Der Startschuss fiel im Mai 2022: Der Solar Butterfly startete seine mehrjährige Reise durch die Welt. Das rein solarbetriebene Fahrzeug soll 1000 nachhaltige Projekte in 90 Ländern in Europa, Nordamerika, Asien, Australien, Afrika und Südamerika besuchen, bevor es im brasilianischen Belem ankommt. Dort wird das Projekt pünktlich zum zehnten Jahrestag des Pariser Klimaabkommens enden – an der UN-Weltklimakonferenz im Amazonas. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 ist das erste globale Abkommen, in dem sich 195 Staaten zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet haben.
«Ich kann die Welt nicht verändern», sagt Louis Palmer, der Schweizer Initiator des Projekts. «Aber ich kann den Menschen die Augen öffnen und sie inspirieren.» Palmer gilt als Solarpionier mit Hang zum Abenteuer. Seit Jahrzehnten klärt der 51-Jährige über die Klimakrise und mögliche Lösungen auf. 2007 umrundete er als erster Mensch die Erde in einem Solarauto. 2010 organisierte er das weltweit erste Solarautorennen rund um den Globus. «Mir geht es darum, Hoffnung zu machen und konkrete, machbare Lösungen aufzuzeigen», erklärt Palmer.
Hoffnung gegen Fatalismus
Hoffnung scheint notwendig. Denn in weiten Teilen der Bevölkerung schwindet sie: Drei von vier jungen Erwachsenen gaben 2021 in einer internationalen Studie an, mit Angst in die Zukunft zu blicken. Umweltorganisationen wie Greenpeace Schweiz sprechen davon, dass viele angesichts der Klimakrise «eine Art Fatalismus» entwickelt haben.
Palmer behält einen kühlen Kopf. «Die Hauptursachen für die globale Erwärmung sind CO2 und Methan», sagt er: Die Landwirtschaft und die Waldrodungen sind für etwa ein Viertel der Emissionen verantwortlich, ein weiteres Viertel geht auf das Konto der Industrie, ein weiteres Viertel auf die Kohle- und Gaskraftwerke zur Stromgewinnung und nochmals etwa ein Viertel auf die Mobilität und das Heizen zusammen. Der Solar Butterfly präsentiert Projekte aus all diesen Bereichen: Sandbatterien, Spritzmittelroboter, Algen als Viehfutter.
Geben und Nehmen
Kai Hicks hat seinen Job in einer Druckerei aufgegeben, um beim Solar Butterfly dabei zu sein. «Letztes Jahr war ich drei Monate in Europa, jetzt fahre ich vier Monate von Halifax nach Los Angeles.» Was Hicks motiviert? «Vor allem das Reisen», sagt er. «Aber auch der Gedanke, dass man sich mit Solarenergie fortbewegen und etwas zurückgeben kann.» Er habe das Gefühl, dass man Energie oft nur nehme, ohne etwas zurückzugeben.
Der Alltag im Solar Butterfly ändert sich täglich. «Wenn wir ein Projekt haben, müssen wir dafür sorgen, dass wir rechtzeitig vor Ort sind», sagt Hicks. «Das kann stressig sein, aber bisher haben wir es fast immer geschafft.» Dazu kommen Reparaturen am Fahrzeug, das Aufladen der Batterie und auch mal eine Reifenpanne. «Es ist ein Prototyp-Projekt», sagt Hicks. Es gebe immer etwas zu tun. «In Europa hatten wir noch kein fliessendes Wasser an Bord. Jetzt haben wir es in der Küche und in der Dusche.»
Energie aus Wellen
Von den besuchten Projekten beeindruckte Hicks vor allem eines im spanischen Baskenland: das weltweit erste kommerzielle Wellenkraftwerk. Ein Damm, der seit Jahrzehnten ein Fischerdorf vor der Kraft des Meeres schützt, wurde mit Turbinen zu einem kleinen Kraftwerk erweitert. Das Kraftwerk produziert Strom für mehrere Dutzend Haushalte. «Ein spannendes Pionierprojekt», sagt Hicks, während er auf dem Weg zum nächsten ist: Ende September soll der Solar Butterfly in der Dry Lake Solar Energy Zone im US-Bundesstaat Nevada eintreffen. Auf 63 Quadratkilometern, einer Fläche fast so gross wie 9000 Fussballfelder, spannen sich dort die Solarpaneele durch die Wüste, in der es bis zu 48 Grad heiss werden kann.
Mitfahrende gesucht
Im Gegensatz zu Hicks ist Solar-Abenteurer Louis Palmer nicht selbst an Bord. «Ich koordiniere die Tour von Luzern aus und halte Vorträge», sagt er. Mit dem Switzerland Explorer, dem ersten solarbetriebenen Touristenbus der Welt, führt er bei Gelegenheit auch Besucherinnen und Besucher aus aller Welt nachhaltig durch die Schweiz. Das Abenteuer überlässt er der nächsten Generation. Interessierte können sich auf der Website bewerben.
