In Zeiten von ChatGPT scheint es nicht mehr besonders attraktiv zu sein, eigene Texte zu verfassen. Doch es gibt gute Argumente dafür, es trotzdem zu tun, wenn man einer Studie des MIT Glauben schenkt. Aber nicht nur unser Gehirn profitiert vom Schreiben, sondern auch unsere Emotionen – und bestenfalls sogar unsere Bereitschaft, uns für das Klima einzusetzen. Und genau deswegen will das Projekt «Dear Tomorrow» die Menschen dazu bringen, Briefe in die Zukunft zu schreiben.
Was ist «Dear Tomorrow»?
«Dear Tomorrow» ist eine Initiative, bei der Menschen dazu motiviert werden sollen, Briefe in die Zukunft zu schreiben: an die eigenen Kinder, Enkelkinder oder ihr zukünftiges Selbst. Dahinter steckt die Idee: Wenn wir uns vorstellen, wie unsere Entscheidungen von heute das Leben von morgen beeinflussen, verändert sich unser Denken. Gegründet wurde das Projekt vor zehn Jahren von Jill Kubit und Trisha Shrum.
Wie funktioniert das Briefeschreiben?
Mitmachen ist einfach: Auf der Website von «Dear Tomorrow» können Interessierte einen Brief schreiben und publizieren. Adressiert wird der Brief an eine Person im Jahr 2050. Die Beiträge werden auf der Website geteilt und auch in Ausstellungen oder Workshops verwendet. Wer seinen Namen lieber nicht im Internet liest, kann seinen Brief auch anonym einreichen. Und wer Mühe hat, Inspiration zu finden, kriegt brauchbare Tipps an die Hand. Zum Beispiel: «Make it personal» («Mach es persönlich»).
Was soll das Briefeschreiben bewirken?
Die Theorie lautet folgendermassen: Menschen sind emotionale Wesen. Wenn wir in einem Brief erklären, warum uns eine enkeltaugliche Zukunft wichtig ist, entsteht eine emotionale Verbindung – zu den Menschen, die nach uns kommen, und zur Verantwortung, die wir selbst tragen. Das ist die Verbindung, die in der oft abstrakten Klimadebatte meist fehlt oder vergessen geht.
Was schreiben die Menschen so?
Dass die Geschichten anderer Menschen veröffentlicht werden, zeigt auch eine Wirkung bei den Lesenden. Studien legen nahe: Emotionale Botschaften und Geschichten sind oft wirksamer als reine Zahlen und Fakten. Auf «Dear Tomorrow» sind kurze und lange Briefe zu lesen. Emotionale und nüchterne. Viele Menschen legen Versprechen ab. Andere Briefe sind von Hoffnung gezeichnet. Eine Mutter etwa schreibt aus der Schweiz: «Lieber Sohn Gabriel. Ich wünsche mir, im Jahr 2050, wenn du in meinem Alter bist, dass wir zusammen den Schnee in den Bergen sehen können. Wie heute in Renens, Schweiz.»
