Vielen Schweizer Unternehmen ist aufgefallen, dass vor allem Vertreter der Generation Y grossen Wert auf das Image des Arbeitgebers legen. Pexels

Firmen locken Fachkräfte mit Nachhaltigkeit

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Bei der Rekrutierung von qualifizierten Arbeitnehmern werden die Unternehmenswerte immer wichtiger.

Neben einem angemessenen Lohn, flexiblen Arbeitszeitmodellen und der viel zitierten Möglichkeit zur Selbstverwirklichung suchen Fachkräfte laut einem Artikel der «Harvard Business Review» bei der Wahl eines Arbeitgebers vermehrt nach einem zusätzlichen Faktor: Nachhaltigkeit und einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Firmen, die ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, sollen 25 bis 50 Prozent tiefere Fluktuationsraten aufweisen. Ausserdem soll es diesen Unternehmen leichter fallen, neue Mitarbeiter zu rekrutieren – und diese auch zu halten. Nutzen auch Schweizer Firmen den Faktor Nachhaltigkeit bei der Rekrutierung von auf dem Arbeitsmarkt umkämpften Fachkräften?

«Es kommt vor, dass Bewerber uns auf unser Nachhaltigkeitsengagement ansprechen und sich positiv dazu äussern», bestätigt Thomas Hügli, Chief Sustainability Officer bei der Versicherungsgesellschaft AXA. Laut Ladina Caduff, Leiterin CSR-Management bei der Schweizer Bankengruppe Raiffeisen, achten viele Arbeitnehmer auf das Image ihres Arbeitgebers. «Dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit, wovon gemeinwohlorientiertes sowie ethisches Verhalten, Diversität oder ökologische Zukunftsfähigkeit wichtige Elemente sind», so Caduff.

Insbesondere junge Fachkräfte legen darauf grossen Wert. «Nachhaltigkeit stellt bei der Generation Y sicher einen Punkt in der Arbeitgeber-Attraktivität dar, ist jedoch nicht allein ausschlaggebend», ist auch David Luyet, Head of HR Marketing bei Swisscom, überzeugt.

«Man muss sich mit dem Arbeitgeber identifizieren können»

Doch auch der nachfolgenden Generation Z seien Werte wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sehr wichtig, hat der Schweizer Onlinehändler Brack.ch erkannt. «Die Vertreter dieser Generation geben ihr Geld für lokale Bioprodukte, Fair Trade, besonders sparsame Fahrzeuge oder Geräte aus und daher ist es nur konsequent, wenn man sich von einem Unternehmen beschäftigen lässt, das – wie man selbst – ebenfalls nicht verschwenderisch mit Ressourcen umgeht und seine Verantwortung wahrnimmt», findet Daniel Rei, Teamleiter Redaktion / PR beim Onlinehändler. «Man muss sich mit dem Arbeitgeber identifizieren können. Das funktioniert aber nur, wenn der Arbeitgeber nicht nur Greenwashing zur Imagepflege betreibt, sondern Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmensstrategie fest verankert, Ziele gesteckt sind und deren Erreichung regelmässig überprüft wird.»

Luyet von Swisscom zufolge ist es aber schwierig, Erfahrungen diesbezüglich zu messen. «Wir merken einfach, dass das Thema Nachhaltigkeit immer öfter in Vorstellungsgesprächen thematisiert wird und Swisscom positiv bewertet wird.»

Bei Adobe Schweiz betreiben IT-Nerds Urban Gardening

Diesen Trend hat man auch beim Softwarehaus Adobe beobachtet: «Qualifizierte Fachpersonen haben in der Tat ein grosses Interesse an der Nachhaltigkeit von Unternehmen entwickelt. Im Rekrutierungsprozess kann es ein wichtiger Vorteil sein, wenn man mit konkreten Beispielen aufzeigen kann, dass sich das Unternehmen um ressourcensparende und umweltfreundliche Prozesse bemüht», erklärt Angelo Buscemi, Country Manager von Adobe Schweiz. Im Fall von Adobe Schweiz könne beispielsweise dargelegt werden, dass man die geschäftlichen Reisetätigkeiten der Mitarbeiter reduziere und stattdessen auf State-of-the-Art Videoinfrastruktur setze, um Meetings zwar so persönlich wie möglich aber gleichzeitig nicht zu Lasten der Umwelt abhalten zu können. Am Adobe-Standort in Basel betreiben die Mitarbeiter Urban Gardening auf der Dachterrasse, was bei neuen Teammitgliedern ebenfalls sehr gut ankomme, berichtet Buscemi.

Der Managed-Cloud-Anbieter Rackspace hat ähnliche Erfahrungen gemacht: «Natürlich leben wir Nachhaltigkeit nicht nur, um potenzielle Bewerber anzulocken», betont Reinhard Waldinger, Managing Director International bei Rackspace. Insbesondere für Digital Natives sei es bei der Wahl eines Arbeitgebers jedoch zentral, dass sie hinter dem Unternehmen und dessen Werten stehen könnten. «Nachhaltigkeit und Umweltschutz waren uns unternehmensweit schon immer extrem wichtig. Seit wir dies vermehrt kommunizieren, erhalten wir regelmässig positive Rückmeldungen in Vorstellungs- und Mitarbeitergesprächen.» Diese Bemühungen scheinen sich auszuzahlen: Rackspace wurde dieses Jahr bereits zum dritten Mal in Folge zum besten Schweizer Arbeitgeber für kleine Unternehmen gekürt und 2017 wurde der Managed-Cloud-Anbieter auch auf Europa-Ebene zum Sieger ernannt.

«Unsere intakte Umwelt soll bewahrt werden»

«Nachhaltigkeit ist aus unserer Sicht ein wichtiges Puzzleteilchen, das heutzutage einfach zu einem verantwortlichen Arbeitgeberprofil gehört. Wer die Bedürfnisse der Menschen und Umwelt gleichermassen respektiert, zieht auch Fachkräfte an, die selbstverantwortlich denken und handeln und unsere Werte teilen», sagt Gregor Stücheli, Mitinhaber und Managing Partner von Inventx, einem Schweizer IT-Berater für Banken. «Wer so nah an der Natur ist wie wir mit unserem Sitz in Chur, ist natürlich sehr sensibilisiert für Nachhaltigkeit, damit unsere intakte Umwelt bewahrt werden kann.»

Lorenz Isler, Sustainability und Public Affairs Manager bei Ikea, schlägt in die gleiche Kerbe: «Immer mehr Firmen verstehen, dass kein Weg an der Nachhaltigkeit vorbeiführt», ist sich Isler sicher. «Fachkräfte bewerten Firmen zunehmend nach ethischen Kriterien und es wird immer wichtiger, dass sie den Arbeitgeber als nachhaltig betrachten.» Insofern habe das Engagement von Ikea in diesem Bereich durchaus positive Nebeneffekte bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden.

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Erste Veröffentlichung: 
1.3.2021
  |  Letztes Update: 
4.5.2021
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