Marlen, du lebst und trainierst momentan in Andorra. Was gefällt dir dort besonders?
Marlen Reusser: Andorra ein Hotspot für Rennvelofahrerinnen. Es hat viele eindrückliche Anstiege in Andorra und ein mediterranes Klima – insgesamt also ein ideales Trainingsgebiet. Zudem bin ich nach Andorra gezogen, weil ich mit meinem neuen Team nicht mehr selbstständig erwerbend sein kann.
Du sagst, dass die Schweiz deine Heimat bleibt. Was bedeutet Heimat für dich?
Ich habe mich oft gefragt, was bei mir Heimatsgefühle auslöst. Wir sind ein Produkt unserer Umwelt und Prägung. Ich bin nur an einem Ort, in Hindelbank, aufgewachsen. Geräusche, Gerüche, Klima – das kenne ich alles seit klein auf. Das ist für mich Heimat.
Was hat dich dazu bewegt, beim Umbau deines Hauses auf Nachhaltigkeit zu setzen?
Das Wichtigste ist für mich, dass wir unseren Energieverbrauch reduzieren. Ich habe darauf geachtet, dass Räume, die eher kühl sein dürfen, auf der schattigen Seite liegen. Zudem kann man quer durchs ganze Haus lüften, was im Sommer für Kühlung sorgt. Und beim Material legte ich Wert auf CO₂-arme, regionale Produkte.
Du hast dich auch für eine Photovoltaikanlage entschieden. Warum?
Weil es einfach Sinn macht. Wir nutzen das gesamte Dach, um so viel Energie wie möglich selbst zu erzeugen. Es wird sogar mehr produziert, als wir brauchen – davon profitieren auch die umliegenden Parteien. Durch den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) können alle in der Nachbarschaft mitversorgt werden. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist.
Welche Rolle spielt für dich die Ästhetik beim Umbau?
Eine grosse. Ich mag viel Holz, natürliche Materialien und eine stimmige Atmosphäre. Ich freue mich auf die Gemütlichkeit im neuen Zuhause – auch wenn ich erst in ein paar Jahren einziehe.
Du hast dieses Jahr den Weltmeistertitel im Zeitfahren gewonnen. Wie hast du den Moment erlebt?
Das war ein sehr emotionaler Moment. Auf dem Podium zu stehen, die Schweizer Hymne zu hören – das war etwas ganz Besonderes. Ich habe ins Publikum geschaut und Menschen gesehen, die mir so viel bedeuten. Dieser Moment hätte ewig dauern dürfen.
Hat sich dein Leben als Weltmeisterin verändert?
Nein, ich bin dieselbe wie vorher. Ich habe einfach einen neuen Titel. Mein Partner sagt immer: Man wird nicht Weltmeisterin, man ist Weltmeisterin und zeigt es am Rennen.
Wie schaffst du es, nach solchen Erfolgen abzuschalten?
Ich lade meine Energie durchs Nichtstun auf. Viel schlafen, ausruhen, Zeit mit Menschen verbringen, die nichts mit dem Radsport zu tun haben: das hilft mir abzuschalten. Allerdings habe ich bis jetzt noch fast keine solche Momente gehabt.
Was bedeutet dir dieses Haus persönlich?
Sehr viel. Es wird mein Rückzugsort sein, ein Symbol für Eigenständigkeit und Beständigkeit. Ich verbinde damit das Gefühl, wirklich anzukommen.
Woher nimmst du die Energie, alles unter einen Hut zu bringen – Sport, Planung, Umbau?
Ich denke, das hat mit Disziplin und Struktur zu tun. Im Sport wie im Leben gilt: Kleine Schritte führen zum Ziel. Ich plane langfristig, bleibe aber flexibel.