Das Prinzip der Solarvignette ist einfach: Wer eine Vignette kauft, finanziert damit ein Stück einer Solaranlage, die so viel Energie produziert, wie das eigene Handy, der Laptop oder der Kühlschrank pro Jahr verbrauchen.
«Je mehr Strom ein Gerät benötigt, desto grösser ist der Anteil an der Solaranlage, der mit dem Kauf der Solarvignette finanziert wird», erklärt Anna Opladen, die Projektverantwortliche.
Mehr als 20'000 solcher Vignetten sind dieses Jahr im Umlauf. Im vergangenen Jahr sparten die vier mit der Solarvignette installierten Solaranlagen rund 30'000 Kilogramm CO₂ ein – das entspricht dem Ausstoss von 13 Flügen von Zürich nach New York und zurück.
Die Solarvignette kann, ähnlich wie die Autobahnvignette, auf das entsprechende Gerät geklebt werden.
Beitrag zur Energiewende
Angefangen hat alles ganz klein. Als sich vor 20 Jahren der erste E-Velo-Boom abzeichnete, dachten sich ein Zivildienstleistender und sein Chef bei Greenpeace: Toll – aber wirklich nachhaltig wird das erst, wenn die Velos auch mit sauberem Strom betrieben werden. So entstand die Idee der Solarvignette.
Seither ist das Projekt stetig gewachsen und erhielt 2021 seine heutige Form: Wer für ein Gerät eine Solarvignette kauft, gleicht damit dessen Stromverbrauch aus. Wobei: «Eine Kompensation möchte ich das nicht nennen», sagt Opladen. «CO₂ lässt sich nicht wirklich kompensieren – sobald es in der Luft ist, bleibt es dort.»
Opladen sieht den Kauf einer Vignette als freiwilligen Beitrag zur Energiewende.
Solarvignette ab 10 Franken
Dennoch wird sie von manchen Unternehmen auch zur Kompensation genutzt. Das KMU LerNetz, das sich auf Bildungskommunikation spezialisiert hat, kauft jedes Jahr zahlreiche Vignetten. «Mittlerweile haben sie rund 50 Solarpanels für fast 100'000 Franken finanziert», sagt Opladen.
Doch auch mit kleinerem Budget kann man mitmachen. «Die beliebteste Solarvignette ist jene fürs Handy», sagt Opladen. Sie kostet 10 Franken – und wird häufig verschenkt, etwa an Kunden oder Freunde. «Ein kleiner Beitrag für den Bau einer neuen Solaranlage – und damit für mehr nachhaltigen Strom.»
Unterstützung für ostafrikanische Kliniken
Der Kauf einer Solarvignette wirkt nicht nur in der Schweiz, sondern auch in verschiedenen afrikanischen Ländern: Der Erlös aus dem produzierten Strom fliesst in weitere Projekte von Solafrica.
«Weltweit haben 685 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität», sagt Opladen. Rund 80 Prozent davon leben in Afrika. «Solarenergie bietet ein enormes Potenzial, um Menschen auf einfache und nachhaltige Weise Zugang zu Strom zu ermöglichen.»
Solafrica nutzt dieses Potenzial, indem Partnerorganisationen in Niger, Togo und Burkina Faso Solaranlagen auf Kliniken installieren, die weit entfernt von den grossen Städten liegen. «Ohne diesen Solarstrom könnte dort zum Beispiel nachts niemand behandelt werden», erklärt Opladen.
Solar: Ein Weg aus der Armut
In Westafrika unterstützt Solafrica zudem die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher und junger Frauen zu Solartechnikern und -technikerinnen. «146 Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen haben diesen Sommer ihre Ausbildung in Kenia abgeschlossen», berichtet Opladen.
Mit ihrer Arbeit ermöglichen sie nun Menschen in ihrer Heimat den Zugang zu Strom, fördern die nachhaltige Stromproduktion – und können gleichzeitig der Armut entkommen. «Alle, die im Vorjahr abgeschlossen haben, haben heute einen Job», sagt Opladen.
Der Zugang zu Strom kann dabei auch anderen Kindern helfen: Wo es keinen Strom gibt, verbringen sie ihre Tage oft damit, Brennholz zum Kochen zu sammeln, anstatt zur Schule zu gehen.
«Ideales Weihnachtsgeschenk»
Fast 400 Solarpanels wurden inzwischen über die Solarvignette auf Berner Kindertagesstätten und Hotels installiert. Geht es nach Opladen, sollen es stetig noch mehr werden.
«Die Solarvignette ist ein ideales Weihnachtsgeschenk», sagt sie. «Vor allem, weil man sie zusammen mit einer feinen Solar-Schoggi verschenken kann.»
Mehr Informationen gibt es auf Solarvignette.ch und Solafrica.ch
