Kaum eine Branche hat so grossen Einfluss auf die Zukunft unseres Planeten wie die Finanzwelt. Banken und Versicherungen entscheiden täglich darüber, wohin Milliardenbeträge fliessen. Damit bestimmen diese Finanzinstitute auch mit, wie klimafreundlich – oder klimaschädlich – unsere Wirtschaft ist.
Jede Investition hat Folgen für unseren Planeten. Lenken Finanzinstitute ihr Geld in nachhaltige Projekte, können sie den Wandel zu einer umweltfreundlicheren und sozialgerechteren Wirtschaft vorantreiben. Es gilt jedoch auch das Gegenteil: Wenn Banken oder Versicherungen beispielsweise in die Produktion von umweltschädlichem Palmöl investieren, fördern sie die Abholzung von Regenwäldern, Zwangsumsiedlungen und den Verlust der Artenvielfalt.
Kundschaft will wissen, wofür ihr Geld verwendet wird
Bankkundinnen und -kunden fragen vermehrt nach, was mit ihrem Geld geschieht. Immer mehr Finanzinstitute in der Schweiz und weltweit verpflichten sich zu nachhaltigen Anlagestrategien und veröffentlichen Berichte über die Klimawirkung ihrer Investitionen. Auch Privatpersonen können mit ihrem Geld viel bewirken. Jeder investierte Franken sagt etwas darüber aus, welche Art von Zukunft wir unterstützen wollen. Wer sein Geld in nachhaltige Fonds oder Unternehmen anlegt, trägt unter anderem dazu bei, dass mehr Mittel in verantwortungsvolle Firmen, klimafreundliche Technologien und faire Arbeitsbedingungen fliessen.
Was bedeutet nachhaltiges Investieren?
«Nachhaltige Investitionen sollen die Lebensgrundlagen für künftige Generationen erhalten und dabei gute Renditen erzielen», erklärt Tillmann Lang, Mitgründer und CEO von Inyova Impact Investing. Inyova steht für «Invest in Your Values», auf Deutsch «Investiere in deine Werte». Das in Zürich ansässige Finanztechnologieunternehmen ermöglicht Privatpersonen, ihr Vermögen mittels Investitionen in Aktien und Anlagen mit spürbarer Nachhaltigkeitswirkung zu vermehren. «Wir merken, dass sich immer mehr Menschen mit der Frage auseinandersetzen, was ihr investiertes Geld bewirkt», berichtet Tillmann Lang.
Ob Klimaschutz, Ernährungssicherheit, Zugang zu sauberem Wasser, Gesundheitsforschung oder digitale Innovationen: Die Inyova-Anlegerinnen und Anleger können in rund 300 Unternehmen investieren und so Nachhaltigkeitsthemen unterstützen, die ihnen am Herzen liegen. Die Auswahl der Unternehmen im Portfolio erfolgt anhand umfangreicher Datenanalysen und direkter Gespräche mit den Firmen. «Wir achten nicht nur auf den Fussabdruck, sondern auch auf den Handabdruck eines Unternehmens – also darauf, welchen positiven Beitrag es tatsächlich leistet», erläutert Tillmann Lang.
Erfolgreiche Mitwirkung: verschärfte Richtlinien für Regenwaldprojekte
Inyova Impact Investing gestaltet die Unternehmen im Investment-Portfolio mit. Ein Beispiel dieser Mitwirkung ist die Zurich Insurance Group. Fast 1250 Mitglieder der Inyova-Community unterzeichneten einen Brief an grosse Versicherungskonzerne. Darin forderten sie strengere Regeln für fossile Brennstoffe sowie mehr Unterstützung für saubere und nachhaltige Lösungen. Parallel dazu suchte Inyova Impact Investing das direkte Gespräch mit den Versicherungen. Die Zurich Insurance Group kündigte daraufhin an, ihre Versicherungsrichtlinien bei Regenwaldprojekten zu verschärfen.
Rendite nachhaltiger Investitionen ähnlich oder besser als bei klassischen Investments
Doch lohnt sich nachhaltiges Investieren auch finanziell? «Die Rendite muss natürlich stimmen und tut es auch», sagt Tillmann Lang. Hunderte internationaler Studien belegen, dass nachhaltige Anlagen langfristig ähnliche oder sogar bessere Ergebnisse erzielen können als klassische Investments. Die Renditeerwartung der Inyova-Investierenden betrage zwischen sechs und acht Prozent.
Ein Grund für diese Entwicklung ist die Widerstandsfähigkeit nachhaltiger Unternehmen. Firmen, die Umwelt- und Sozialrisiken ernst nehmen, sind meist besser vorbereitet auf neue Gesetze, steigende Energie- und Rohstoffpreise oder veränderte Erwartungen der Kundschaft. Sie gelten als stabiler und kommen oft besser durch wirtschaftlich unsichere Zeiten. Unternehmen, die Umweltstandards missachten oder Menschenrechte verletzen, geraten hingegen schneller in Skandale, Rechtsstreitigkeiten oder politische Konflikte. Das kann ihren Aktienkurs belasten und die Rendite senken.
Welche Art von Zukunft finanziert mein Geld?
Nachhaltige Investitionen dienen dem Vermögensaufbau und beeinflussen, wie sich unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Planeten entwickeln. Denn Geld liegt nicht einfach auf einem Konto. Es finanziert Unternehmen, ermöglicht Forschung, schafft Arbeitsplätze und entscheidet mit über die Lebensgrundlage kommender Generationen. Beim Investieren sollte man sich darum immer die Frage stellen, welche Art von Zukunft sein Geld finanziert.
Und wann ist der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken darüber zu machen? Man könne nie früh genug mit Investieren und Vermögensaufbau beginnen, sagt Inyova-Mitgründer und CEO Tillmann Lang. Dies sei auch mit wenig Geld möglich. «Lieber schon als junger Mensch in kleinen Schritten beginnen, mehr über Finanzen sprechen und stetig dazulernen.» Bereits mit 100 Franken in jungen Jahren lassen sich mittel- und langfristig Gewinne erzielen und gleichzeitig dazu beitragen, dass die Wirtschaft nachhaltiger wird.
