Ein Boot, das mit über 70 Kilometern pro Stunde über die Wasseroberfläche jagt, als wäre es am Fliegen. Darin: Bis zu 350 Passagiere, die in Windeseile von A nach B transportiert werden. Klingt nach Zukunftsmusik? Nun, die Entwicklungen des Walliser Startups Mobyfly machen diese Zukunft extrem greifbar. Ihr knapp 20-plätziger Prototyp gleitet bereits seit Ende 2022 über den Genfersee.
Globaler Fährbetrieb soll revolutioniert werden
Das Geheimnis des Mobyfly-Boots? «Der elektrische Antrieb, die dynamischen Tragflügel und die Software», sagt Sue Putallaz, Geschäftsführerin und Mitgründerin der Walliser Firma mit Hauptsitz in Le Bouveret am Genfersee. Einige der schnellsten Rennsegelboote dieser Welt jagen mit dem gleichen Anwendungsprogramm über die Wellenkämme. «Alle, die mit unserem Prototyp mitfahren, sind völlig baff, wie sanft die Fahrt ist.» Putallaz hat gemeinsam mit dem ehemaligen schwedischen Windsurfweltmeister Anders Bringdal und Ingenieur Ricardo Bencatel ein Tragflügelboot entwickelt, das den globalen Fährbetrieb revolutionieren soll. «Unser Ziel ist es, tatsächlich etwas gegen den weltweiten CO2-Ausstoss zu tun und eine nachhaltige Alternative für Fährstrecken von bis zu 100 Kilometern anzubieten.»
Auf dem Wasserweg würden nämlich mindestens so viele Transporte durchgeführt wie auf dem Luftweg: 2,2 Milliarden Passagiere pro Jahr. «Nur gibt es einen gewaltigen Unterschied: Die Technologie dafür ist schon verfügbar.»
Der Mix machts
Und diese Technologie lautet gemäss Putallaz: batteriebetriebene Tragflügelboote, die sich je nach Wellengang mal mehr, mal weniger aus dem Wasser erheben und so besagte hohe Geschwindigkeiten erreichen können. «Tragflächenboote gibt es schon lange, elektrische Motoren auch. No news here. Was unsere Boote besonders macht, ist die Kombination von beidem bei hoher Geschwindigkeit und bei jedem Wellengang.» Das Startup testet vor der Küste Portugals, wo bald die Serienproduktion anlaufen soll, auch regelmässig im offenen Meer.
Nachdem man die 300 Meter breite Uferzone verlassen hat, kann das Boot beschleunigen und erhebt sich dank der sogenannten Hydrofoils aus dem Wasser. Das reduziert den Energieverbrauch drastisch. Er beträgt dann nur ein knappes Fünftel dessen, was ein normales Boot verbrauchen würde. Die Energieeffizienz sei kaum zu überbieten, meint Putallaz. Dazu kommen weitere Vorteile: keine Wasserverschmutzung, keine Wellenbildung, kein Lärm.
Erste Bestellungen sind eingegangen
Die ersten Boote sind bestellt. Sie sollen Anfang 2026 ausgeliefert und vor allem als schnelle Shuttles zwischen kleinen Inseln eingesetzt werden. Doch auch der Schiffverkehr auf dem Genfer- oder Zürichsee oder dem Yodo in Osaka oder dem Sumida in Tokio könnte dereinst mit Schweizer Booten betrieben werden: «Wir bieten auch ein XL-Modell für bis zu 350 Passagiere an.»
Weitere Informationen unter mobyfly.ch.com.
