Die Schweiz ist ganz vorne mit dabei, wenn es um den weltweiten pro-Kopf-Verbrauch von Einwegplastik geht. Das ist keine besonders gute Nachricht: Plastik ist belastend für die Umwelt – selbst wenn er korrekt entsorgt wird – und für den Körper, in Form von Mikroplastik. Trotzdem steigt der Plastikverbrauch von Jahr zu Jahr, auch in der Schweiz.
Um auf das Problem aufmerksam zu machen, haben sich zu Beginn des Jahres mehrere Schweizer Umweltschutzorganisationen (Greenpeace Schweiz, Plastic Free Campus, Earth Action for Impact) zusammengetan, um den «Big Plastic Count» durchzuführen. Eine Kampagne, die ihren Ursprung in Grossbritannien hat. Ziel der Aktion war, so viele Menschen wie möglich dazu zu bewegen, ihren Plastikverbrauch während einer Woche präzise zu zählen. Die Organisatoren und Organisatorinnen wollen auf diese Weise die breite Bevölkerung sensibilisieren sowie Aufmerksamkeit für das Plastikproblem schaffen.
Nur 5 Prozent Plastik wird recycelt
Im April wurde schliesslich eine Woche lang gezählt: Schulen und Haushalte aus der ganzen Schweiz machten mit. Während dieser sieben Tage wurden 215’463 Plastikteile gezählt, kategorisiert und entsorgt. Entsorgung heisst in diesem Fall jedoch meistens: Verbrennung. Denn in der Schweiz wird Plastik kaum recycelt. Wenn, dann handelt es sich meist um PET-Flaschen, wie im Abschlussbericht des «Big Plastic Count» zu lesen ist. Vom Gesamtschweizer Plastik landet lediglich 5 Prozent im Schweizer Recycling. Der Grossteil wird verbrannt (73 Prozent) oder exportiert (22 Prozent).
Was vielen nicht bewusst ist: Wird Plastik verbrannt, löst er sich nicht einfach in Luft auf. Im Bericht ist zu lesen: «Verbrennungsanlagen stossen giftige Gase aus, die die Luft verschmutzen, die wir atmen.» Und sie erzeugen Rückstände. Diese Rückstände müssen als Sondermüll in Deponien gelagert werden, weil sie hochgiftig und gefährlich sind.
Aber wie das Problem lösen? Müsste in der Schweiz nicht viel mehr Plastik recycelt werden? In anderen Ländern kann man so gut wie jeden Haushaltsplastik in den Recyclingkübel geben. Laut den Organisatorinnen und Organisatoren des «Big Plastic Count» liegt die Lösung des Plastikproblems jedoch nicht in der Erhöhung der Recyclingquote: Plastik könne nur ein- bis zweimal recycelt werden und lande dann trotzdem im Ausland oder in der Verbrennung.
Milliarden Plastikstücke pro Jahr
Manche Zahlen aus dem Bericht des «Big Plastic Count» sind schwindelerregend: Rechnet man den «Big Plastic Count» hoch auf alle Schweizer Haushalte, so liegt die Zahl der weggeworfenen Plastikteile bei 9 Milliarden Stück pro Jahr.
Zusätzlich zum Plastikzählen haben die Teilnehmenden des «Big Plastic Count» an einer Umfrage teilgenommen. Der Grossteil der Befragten (95 Prozent) ist besorgt über die möglichen Auswirkungen von Plastik auf die Gesundheit.
Und 91 Prozent sieht die Lösung des Plastikproblems bei der Quelle: Sie «sind der Meinung, dass Unternehmen, einschliesslich Marken und Einzelhandel, ihrer Verantwortung nachkommen müssen, indem sie den Plastikabfall ihrer Produkte reduzieren.» Fast genauso viele wünschen sich von den Herstellern «vollständige Transparenz über die Zusammensetzung von Kunststoffen, einschliesslich chemischer Zusätze.»
