immer schon mit Technik etwas bewirken», meint Helena Wiemeyer. Die gelernte Ingenieurin in Verfahrenstechnik leitet beim Schweizer Start-up neustark das Engineering. Mit ihrem Team setzt sie Lösungen um, die CO₂ dauerhaft speichern. Das Resultat: Negativemissionen, überprüft durch die Firma Gold Standard, die einst vom WWF und weiteren NGOs gegründet worden war.
Damit der Prozess möglichst effizient ist, setzt neustark auf ein Netzwerk. Auf der einen Seite befinden sich grosse CO₂-Emittenten. Also zum Beispiel Biogasanlagen. Auf der anderen Seite mögliche Abnehmer. Aktuell sind dies primär Baustoffrecycler. Abbruchbeton ist der grösste Abfallstrom der Welt. Und er eignet sich, um das Klimagas CO₂ über hunderttausende von Jahren zu speichern.
Grosses Ausbaupotenzial vorhanden – in der Schweiz und weltweit
«Unser Verfahren ist relativ einfach», meint Helena. «Die Herausforderung liegt vor allem darin, die Lösung zu skalieren». Eine erste Partnerin war die ara bern, eine der grössten Abwasserreinigungsanlagen der Schweiz. In ihr wird unter anderem auch Biogas produziert. Anstatt überschüssiges Gas in die Atmosphäre zu entlassen, verflüssigt das Unternehmen inzwischen das CO₂ und verkauft es an neustark. Die Firma transportiert es dann zu einem Baurecycler, wo Abbruchmaterial mit CO₂ verbunden wird. Beim chemischen Prozess reagiert CO₂ mit Abbruchbetongranulat und wird als Kalkstein in den Poren sowie an der Oberfläche des Granulats gebunden.
«Dass ich in meinem Beruf etwas für die Umwelt erreichen kann, ist eine grosse Motivation», erklärt Helena. In den kommenden Jahren möchte sie mit ihrem Team die Kundenbasis in der Schweiz und weltweit stark ausbauen und so ihrer Negativ-Emissionstechnologie (siehe Kasten) zum Durchbruch verhelfen.
Vom Architekturwunsch zur Kreislaufwirtschaft
Die CO₂-Speicherung von neustark läuft parallel zu den bestehenden Abläufen eines Baustoffrecyclers. Damit die mechanischen und chemischen Prozesse zusammenspielen, dafür ist unter anderen Laura Zellweger zuständig. Ihr ursprünglicher Berufswunsch ging in Richtung Architektur. Da sie aber keine Lehrstelle als Zeichnerin gefunden hatte, entschied sie sich für die Lehre als Konstrukteurin.
«Ich hatte immer schon eine Vorliebe für technische Fächer», erklärt Laura. Zu neustark wurde sie geholt, weil sie sich über die Jahre ein grosses Know-how in der Implementierung von Ventilen, Stoffströmen und Leitungen angeeignet hat. Das macht sie bei Kundenprojekten zu einer gefragten Ansprechperson. Laura schätzt es, dass sie in ihrem technischen Beruf nicht nur ausführend tätig ist, sondern auch beratend ins Team eingebunden ist.
Anstatt architektonische Bauwerke zu gestalten, hilft Laura heute also, die Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft weiterzubringen. Schülerinnen und Schülern rät sie, sich bei der Berufswahl auf ihre Interessen zu verlassen. «Teilweise musste ich mich auf meinem Weg etwas anpassen», meint Laura, ihren Bildungsweg habe sie aber nie bereut. «Im Gegenteil, in meinem Beruf kann ich meine Affinität für Technik und Nachhaltigkeit zusammenbringen.»

